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Sakralarchitektur, Liturgie und geistliche Musik

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Ein Aufruf von 57 kulturellen Persönlichkeiten an Papst Paul VI. - Im Jahre 1971 erging ein Aufruf, unterschrieben von zahlreichen bekannten, in England lebenden Schriftstellern, Professoren, Kunstschaffenden und Historikern an den damaligen Papst Paul VI. Sie riefen den Oberhirten der katholischen Weltkirche auf, die überlieferte Form der lateinischen Messe nicht anzutasten. Das Dokument ist hier im englischen Original zu lesen: http://www.traditio.com/tradlib/agatha.txt  Es hatten folgende Persönlichkeiten unterzeichnet: der Dichter Sir Harold Acton, der Meisterpianist und Dirigent Vladimir Ashkenazy, die Dichterin Maurice Bowra, die unvergessliche Krimi-Autorin Dame Agatha Christie, der Schriftsteller Cyrill Connolly, der Stardirigent Sir Colin Davis, der Dichter Robert Graves (Verfasser von "Ich, Claudius, Kaiser und Gott"), der Romancier Graham Greene, die avantgardistische Bildhauerin Barbara Hepworth, der britische Hofdichter Cecil Day Lewis, der schottische Novellist Sir Compton MacKenzie, der Geigenvirtuose und Dirigent Sir Yehudi Menuhin, die Biographin Nancy Mitford, der Journalist und Mutter-Teresa-Biograph Malcolm Muggeridge, der irische Schriftsteller Sean O'Faolain, der Filmschauspieler und Oscar-Preisträger Sir Ralph Richardson und die australische Sopranistin Joan Sutherland alias "La Stupenda" und viele andere bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Für alle, die des Englischen nicht mächtig sind, hier die deutsche Übersetzung:

"Würde irgendein unsinniger Erlass den völligen oder teilweisen Abriss von Basiliken oder Kathedralen befehlen, wären es in naheliegender Weise die Gebildeten, die sich - unabhängig von ihrer Weltanschauung - entsetzt einem solchen Ansinnen entgegen stellten. Nun ist es eine Tatsache, dass Basiliken und Kathedralen zum Zweck gebaut worden sind, darin eine Liturgie zu feiern, die eine - bis vor wenigen Monaten - lebendige Tradition begründet hat. Damit meinen wir die römisch-katholische Messfeier. Gemäss jüngsten Informationen aus Rom bestehen jedoch Pläne, jene Art der Messfeier mit Ende des laufenden Jahres abzuschaffen. Ein Grundsatz gegenwärtiger Öffentlichkeitsarbeit (religiös wie weltlich) besagt, dass moderne Menschen im Allgemeinen und Intellektuelle im Besonderen gegenüber allen Arten von Tradition unduldsam geworden und bestrebt sind, diese zu unterdrücken und durch Anderes zu ersetzen. Doch dieser Grundsatz ist falsch - wie viele andere Beteuerungen des Medien-Betriebes auch. Heute wie in vergangenen Zeiten stehen die Gebildeten an vorderster Front, was die Anerkennung traditioneller Werte betrifft, und wenn jene bedroht sind, schlagen sie als erste Alarm.

Die religiöse oder spirituelle Praxis von Millionen von Menschen lassen wir hier ausser acht. Besagter Ritus hat mit seinem erhabenen lateinischen Wortlaut unzählige Kunstwerke von unschätzbarem Wert inspiriert - nicht nur Werke der Mystik, sondern auch von Dichtern, Philosophen, Musikern, Architekten, Malern und Bildhauern aller Länder und Epochen. Darum ist dieser Ritus Eigentum sowohl der gesamten Menschheit wie auch des Klerus und der Taufschein-Christen. In einer materialistischen und technokratischen Welt, die das Geistesleben in seiner ursprünglichen Ausdrucksform - dem Wort - immer mehr bedroht, erscheint es als besonders unmenschlich, den Menschen einer Wortschöpfung in seiner grossartigsten Form zu berauben. Die Unterzeichner dieses völlig ökumenischen und apolitischen Aufrufs entstammen allen Bereichen modernen Kunstschaffens in- und ausserhalb Europas. Sie möchten den Heiligen Stuhl auf die schreckliche Verantwortung hinweisen, die er vor der Geistesgeschichte auf sich laden würde, falls er sich weigerte, den überlieferten Mess-Ritus weiterleben zu lassen, auch wenn dieses Überleben Seite an Seite mit anderen Liturgie-Formen stattfände."

