www.haefely.info Guldentaler Kalender 2005 - "Viva la musica - Es lebe die Musik"
MAI

Bild: Strähl-Pianino in Privatbesitz, erbaut um 1860, mit Firmenschild "Strähl & Spörndli, Facteurs de Pianos, Soleure" [jch]
Wolfgang Strähl – Klavierbauer und Revolutionär
1841 beriet der Neuenburger Staatsrat über eine staatsgefährdende Verbindung mit
dem Namen „Bund der Geächteten“. Der Bürgermeister wurde beauftragt, den
Pianofortemacher Wolfgang Strähl aus Mümliswil, Mitglied der Vereinigung, zu
verhören und eine Hausdurchsuchung vorzunehmen. - Strähl, dessen umfangreiche
Korrespondenz unter dem Titel «Briefe eines Schweizers aus Paris» 1988 im
ostdeutschen Akademie-Verlag veröffentlicht wurde, kam 1807 in Mümliswil zur
Welt. Er erzählt, in der Dorfschule dreimal den ersten Osterpreis erhalten zu
haben, bevor er auf Wanderschaft gegangen sei: „Ich habe 4 Jahre Papiermacher
gelernt […] und ich habe in meinen zwanziger Jahren 2 Jahre die Tischlerei
gelernt.“ Dies war vermutlich in Lyon. In Paris arbeitete er von 1826 bis 1836
in der renommierten Pianofortefabrik von Pape und erlebte 1830 die
Julirevolution. Etwa zur gleichen Zeit befand sich in Paris sein Jugendfreund J.
J. Ackermann, auch er ein Mitglied der «Geächteten». Die beiden unterhielten
einen regen Briefwechsel. 1936 kehrte Strähl in die Schweiz zurück und arbeitete
schliesslich als Klavierbauer in Solothurn, nach 1854 zusammen mit Simon
Spörndli. Die Firma präsentierte ihre Instrumente auf der Berner
Gewerbeausstellung. Strähl starb 1872 auf einer Geschäftsreise in Neuchâtel.
Lange waren nur noch zwei «Strähl-Pianinos» bekannt, im Basler Musikmuseum und
im Museum Blumenstein Solothurn. Vor kurzem ist in Privatbesitz ein weiteres
Instrument aufgetaucht.
[jch]
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