www.haefely.info Guldentaler Kalender 2007 - "Gasthäuser und Pintenschenken"
MAI

Das Restaurant Traube hiess früher Wirthschaft Probst-Saner [Foto um 1915, zVg Urs Jaeggi-Scherer]
«Dr Trübel gheit nid wyt vom Stamm.»
Die Geschichte des Restaurants zur Traube reicht ins späte 19. Jahrhundert
zurück. Eigentümerin um 1900 war die Witwe Katharina Probst. Zur «Wirthschaft
Probst-Saner», wie das Lokal mit dem charakteristischen Eckvorbau hiess, gehörte
eine grosse Scheune mit schönem Rundbogentor. Josef Probst-Jeker, Bürgerammann,
im Dorf als «Trübelsepp» bekannt, baute 1910 anstelle der Scheune einen grossen
Saal. Der Kirchenchor Sankt Martin erweiterte diesen bald um eine Bühne. So
wurden dort ab den 1920er Jahren unter der Direktion von Adolf Walter zahlreiche
Operetten wie «Der Vogelhändler» inszeniert. Die Mümliswiler Aufführungen fanden
weit über die Region hinaus Beachtung. Auch ein tragisches Ereignis verbindet
sich mit dem Traubensaal: Am 30. September 1915 wurde er bei der
Brandkatastrophe der Kammfabrik zu einem Notlazarett für die zahlreichen
Verletzten umfunktioniert. Später erwarben der deutschstämmige Max Keller-Bader
und seine Frau Jeanette ab der Bereten den Gastbetrieb und erneuerten ihn im
Laufe der Zeit. 1957 wurde Tochter Zita Floriani-Keller Traubenwirtin. Sie liess
gleich die Gaststube erneuern und die Küche vergrössern. Ihr Gatte Guido führte
hinter der Wirtschaft eine Spenglereiwerkstatt. Nach Zitas Tod 1994 wurde der
traditionsreiche Saal, in dem so viele Maskenbälle der MFG stattgefunden hatten,
aufgegeben und zu einer Wohnung für familiäre Bedürfnisse umfunktioniert. Nach
einigen Jahren unter Pächter Philipp Issartel führen nun seit August 2005 Esther
und Gustav Mengisen-Floreani das Mümliswiler Traditionslokal, unter dem sinnigen
Motto «Dr Trübel gheit nid wyt vom Stamm». [jch]
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