www.haefely.info Guldentaler Kalender 2006 - "So isch's dr Bruuch..."
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Bild: Prozession am Ramiswiler Palmsonntag 2001 [Bild: hvm]
«…Baume binge im Ramiswiu»
Der Brauch, Palmen mit Bogen und Kränzen zu gestalten und mit andern in einer
Prozession zur Kirche zu tragen, ist im Guldental noch jung. Dass es Jahr für
Jahr mehr werden, spricht für die Beliebtheit der prächtigen Kreationen. Anders
war es früher. In den Bauernhöfen wurden Stechpalmen-, Buchs- und Eibenzweige zu
einfachen Büscheln gebunden. Weil aber im Guldental nicht für alle Palmsträucher
zu finden waren, zogen die Knaben über den Passwang ins benachbarte Beinwil und
holten sich dort die Zweige. Am Palmsonntagmorgen wurden diese Gebinde dann zur
Messe getragen und vom Pfarrer gesegnet. Wer von den Gottesdienstbesuchern
keinen eigenen Zweig mitbringt, darf sich jeweils aus dem Gemeinschaftskorb
bedienen. Jeder Strauss hatte zu Hause seinen Platz, so wollte es der Brauch. Er
sollte Haus und Hof vor Feuer und Blitzschlag schützen. Bei ganz heftigen
Gewittern und Hagelschlag, erzählt ein Ramiswiler Bauer, habe seine Mutter
jeweils drei bis sechs Blätter vom Strauss über dem Türeingang geholt und sie im
Ofen verbrannt, um die zerstörerische Wirkung des Gewitters zu bannen. Der
gesegnete Palmenstrauss wurde nie weggeworfen. Wenn ein neuer seinen Platz
einnahm, wurde der alte verbrannt. Auch das gehört zum Brauch. In Mümliswil
banden über viele Jahre die Jungwächtler die Palmen. Heute tun es die
Ministranten, bringen sie den Leuten und verwenden den Erlös für sinnvolle
Projekte.
[hvm]
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