www.haefely.info Guldentaler Kalender 2006 - "So isch's dr Bruuch..."
MÄRZ

Bild: Bäcker René Ingold mit seinem ofenfrischen Freitagsangebot [Bild: jch am 14.10.2005]
«…d’Frytigswäjie und angeri
Chuchibrüüch»
Jeden Freitag in aller Frühe steht René Ingold-Henzi in der Backstube. Er leert
den vorbereiteten Guss über die ausgelegten Äpfel, Zwetschgen, Aprikosen oder
Rharbarberstücke und schiebt die grossen Bleche in den vorgeheizten Ofen. Heute
noch kommt im katholisch geprägten Guldental die Freitagswähe auf manchen
Familientisch. Als Vorspeise dient eine währschafte Suppe, dazu trinkt man
Milchkaffee. Ältere Mümliswiler berichten, wie sie früher ihre selbst gekneteten
Teigboden und eigenes Obst in die Dorfbäckereien gebracht hätten. Dort wurden
die Wähen knusprig gebacken. Nicht alle Küchen verfügten über einen Backofen.
Gleich neben der Bäckerei Ingold bietet Metzger Albert Moulin für den Freitag
frische Fischspezialitäten an, das andere klassische Freitagsgericht. Noch
andere Bräuche im Zusammenhang mit Fast- und Abstinenztagen haben sich erhalten,
etwa die Mehlsuppe. Kein Zufall, dass die Fastenzeit in den Vorfrühling fällt,
wo früher Nahrungsmittel knapp und Frischprodukte kaum erhältlich waren. In
vielen privaten Küchen werden in den Fasnachtstagen Chnöiblätze oder Schänkeli
gebacken, vor Ostern Zwiebelschalen und Kräuter gesammelt, um damit Eier zu
färben. «Gchüechlet» wird wieder im Advent. Da gibt es Chräbeli, Mailänderli,
Brunzli, Zimmetstärne, Spitzbuebe und hauseigenes Gebäck. Dass es sich in
Mümliswil kaum lohnt, unter der Woche Butterzöpfe zu backen, hat René Ingold
längst bemerkt; viele Guldentaler bestehen auch heute auf ihrem Sonntagszopf. [jch]
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