 


Weitere Meldungen zum Thema

27.06.2006   Die richtige liturgische Ordnung wiederherstellen: Eine überraschende Buchneuerscheinung - Ein neulich erschienenes Büchlein widmet sich dem katholischen Sakralbau und der Zelebrationsrichtung. Das Werk begann als virtuelle Wiedereroberung von Kirchenräumen – an der Technischen Universität Wien. Das Buch trägt den Titel „Die Profane Sakralarchitektur in Wien ab 1960“. Es wurde von Dr. Heidemarie Seblatnig herausgegeben und erschien Mitte Juni. Frau Seblating ist Drehbuchautorin und Regisseurin. Sie doziert auch an der architekturwissenschaftlichen Abteilung der Technischen Universität in Wien. Im Sommersemester 2005 fand am Institut für Architekturwissenschaften der Technischen Universität die Lehrveranstaltung „Dynamische Simulation und Visualisierung“ statt. Dabei machten sich die kirchlich meist fernstehenden Studenten daran, Wiener Kirchen, die nach dem Konzil gebaut wurden, den Hochaltar und den Sakralraum – wenigstens am Computer – wieder zurückzugeben. Als Krönung dieser ungewöhnlichen Liturgiereform veröffentlichte Frau Seblatnig das Büchlein „Profane Sakralarchitektur“ mit Beiträgen verschiedener Autoren. Das Werk ist voll zweisprachig. Die Artikel sind jeweils auf Deutsch und Englisch abgedruckt. Die Autorin stellt das Werk unter das Motto: „Vierzig Jahre nach dem letzten Konzil ist es an der Zeit, die richtige liturgische Ordnung wiederherzustellen.“ Der durch seine historischen Studien zur Zelebrationsrichtung bekannt gewordene Londoner Oratorianpater Uwe Michael Lang eröffnet das Werk mit einem Artikel über „Gebetsrichtung und Kirchenbau“. Der Schweizer Priester, Don Reto Nay, schreibt über den Einfluss der Zelebrationsrichtung auf die Messerfahrung des Priesters. Der bekannte US-Journalist und Buchautor Michael S. Rose erläutert die drei Naturgesetze der katholischen Kirchenarchitektur: Vertikalität, Permanenz und Ikonographie. Der Wiener Musikpädagoge Eugen Banauch beschäftigt sich mit dem Phänomen der Beseeltheit sakraler Bauten und konkretisiert diesen Begriff am Beispiel der Musik. Der Wiener Theologiestudent Michael M. Wimmer, der gegenwärtig im Libanon studiert, befragt die Architekturstile der Vergangenheit auf ihren spirituellen Gehalt. Die mehr computertechnische Seite der dynamischen Visualisierung von Architekturmodellen erörtert Peter Ferschin. Zum Abschluss befasst sich die Herausgeberin selber mit dem Wiener Kirchenarchitekten Ottokar Uhl (76), den sie einen Totengräber der katholischen Sakralarchitektur und Produkt des liberal-katholischen Milieus bezeichnet. Das Werk verbindet die dargelegten Thesen auf einzigartige Weise mit einer visuellen Umsetzung des Gesagten. Im bebilderten Mittelteil des Büchleins werden einige Vorher/Nachher-Illustrationen von Wiener Kirchen abgedruckt. Das Vorher-Bild zeigt den gegenwärtigen Raum der Kirche; das Nachher-Bild den darin am Computer wiederhergestellten Ort des Mysteriums mit Hochaltar. „Die Profane Sakralarchitektur in Wien ab 1960“ wurde vergangene Woche in der Wiener Dombuchhandlung vorgestellt. Interessanterweise wurde der Termin auch auf der Homepage der Erzdiözese Wien beworben. Sogar die Religionsunterseite des ‘Österreichischen Rundfunks’ stellte das Werk in der Rubrik der Buch-Tips vor. Gedruckt wurde der Sammelband – man staunt erneut – mit Mitteln des österreichischen Bundesministeriums und der Kulturabteilung der Stadt Wien.

