www.haefely.info    Guldentaler Kalender 2006  - "So isch's dr Bruuch..."

APRIL

 

Bild: Alte Karfreitagsrären aus der Mümliswiler Pfarrkirche [Bild: jch]

 

«…Karfrytigsräre und Oschterschitter»

Wenn Guldentaler zur Karfreitagsliturgie gehen, herrscht von den Kirchtürmen her Totenstille. Früher erzählte man Kindern, die Glocken seien nach Rom geflogen und würden vom Papst gesegnet. Kein feierliches Schweigen umfing die Kirchgänger vor Jahrzehnten an Karfreitagen, vielmehr hörte man vom Gotteshaus her lautes Knattern. Einmal im Jahr durften die Messdiener auf dem Kirchplatz nach Herzenslust lärmen. Dafür wurden Rätschen oder Rären vom Kirchenestrich geholt, und anstatt wie sonst an den Glockenseilen zu ziehen, drehten die Buben mit aller Kraft an den Kurbeln. Die Stifte der Kurbelwelle spannten kleine Holzhämmer und liessen sie mit Wucht gegen ein Brett schnellen. Das Knattern drang bis weit in abgelegene Höfe und mahnte zum Gottesdienst. Auch in der Kirche waren die Altarschellen verstummt. Die Ministranten schlugen stattdessen mit kleinen Holzklappern. Wenn in der Osternacht dann die Orgel zum Gloria einsetzte und im Turm alle Glocken loslegten, wurden die Rären und Klappern wieder für ein Jahr auf dem Kirchendachboden verstaut. Im Osterfeuer vor der Kirche aber wurden Holzscheiter angesengt und, zu zweien oder dreien zusammengebunden, in gläubigem Vertrauen in Haus und Stall aufgehängt. So dienten sie als Schutz vor Brand und Blitzschlag. Andere trugen das noch glühende Osterscheit nach Hause und entzündeten nach uraltem Brauch das Herdfeuer. Ausgerechnet die Pfarrscheune wurde am 31. März 1899 das Opfer solcher Osterscheiter. [jch]

 

Zur Seite 'Guldentaler Kalender 2006', wo Sie Ihr Exemplar gleich bestellen können!

Seit dem 01. April 2006 sind Sie BesucherIn Nr. Zugriffszähler