www.haefely.info Guldentaler Kalender 2006 - "So isch's dr Bruuch..."
FEBRUAR
Bild: Mümliswiler Chesslernachwuchs im Jahre 1987 [Bild: jch]
«…d’Chesslete am Schmutzige Dunnschtig»
Die «Chesslete» als Fasnachtsauftakt ist so nur im Kanton Solothurn bekannt, in
Mümliswil seit 1963. In weisse Nachthemden und Zipfelmützen gehüllt ziehen junge
Leute am Schmutzigen Donnerstag um fünf Uhr früh los und veranstalten mit leeren
Blechfässern, Rätschen und Pfannendeckeln zum «Bööggemarsch» einen
ohrenbetäubenden Lärm. Der gespenstische Zug wird durch den Oberchessler
angeführt. Nachher gibt es bei einem örtlichen Gastwirt eine Gratis-Mehlsuppe.
Die beste habe früher der Halleguscht gekocht, wird erzählt. Bis ins Jahr 1997
holte sich die Mümliswiler Dorfjugend ihre Lärmwerkzeuge auf der Abfallhalde des
OWO-Presswerks. Dort lagen viele leere Blechkanister, in denen das
Kunststoffgranulat angeliefert wurde. Damit auch die kleinsten Nachwuchsnarren
ihr Lärmbedürfnis abdecken können, führte die Fasnachtsgesellschaft die
Kinderchesslete am Vortag ein. Nach dem Umzug gibt es Wienerli und Brot. Die
europäische Volkskunde kennt viele Volksbräuche zum Austreiben der
Wintergeister, so das «Chalandamarz» der Engadiner Schülerschaft oder das
Winterausschellen im bündnerischen Münstertal. In Nordeuropa werden die
keltischen Wintergeister Bertha und Holda erwähnt, auch bekannt als Frau Holle,
die mit grossem Lärm verjagt werden. Der Ursprung solcher Bräuche könnte auf
vorchristliche Riten im Zusammenhang mit dem ersten Austreiben des Viehs im
Frühjahr zurückgehen, nach den stillen Wintermonaten jeweils ein emotionaler
Moment. [jch]
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