Heidemarie Seblatnig (Hg./Editor)
Profane Sakralarchitektur in Wien ab 1960
Profane Sacred Architecture in Vienna since 1960
WUV 2006, 96 Seiten, diverse farbige Abbildungen, broschiert
ISBN 3-85114-977-7, EUR 21,90 [A] / EUR 21,30 [D] / sFr 38,50     Quelle:
http://www.seblatnig.com/index2.html

27.06.2006   Ehemaliger Dirigent der Capella Sistina rehabilitiert - 1956 wurde er von Papst Pius XII. auf Lebenszeit ernannt, 1997 von Papst Johannes Paul II. vertrieben. Jetzt ist er – 89jährig – in den Vatikan zurückgekehrt. Monsignore Domenico Bartolucci (89) war in der römischen Kirchenmusik über Jahrzehnte eine Institution und Legende. Der Priester und hochbegabte Komponist war auf Lebenszeit ernannter Dirigent der Cappella Sistina und ein grosser Meister der Polyphonie. Die Cappella Sistina ist der Kirchenchor für die päpstlichen Liturgien im Petersdom. Doch im Jahr 1997 wurde Mons. Bartolucci verjagt und durch einen neuen Chormeister ersetzt, der sich musikalisch für die Massenzelebrationen mit leichter Musik – die Papst Johannes Paul II. so sehr am Herzen lagen – besser eignete. In Vatikan hatte Mons. Bartolucci zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viele Freunde. Einer von ihnen war Kardinal Joseph Ratzinger. „Halten sie durch, Maestro, halten sie durch!“ – soll Kardinal Ratzinger dem Kapellmeister des Petersdoms noch nach der Messe der Heiligen Cäcilia am 22. November 1996 zugerufen haben. Es half nichts. Nur einige Monate später wurde der Musiker entlassen. Die Polyphonie war im Petersdom schon lange von der Ideologie der aktiven Teilnahme der Gläubigen an der Liturgie in die Enge getrieben worden. Raum für kurze Motetten oder für den Gregorianischen Choral gab es nur noch in wenigen toten Augenblicken der Liturgie. Um die Meisterwerke der Polyphonie aufzuführen, musste die Cappella Sistina auf Konzerttour gehen – zum Beispiel in die Sowjetunion oder nach Japan. Dort erreichte Mons. Bartolucci die Nachricht, dass er abgesetzt worden war. Der Präsident der Accademia nazionale di Santa Cecilia, Bruno Cagli – ein Jude –, protestierte gegen die Absetzung und zeigte sich bei Staatssekretär Angelo Kardinal Sodano besorgt, dass „das unschätzbare religiöse und künstlerische Erbe der römischen Polyphonie verlorengehen könnte“. Der weltberühmte Dirigent Riccardo Muti erhob seine Stimme. Der Vatikan zeigte kein Musikgehör. Doch jetzt erinnerte sich der neue Papst an Mons. Bartolucci. Der noch sehr rüstige Greis wurde eingeladen, mit dem Chor der Stiftung Domenico Bartolucci ein Konzert in der Sixtinischen Kapelle zu geben. Gesungen wurde die grosse polyphonische Tradition, die man mit der Entlassung von Mons. Bartolucci eigentlich hatte loswerden wollen. Das Konzert fand am vergangenen Samstag nachmittag in Gegenwart des Papstes statt. Es enthielt Werke von Mons. Bartolucci und von seinem berühmten Vorgänger Giovanni Pierluigi da Palestrina († 1594). Der Komponist habe mit den zu Gehör gebrachten Kompositionen, welche Meilensteine der polyphonen Schule darstellten, eine grossartige Auswahl getroffen, kommentierte Papst Benedikt XVI. die Darbietungen. Die polyphone Kirchenmusik bezeichnete er als ein "Erbe, das sorgfältig zu bewahren und lebendig zu erhalten ist und bekannt gemacht werden muss – nicht nur zum Vorteil der Experten und derjenigen, die sie pflegen, sondern auch der ganzen kirchlichen Gemeinschaft, für die sie einen unschätzbaren geistlichen, künstlerischen und kulturellen Schatz darstellt", bekräftigte der Papst.
Quelle:
http://www.kreuz.net/article.3432.html

