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Gilbert Keith Chesterton - Bedenkenswertes von A bis Z


 

Abrüstung   Es ist nur verständlich, dass die Wölfe die Abrüstung der Schafe verlangen, denn deren Wolle setzt dem Biss einen gewissen Widerstand entgegen.

Alkohol   Trinke, wenn du glücklich bist, niemals wenn du unglücklich bist.

Antiklerikalismus   Antiklerikalismus ist keine protestantische Bewegung, sondern eine katholische Stimmung.

Antike Wurzeln   Was immer von antiken Hymnen und antiken Tänzen Europas unverfälscht erhalten geblieben, was immer von den Festen für Phoebus oder Pan ungehindert auf uns gekommen ist, findet sich in den Festen der christlichen Kirche. Wer das Ende jener Kette, die wirklich zu den heidnischen Mysterien zurückreicht, zu greifen bekommen will, der sollte zu Ostern nach einer Blumengirlande oder zu Weihnachten nach einem Würstchenstrang greifen. Alles andere in unserer Welt ist christlichen Ursprungs, selbst dasjenige, was ganz und gar antichristlich aussieht. Christlichen Ursprungs ist die Französische Revolution. Christlichen Ursprungs ist die Zeitung. Christlichen Ursprungs sind die Anarchisten. Christlichen Ursprungs ist die Naturwissenschaft. Christlichen Ursprungs ist auch der Angriff auf das Christentum.

Belesenheit   Ein grosser Klassiker ist heutzutage ein Mann, die man loben kann, ohne ihn gelesen zu haben.

Besserwisserei   Klugheit tötet Weisheit; das ist eine der wenigen zugleich traurigen und wahren Tatsachen.

Demokratie   Die Tradition ist eine Ausdehnung des Wahlrechts. Tradition heißt, der unbekanntesten aller Klassen - unseren Vorfahren - Stimmen zu geben. Tradition ist die Demokratie der Toten.

Eindimensionalität   Jeder Mensch, der sich nur für eine Sache interessiert, ist gefährlich.

Entschiedenheit   Wenn eine Sache wert ist, getan zu werden, ist sie es auch wert, schlecht getan zu werden.

Ereiferung   Der Puritaner ist einer, der gerechte Entrüstung in die falschen Dinge fließen läßt.

Erziehung   Der modische Irrtum ist, dass wir durch Erziehung jemand etwas geben können, das wir selbst nicht besitzen.

Essen   Ein Mensch muss essen, um einen gesunden Appetit zu befriedigen, und ganz und gar nicht, um seinen Körper zu versorgen.

Existenz   Unsere Existenz mag irgendwann kein Lied, auch kein wunderschönes Klagelied mehr sein. Unsere Existenz mag kein begreifbares Recht, ja nicht einmal erkennbares Unrecht sein. Immer aber ist sie eine Geschichte. Im blutroten Alphabet jedes Sonnenuntergangs steht geschrieben: Fortsetzung folgt.

Fanatismus   Der Mensch ist bereit, für jede Idee zu sterben, vorausgesetzt, daß ihm die Idee nicht ganz klar ist.

Fortschritt   Fortschritt sollte bedeuten, dass wir ständig die Welt ändern, um sie der Vision anzupassen; Fortschritt bedeutet in Wirklichkeit (jetzt eben), dass wir die Vision ändern.

Fortschritt 2   Fortschritt ist die Mutter von Problemen.

Freiheit   Ich könnte nie eine Utopie ersinnen noch gutheissen, die mir nicht diejenige Freiheit einräumte, an der mir am meisten liegt: die Freiheit, mich zu binden. Eine gänzliche Anarchie würde nicht nur jegliche Disziplin oder Treue unmöglich machen; es fände auch jeder Spass sein Ende.

Geisteskrankheit   Das Hauptmerkmal der Geisteskrankheit ist Vernunft ohne Grundlage, Vernunft ins Blaue hinaus. Der Mensch, der zu denken beginnt, ohne die eigentlichen, ersten Prinzipien, der Mensch, der am falschen Ende zu denken beginnt, wird verrückt.

