www.haefely.info    Guldentaler Kalender 2007  - "Gasthäuser und Pintenschenken"

MÄRZ

 

Die Ramiswiler Wirtschaft "zur Post" um 1920, im linken Teil das Postbüro

 

In Ramiswil ging die Post ab

Die ersten Erwähnungen von der «Post» Ramiswil stammen aus dem Jahre 1857. In einem Gründungsprotokoll der Ortskommission wird als Besitzer ein Franz Josef Dobler, Siegrist, erwähnt. Damals war die Liegenschaft an der «Hinteren Gass» ein reiner Bauernbetrieb. Als am 1. März 1862 eine Postablagestelle errichtet wird, kommt das Büro in dieses Haus. 1894 kauft eine Johanna Kammermann die «Hintere Gass» und eröffnet sofort eine Wirtschaft. 1909 bewilligt die PTT-Direktion eine richtige Post. Linus Haefeli, Besitzer der «Hinteren Gass», wird erster Posthalter. Seit dieser Zeit trägt die Wirtschaft den Namen «Post». 1971 wird das alte Gebäude abgerissen und ein neues aufgebaut. Nach einem langjährigen Stillstand wird 2003 die Wirtschaft eine Werkstatt für Motor- und Fahrräder.
Schon um die letzte Jahrhundertwende waren die Tanzsonntage der «Post» weit herum bekannt. Junge Leute trafen sich jeweils hinter dem Haus oder später auch im Säli zum Tanzvergnügen. Handörgeler und Bassgeiger machten Musik, und an ganz besonderen Anlässen war auch ein Klarinettist dabei. Auf die Besetzung kam es dem Jungvolk gar nicht an. Für alle war es die seltene Gelegenheit, das Tanzbein zu schwingen. Dabei hatten es die Burschen besser. Die meisten hatten Arbeit und dadurch auch Geld, um etwas zu konsumieren. Bei den jungen Frauen war das ein bisschen anders. Sie hatten wenig oder oft auch nichts im Geldbeutel. So blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich am Rande des Geschehens aufzuhalten und sehnsüchtig zu warten, bis sie von einem Burschen zum Tanze aufgefordert wurden. Die «Post» hatte auch eine Kegelbahn, wo man an Sonntagen um kleine Einsätze oder um das Trinken die Kugeln rollen liess.  [hvm]

 

zur Seite GULDENTALER KALENDER 2007