02.05.2006    Buchtipp zur liturgischen Zelebrationsrichtung: "Conversi ad Dominum" von Uwe Michael Lang - Als sichtbarstes Zeichen der liturgischen Reform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil "dreht der Priester dem Volk nicht mehr den Rücken zu". Viele ZeitgenossInnen sind aber wenig informiert über den Sinn von liturgischen Gebetsrichtungen. Diese Lücke schliesst ein empfehlenswertes, ganz unpolemisches Bändchen zu Geschichte und Theologie der christlichen Gebetsrichtung. Es ist verständlich geschrieben und so auch für Nichttheologen lesbar. Kein Geringerer als der frühere Präfekt der Glaubenskongregation und heutiger Papst Benedikt XVI. schrieb 2003 dazu das Vorwort, welches hier zitiert sei: "Das hier vorliegende kleine Buch des in England lebenden Oratorianers Uwe M. Lang untersucht die Frage nach der Gebetsrichtung der Liturgie historisch, theologisch und pastoral. Es nimmt damit in einem – wie mir scheint – günstigen Augenblick eine Debatte wieder auf, die dem äusseren Anschein zuwider auch nach dem Konzil nie verstummt war. Ohne den Anspruch, grosse neue Einsichten zu bringen, stellt es sorgsam die Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte heraus und bietet so die für ein sachliches Urteil nötigen Einsichten... Auf dieser Basis werden die theologischen Antworten entwickelt, die sich aus der inneren Richtung des historischen Befunds ergeben. Ich hoffe, dass dieses Buch eines jungen Gelehrten eine Hilfe werden kann für das in jeder Generation nötige Ringen um das rechte Verstehen und um das würdige Feiern der heutigen Liturgie. Ich wünsche dem Werk daher viele und aufmerksame Leser. Joseph Cardinal Ratzinger" (Erschienen im Johannes Verlag 2003, 156 Seiten, kartoniert; Euro 13.50; SFr. 20.50; ISBN 3-89411-384-7) Eben ist eine italienische Übersetzung erschienen. Vgl. dazu den Artikel unter http://www.kreuz.net/article.3130.html

23.04.2006   Apostolat der Ehrfurcht: Schriftsteller Martin Mosebachs Überlegungen zum alten römischen Messritus - Als Papst Paul Vl. die Liturgie einer strengen Reform unterzog, nahm die Katholische Kirche von einer Institution Abschied, die wie keine andere bis dahin ihre Identität bezeichnet hatte. [...] Ebenso zweifelsfrei steht jedoch fest, daß der neue Ritus inzwischen in der ganzen Welt durchgesetzt ist, selbst die chinesische Kirche, die bis jetzt am alten römischen Ritus festgehalten hatte, hat ihn angenommen. Eine der wichtigsten Kraftquellen des alten römischen Ritus war seine durch die Jahrtausende ununterbrochene Tradition - diese Tradition ist auf dem Verordnungsweg beendet worden, und man darf sicher sein, daß dieser Ritus, der keiner Verordnung sein Leben verdankte, durch ein Dekret zwar zerstört, aber mit bürokratischen Mitteln nicht ohne weiteres wieder zurückgerufen werden kann. Wo eine religiös-kulturelle Kontinuität vernichtet worden ist, braucht es oft Jahrhunderte für den Wiederaufbau, wenn er denn überhaupt gelingt. Die Verfechter des neuen Ritus dürfen zufrieden sein: sie haben Realitäten geschaffen, die keiner ihrer Gegner so bald wird antasten können. [...] Zu den guten Ergebnissen des Kampfes um die alte Liturgie gehört gewiß, daß ihre Vorzüge und ihr Wesen überhaupt bis dahin vielleicht noch nie so gründlich und vielfältig erörtert worden sind. Wer die alte Liturgie begehrte, mußte zu ihrem Kenner werden, so daß man sagen darf, daß die vom II. Vaticanum abgelehnte Haltung einer passiven Hinnahme des Ritus wahrscheinlich nirgendwo so erfolgreich überwunden worden ist wie bei den Gläubigen, die am alten Ritus festhalten wollen. Die Darstellungen, die den alten römischen Ritus aus liturgiehistorischer, seelsorgerischer, theologischer, künstlerisch-ästhetischer und gar soziologischer Sicht rechtfertigen, füllen mittlerweile Bibliotheken. - Den ganzen Artikel von Martin Mosebach finden Sie unter http://www.kath-info.de/liturgie.html