Gerechtigkeit   In England ist das Interesse an der Ungleichheit der Pferde weitaus größer als an der Gleichheit der Menschen.

Gesprächsverweigerung   Schweigen ist die unerträglichste Erwiderung.

Gesunder Menschenverstand   Die Irrsinnigen kommen mir ähnlich vor wie die meisten modernen Denker. Bei allen fällt eine Verbindung auf: die Verbindung erschöpfender Vernunft mit einer Schrumpfung des gesunden Menschenverstandes.

Gesundheit   Ich weiss nicht, ob die wissenschaftlichen Kuppler recht haben [...], wenn sie erklären, eine medizinische Überwachung werde zu starken und gesunden Menschen führen. Ich bin mir nur gewiss, dass, falls es stimmt, die erste Handlung der starken und gesunden Menschen darin bestünde, die medizinische Überwachung zu zerschlagen. Der Fehler bei all diesem medizinischen Gerede liegt eben darin, daß es die Idee der Gesundheit mit der Idee des Sorgens verknüpft. Was hat Gesundheit mit Sorge zu schaffen? Gesundheit hat etwas mit Sorglosigkeit zu tun! In besonderen und aussergewöhnlichen Fällen ist es nötig, sorgsam zu sein. Wenn es um unsere Gesundheit besonders schlecht steht, mag es erforderlich sein, Sorge walten zu lassen, um wieder gesund zu werden. Aber auch da streben wir nach Gesundheit nur, um sorglos sein zu können.

Glaube   Wir sind dabei eine Generation hervorzubringen, die geistig zu bescheiden ist, um an das Einmaleins zu glauben.

Gleichgültigkeit   Es ist mir völlig gleichgültig, wohin das Wasser fließt, solange es nicht in meinen Wein läuft.

Glück   Man muss in seinem Garten einen verbotenen Baum haben. Man muss in seinem Leben etwas haben, das man nicht berühren darf. Das ist das Geheimnis, wie man auf immer jung und glücklich bleibt.

Gott   Gott hat Humor, denn er hat den Menschen geschaffen.

Gottesglaube   Wenn Menschen aufhören, an Gott zu glauben, denn glauben sie nicht an nichts, sondern an alles Mögliche. Das ist die Chance der Propheten - und sie kommen in Scharen.

Grenzen der Bildung   Bildung ist etwas Wunderbares. Doch sollte man sich von Zeit zu Zeit daran erinnern, dass wirklich Wissenswertes nicht gelehrt werden kann.

Grösse   Je grösser aber ein Mensch ist, desto mehr neigt er dazu, vor einer Blume niederzuknien.

Gut und Böse   Gott im Himmel schuf weder gute noch böse Menschen. Wir wurden als Menschen von ihm geschaffen.

Gut und Böse II   Der Religion zufolge ist das Menschengeschlecht einst gefallen und hat dabei die Kenntnis von Gut und Böse erlangt. Jetzt sind wir ein zweites Mal gefallen, und uns ist nurmehr die Kenntnis des Bösen geblieben.

Heidentum und Christentum   Das Heidentum, glich einer Marmorsäule, es stand aufrecht, weil es symmetrisch gebaut war. Das Christentum gleicht einem riesigen, zerklüfteten, romantischen Felsblock, der zwar bei jeder Berührung auf seinem Sockel hin und her schwankt, aber dennoch, weil seine enormen Auswüchse einander genau die Waage halten, seit tausend Jahren dort thront.

Heiterkeit   Warum können Engel fliegen? Weil sie sich leicht nehmen.

Kinder   Darin liegt das Bedrückende an Kindern, dass mit jedem von ihnen alle Dinge neu geschaffen werden, und dass das Weltall wieder auf die Probe gestellt wird.