20.04.2006   Der evangelische Schriftsteller Walter Kempowski über den Verlust des Sakralen - "Die leeren Kirchen. Ich denke, man müsste einzelne Kirchen, von Bilderstürmern entleert und geweisst, mit Altären aus den Museen vollstellen, wie sie vor der Reformation dagestanden haben, sie zuschliessen und stille Messen halten nach dem alten Ritus. Durch ein Kuckloch müsste es den Menschen gestattet sein, sich das anzukucken. Dann merkten sie vielleicht, was man alles kaputtgemacht hat." (Quelle: Walter Kempowski in "Hamit", Vorabdruck FAZ 16.03.2006, S.36)

12.04.2006   Irak: Chaldäischer Messritus erfährt Reform - Bereits Mitte November hat die Bischofssynode der chaldäisch-katholischen Kirche dem Papst Vorschläge für eine Liturgiereform präsentiert. Die Chaldäer sind die zahlenmässig stärkste christliche Kirche im Irak. Der Sitz des chaldäischen Patriarchen befindet sich in der irakischen Hauptstadt Bagdad. Es gibt auch eine mit Rom nicht in Gemeinschaft stehenden parallele Gemeinschaft, die sich Assyrer nennt. Die Frage ob es einen Unterschied zwischen dem assyrisch-getrennten und dem chaldäisch-katholischen Ritus gebe, verneint Mons. Yousif, Professor für Syro-chaldäische Patrologie und chaldäische Liturgie am Päpstlichen Orientalischen Institut in Rom. Die Assyrer – die man fälschlicherweise auch als Nestorianer bezeichne – würden sich an den gleichen Ritus halten. Die Reform der Liturgie sei das Hauptthema der November-Synode gewesen, erklärte ein Mitglied der Bischofssynode vor dem römischen Nachrichtendienst ‘AsiaNews’. Man habe bereits sieben Jahre an der Reform der Messe gearbeitet und wolle sie nun zu einem Abschluss bringen. Mons. Yousif erklärte, dass einige Elemente des chaldäischen Ritus – wie die Anaphora von Addai und Mari – auf das dritte Jahrhundert zurückgehen. Der chaldäische Ritus selber sei im beginnenden vierten Jahrhundert in Mesopotamien – im heutigen Syrien, Irak und dem Südwesten der Türkei – entstanden. In der Mitte des siebten Jahrhunderts sei er von Mar Ishoyab III. kodifiziert worden. Die liturgische Sprache der Chaldäer ist das Aramäische, die vermutliche Muttersprache Christi. Es handelt sich um eine semitische Sprache, die mit dem Hebräischen verwandt ist. Die chaldäische Messe beinhaltet vier Lesungen aus der heiligen Schrift – zwei aus dem Alten und zwei aus dem Neuen Testament. Der Ritus sei nüchtern und beinhalte viel Gesang. Die von den Chaldäern angestrebte Liturgiereform sei ein Versuch, die „ehrwürdige Liturgie für unsere Zeit zugänglich zu machen“: Der neue Text sei klarer und kompakter und er beinhalte die Hinwendung des Priester zum Volk, wenn dieses angesprochen sei. Wenn der Priester zu Gott spreche, blicke er wieder zum Kreuz, denn es sei Christus, der das Antlitz des Vaters offenbare. Der chaldäische Ritus unterscheidet sich – so der Liturgiker – vom römischen Ritus unter anderem im Friedensgruss. Dabei ergreife der Priester den Kelch und reiche ihn dem Diakon. Dieser nehme den Kelch mit beiden Händen und bringe ihn zu den Gläubigen. Dort werde der Kelch auf die gleiche Weise weitergereicht: „Der Frieden kommt vom Altar, welcher der Altar der Versöhnung ist.“ Abschliessend betont Mons. Yousif, dass es gut sei, dass die Chaldäer ihrem Ritus treu blieben. Sie seien gerufen, seine Altehrwürdigkeit, seine Originalität und seinen Reichtum als einen Schatz zu bezeugen. Der chaldäische Ritus sei ein Teil des Erbes der Kirche und der Menschheit. Quelle: http://www.kreuz.net/article.3022.html