Kirche   Ich meine die fürchterlichen, um winzige Fragen der Theologie geführten Kriege, all die vielen, von einer Geste oder einem Wort angestossenen emotionalen Erdbeben. Dabei ging es immer nur um einen Zoll; aber ein Zoll ist alles, wenn man die Balance halten muss. Wollte die Kirche ihr grossartiges und gewagtes Experiment, ihren Versuch eines unregelmässigen Gleichgewichts fortsetzen, konnte sie sich bei manchen Dingen keine Abweichung leisten. Lässt man die eine Idee schwächer werden, dann macht man eine andere stark. Der christliche Hirte hütet keine Schafherde, sondern eine Horde Stiere und Tiger, einen Haufen furchterregender Ideale und gefrässiger Dogmen.

Leidenschaft   Ein Mann, der einem Hut hinterherläuft, ist nicht halb so lächerlich wie ein Mann, der einer Frau hinterherläuft.

Lösungen   Die Rätsel Gottes sind befriedigender als die Lösungen der Menschen.

Luxus   Golf ist nur eine teure Variante des Murmelspiels.

Macht   Jeder Reiche, der dem Armen den Mund stopfen will, redet von Sachlichkeit.

Märchen   Woran ich jetzt noch am unbedingtesten glaube, das sind die Märchen. Sie kommen mir durch und durch vernünftig vor. Das Märchenland ist nichts anderes als die sonnige Landschaft des gesunden Menschenverstandes.  Sowie man das Geheimnisvolle zerstört, gibt man dem Krankhaften Raum.

Menschenkenntnis   Erst wenn man das Schlimmste über einen Menschen kennt, kennt man auch sein Bestes.

Moderne Heilslehrer   Sie haben die unklare Vorstellung, dass jemand, der das Göttliche den Menschen nahebringt, es dazu heidnisch machen müsse, ohne dabei zu sehen, dass das Menschlichwerden des Göttlichen in Wahrheit das stärkste, strengste und unbegreiflichste aller Dogmen des Credo ist.

Mystik   Was die Menschen normal bewahrt hat, ist der Mystizismus. Der einfache Mensch war immer normal, weil er von jeher ein Mystiker war. Er hat das Zwielicht geduldet. Er hat stets einen Fuss auf der Erde gehabt und den anderen im Feenland. Er hat es sich immer vorbehalten, an seinen Göttern zu zweifeln, aber nicht minder, an sie zu glauben. Wenn er zwei Wahrheiten sah, die einander zu widersprechen schienen, nahm er sie beide an und den Widerspruch dazu. So hat er immer geglaubt, dass es so etwas wie das Schicksal gäbe, aber auch so etwas wie den freien Willen. Hierin liegt das ganze Geheimnis des Mystizismus: dass der Mensch alles verstehen kann mit Hilfe dessen, was er nicht versteht. Der krankhafte Logiker sucht alles klar zu machen, mit dem Erfolg, dass alles unklar wird. Der Mystiker lässt etwas Geheimnis bleiben, und alles andere wird klar.

Nachgeben   Wenn die Strenge ein wenig nachgibt, so wie die Gerechtigkeit dem Erbarmen, dann liegt darin alle Schönheit der Erde.

Nächstenliebe   Natürlich ist Nächstenliebe ein Paradoxon. Sie bedeutet entweder Verzeihen unverzeihlicher Taten oder Lieben unliebenswerter Menschen. Aber Nächstenliebe lässt Raum für den Abscheu über ein Unrecht.
Und sie lässt Raum für die Zuneigung zum Menschen als solchem.

Neue Ideen   In neun von zehn Fällen sind, was wir als "neue Ideen" bezeichnen, bloss alte Irrtümer.

Oasen   Das Zuhause ist keineswegs der einzige zivilisierte Ort in einer abenteuerlichen Welt, sondern der einzige unzivilisierte in einer Welt der Zwänge und Pflichten.

Philosophie   Wir laufen Gefahr, Philosophen zu erleben, die nicht sicher sind, ob das Gesetz der Schwerkraft nicht nur ein Hirngespinst ist, das sie selber hervorgebracht haben.