03.04.2006   Erweiterungen zum Alten Messbuch - Französische Benediktiner arbeiten gegenwärtig – angeblich mit dem Einverständnis des Papstes – an einer Neuausgabe des tridentinischen Missale. Das Gerücht veröffentlichte der australische Weblogger ‘Dominicanus’ am Mittwoch unter Bezugnahme auf eine ungenannte, zuverlässige Quelle. In dem neuen Alten Messbuch sollen angeblich Heiligentage und Präfationen aus dem reformierten Messbuch von 1969 ergänzt werden. Quelle: http://www.kreuz.net/article.2972.html

01.04.2006   Steht die allgemeine Erlaubnis der Alten Messe bevor? - Papst Benedikt XVI. könnte nach seinem nächsten Treffen mit den Kurienkardinälen am 7. April die Alte Messe freigeben. Das erklärte Chefredakteur Alejandro Bermudez von der katholischen Nachrichtenagentur ‘Aci prensa’ unter Berufung auf eine vatikanische Quelle. Ein italienischer Weblog behauptete am Freitag sogar, dass das Dokument für die Freigabe der Alten Messe bereits am Donnerstag unterzeichnet worden sei. Quelle: http://www.kreuz.net/article.2963.html

11.03.2006   Deutsche Dominikanerhochschule vor dem Verkauf - Die deutschen Dominikaner sind gezwungen, die Gebäude ihrer ehemaligen Hochschule in Walberberg bei Bonn endgültig aufzugeben. Mehr unter http://www.kreuz.net/article.2848.html

07.03.2006  Europäische Sakralarchitektur in Gefahr: Baudenkmäler vor "Entwidmung" oder Abriss - Kirchlicher Grossalarm in Mitteleuropa. Immer mehr häufen sich Fälle, wo mitgliederschrumpfende und finanzkollabierende Diözesen und Kirchenämter sich gezwungen sehen, unterhaltsintensive Gotteshäuser aufzugeben. Vor kurzem etwa wurde das Redemtoristenkloster Geistingen an einen Wellnessbetrieb verschachert. Zwar hätte es durchaus Interessenten gegeben, die eine Weiternutzung für den katholischen Kult hätten garantieren können. Diözesane Berührungsängste mit katholischen "Altritualisten" verhinderten auch in anderen Fällen Lösungen, welche eine Weiternutzung im Sinne der Anlage ermöglicht hätte. Ob die Bemühungen, die Marienkirche Bochum vor einem Abriss zu retten, Erfolg haben, steht noch aus. Neustes Beispiel ist die Pfarrkirche St. Georg in Gelsenkirchen (Bild links): Pfarreiangehörige kämpfen seit längerem gegen die beschlossene Aufgabe des Gotteshauses. Bereits bei der Erarbeitung des Juni-Vorschlages sei darüber diskutiert worden, ob St. Georg wegen der Nähe zu den Pfarreien St. Augustinus und St. Joseph sowie wegen ihrer Grösse und der damit verbundenen hohen Kosten erhalten werden sollte. Der Bischofsrat habe davon gesprochen, mit den Verantwortlichen aus St. Georg, der Stadt Gelsenkirchen und anderen möglichen Partnern über sinnvolle Nutzungsmöglichkeiten ins Gespräch zu kommen http://www.kreuz.net/article.2805.html Am nächsten Sonntag zelebriert der Essener Weihbischof Franz Grave in der St. Thomas-Morus Kirche in Bochum-Langendreer die letzte Heilige Messe. Das Gotteshaus war erst 1978 eingeweiht worden http://www.kreuz.net/article.2826.html Verkauf oder Abriss, das droht möglicherweise auch Hunderten von Kirchen in Norwegen. In der vorletzten Woche traf der norwegische lutheranische Kirchenrat einen Beschluss zur Überprüfung, welcher der insgesamt 1620 Kirchen im Land ausreichend besucht werden http://www.scanpress.de/kultur/334-0.html Ausverkauf auch im deutschen Ruhrbistum, 122 Kirchen droht die Schliessung. Die Wege ins Haus des Herren dürften für die Gläubigen im Revier künftig beschwerlicher werden. Die Kassen der Kirche sind leer und das Ruhrbistum in Essen muss sparen. Bis 2008 sollen bis zu 122 Kirchen geschlossen werden http://www.wdr.de/themen/kultur/religion/bistum_essen/050616.jhtml Als im Frühsommer die Bagger St. Raphael, den einzigen Berliner Sakralbau des Kirchenbaumeisters Rudolf Schwarz, niederrissen, ging der Protest durch die deutsche Presse. Die Gemeinde Gatow hatte in Übereinstimmung mit dem Erzbischöflichen Ordinariat das Grundstück samt Kirchensaal, Kapelle und torähnlichem Glockenturm an einen Investor verkauft, der dort einen Supermarkt errichtet. Abriss und Umnutzung von Kirchenbauten sind inzwischen Alltag. Besonders gefährdet sind Bauten der sechziger Jahre. Was kann getan werden um das Wegbrechen ganzer Kulturschichten zu verhindern, fragt sich das Zentralkomitee Deutscher Katholiken unter http://www.zdk.de/salzkoerner/salzkorn.php?id=280 Deutschland schleift seine Gotteshäuser, titelt die FAZ. Nichts ist mehr ist, wie es war, auch wenn es manchmal noch so scheint. Das sagt nicht ein aussenstehender Beobachter der Kirchen, sondern Ruhrbischof Felix Genn. Von dem Verlust, der die deutsche Kulturlandschaft bedroht, hat sich die Öffentlichkeit noch keine Vorstellung gemacht. Die Ruhrdiözese, die ihre Probleme mit grösserer Offenheit darlegt als andere Kirchenprovinzen, erklärt, sie werde sich von einem Drittel ihrer Kirchen trennen müssen. Auf der Liste stehen ein Hauptwerk des deutschen Expressionismus, Heilig Kreuz in Gelsenkirchen-Ückendorf von Josef Franke; die wehrhafte Kirche St. Engelbert in Essen, die Dominikus Böhm in den dreissiger und fünfziger Jahren gebaut hat; und nicht weniger als drei bedeutende Bauten von Rudolf Schwarz, Heilige Familie in Oberhausen, St. Anna in Duisburg und Heilig Kreuz in Bottrop FAZ.NET Die Lage hat sich in den letzten Jahren dramatisch zugespitzt. Immer mehr Kirchen sind auch von Verfall bedroht, Beton muss saniert werden. Ausserdem eignen sich manche nachkonziliaren, kreisförmig auf den Altar ausgerichteten Gotteshäuser schlechter für Gottesdienste im verkleinerten Rahmen als ältere Kirchen mit ihren Nischen und Apsiden. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat eine bundesweite Kampagne "Rettet unsere Kirchen" gestartet. Gegenwärtig erreichen die Stiftung so viele Notrufe wie nie zuvor. Mehr unter http://www.rettet-unsere-kirchen.de/  Über das Kirchenschwinden in Deutschland informiert laufend die Plattform http://www.kirchenschwinden.de

28.02.2006   Martin Mosebachs Buch "Häresie der Formlosigkeit" - Das Revolutionsjahr 1968, das Jahr der "Studentenrevolten [...], der chinesischen Kulturrevolution mit Millionen Toten, mit ihrer Bilderstürmerei, der Verwüstung von Tempeln und Kulturschätzen" war auch "das Jahr der Liturgiereform" - so polemisch pointiert und datiert wenigstens Martin Mosebach die unter dem Pontifikat Pauls VI. von der römischen Kurie verfügte Reform der katholischen Liturgie. Mit gewohnter Disziplin sei diese von den Bischöfen aufgenommen und in die Diözesen und Gemeinden weitergeleitet worden. Seither ist das Lateinische aus der katholischen Messfeier verschwunden und mit ihm ein Korpus spätantiker Gebetstexte von, wie Mosebach einleuchtend vorzuführen weiss, grosser stilistischer Prägnanz und Nüchternheit. Der Priester steht nicht mehr mit dem Rücken zur Gemeinde vor dem Altar, sondern dahinter "wie hinter einer Theke"; er sieht und singt seiner Gemeinde "mit froh geöffnetem Mund" ins Gesicht und legt bei der Kommunion den Gläubigen die Hostie nicht mehr auf die Zunge, sondern in die Hand - für Mosebach lauter Zeichen einer ikonoklastischen Selbstverstümmelung, die er als Gläubiger und in Liturgiegeschichte bewanderter katholischer Laie beklagt und unmissverständlich der klerikalen Hierarchie zur Last legt. Nur hin und wieder erlaubt er sich, ein wenig zu lästern, so etwa, wenn er den Messreformierern und modernen Exegeten vorwirft, "dass bei soviel archäologisch-philologischem Sachverstand dann ein Jesus herauskommt, der Ehrenmitglied der SPD hätte sein können, ebenso frauenfreundlich wie Willy Brandt und ebensowenig auferstanden". Apropos Frauen. Vermutlich sieht Mosebach in der Gestaltung so mancher heutiger katholischer Altäre zuviel Frauengeschmack am Werk, bemerkt er dort doch statt der drei Lagen weisser Leintücher, die auf Jesu Grabtücher verweisen, beigefarbene Treviradecken sowie drei dicke Kerzen in handgetöpferter Tonschale in der einen Ecke und ein Ikebanagesteck aus Wurzeln und Trockenblumen in der anderen. Herzstück dieser Streitschrift ist jedoch nicht die neue, sondern die alte Liturgie, ihre Verteidigung und Erklärung, um nicht zu sagen "Verkündigung", denn nichts weniger vollbringt Mosebach in den eindrucksvollsten Passagen seiner Betrachtungen.

Soweit der Anfang einer Buchrezension von Alexandra Pontzen unter http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=7164&ausgabe=200406
Verschiedene weitere lesenswerte Buchbesprechungen zu Martin Mosebachs Buch "Häresie der Formlosigkeit" unter http://www.perlentaucher.de/buch/12568.html

28.02.2006   Anglikanische Priesterin legt nach 18 Jahren Amt zurück - Sie glaube nicht länger, „dass Frauen zur Priesterinnen geweiht werden sollten“, meinte Alice C. Linsley, eine der ersten Priesterinnen der anglikanischen Kirche. Mehr unter http://www.kath.net/detail.php?id=12960 . Linsley ist nicht die erste Frau, welche diesen ungewöhnlichen Weg geht. Vor einigen Jahren erregte bereits der Fall der lutherischen Pastorin Jennifer Ferrara Aufsehen, die 1998 in die römisch-katholische Kirche eintrat und erklärte, dass die Frauenweihe keinen Sinn mache. "Wenn die Kirche Frauen weihen würde, ginge das gesamte Verständnis der Bedeutung des Femininen und Maskulinen im Wirken unserer Erlösung verloren", sagte Jennifer Ferrara im Interview mit der Nachrichtenplattform Zenit. Linsey und Ferrara sind nicht die einzigen Frauen, welche die Zukunft der Kirche radikal anders sehen als manche ihrer Geschlechtsgenossinnen an theologischen Fakultäten. Auch die irische Patricia Sodano, eine frühere lutherische Pastorin, und andere prominente Frauen stellen sogenannte "feministischen Errungenschaften" radikal in Frage, und zwar mit Zivilcourage und Esprit. Mehr unter http://www.kath.net/detail.php?id=7996 oder in Englisch unter http://www.crowhill.net/journeyman/Vol1No2/stood.html

22.02.2006   Gibt Papst Benedikt XVI. mehr Raum für Gemeinschaften mit überlieferten Riten? - Eine vatikanische Quelle soll neue Informationen über die weitere Vorgehensweise des Papstes in Sachen Priesterbruderschaft St. Pius X. bekanntgegeben haben. Überstürzen sich die Ereignisse? Mehr unter http://www.kreuz.net/article.2740.html

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Erstellt am 13. Februar 2006

 

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