Poesie   Viele Menschen tun so, als wäre der Anspruch, den wir erheben, dass nämlich alle Dinge poetisch sind, eine blosse literarische Finesse. Das genaue Gegenteil ist richtig. Literarisch, blosses Worterzeugnis, ist die Vorstellung, dass es nichtpoetische Dinge gibt. Das Wort ,Stellwerk` ist unpoetisch. Die Sache Stellwerk dagegen ist keineswegs unpoetisch; sie ist ein Ort, wo Menschen in einem Zustand verzweifelter Wachsamkeit blutrote und meergrüne Lichter anzünden, um andere Menschen vor dem Tod zu bewahren.

Politik   Man kann niemals eine Revolution machen, um damit eine Demokratie zu gründen. Man muss eine Demokratie haben, um eine Revolution herbeiführen zu können.

Progressiv und konservativ   Die ganze Welt teilt sich in progressiv und konservativ ein. Die Aufgabe der Progressiven ist, damit weiterzufahren, Fehler zu machen. Die Aufgabe der Konservativen besteht darin zu verhindern, dass diese Fehler korrigiert werden.

Pubertät   Jugend nimmt die Dinge leicht zu ernst, und augenscheinlich
nimmt sie die Frivolität zu ernst.

Sklaverei  Die katholische Kirche ist die einzige Sache, die einen Menschen vor der erniedrigenden Sklaverei bewahrt, ein Kind seiner Zeit zu sein. (Hier eingefügt am 17.04.2005, am Vorabend des Beginns der Papstwahl im Konklave)

Sorglosigkeit   Es gibt keinen Ort vollkommener Verantwortungslosigkeit. Überall haben Menschen im Schweisse ihres Angesichts und voll Gehorsam den Weg für uns bereitet. Wir mögen uns in einer Stimmung himmlischer Sorglosigkeit in eine Hängematte werfen. Aber wir sind froh, dass die Hängematte von ihrem Verfertiger nicht ebenfalls in einer Stimmung himmlischer Sorglosigkeit geknüpft wurde.

Streitlust   Die Leute streiten im allgemeinen nur deshalb, weil sie nicht diskutieren können.

Traditionen   Traditionen gleichen Strassenlaternen, die den Weg ausleuchten sollen. Nur Betrunkene klammern sich an sie.

Überraschungen   Das wunderbarste an den Wundern ist, daß sie manchmal wirklich geschehen.

Überzeugung   Toleranz ist die Tugend des Mannes, der keine Überzeugungen hat. (Anmerkung: Chesteron übte im täglichen Leben echte Toleranz und pflegte viele Freundschaften mit Menschen, die ganz anders dachten als er, z.B. mit George Bernard Shaw, mit dem er öffentliche Streitgespräche führte. Mit diesem bisweilen böswillig angeführten Zitat zielte der Autor auf jene billige Art von Toleranz, die einen Mangel an echten Überzeugungen kaschiert und sich noch als "Tugend" verkauft.)

uninteressant   Es gibt keine uninteressanten Dinge. Es gibt nur uninteressante Leute.

Verbrecher   Viele von Ihnen halten ein Verbrechen für abscheulich, weil sie glauben, sie selbst würden es nie begehen. Es ist aber nicht an dem. Was Sie in Wirklichkeit zutiefst entsetzt, ist nichts als die beschämende Erkenntnis, dass Sie selbst ja fähig wären, es zu begehen. Wir alle – ich nicht weniger als Sie.

Vollkommenheit   Die vollkommene Frau hat einige kleine Disharmonien.

Wahnsinn   Wahnsinnig ist nicht, wer seinen Verstand verloren hat. Wahnsinnig ist, wer alles ausser seinem Verstand verloren hat.

Widerspruch   Und ich behaupte, daß ein Mensch, der nicht unter der einen oder anderen Form gewohnt ist, aufrührerischen Gedanken nachzugehen, vom rein menschlichen Standpunkt aus betrachtet, eine defekte Geistesverfassung besitzt.

Witz   Wer etwas gebraucht, um einen Witz daraus zu machen, missbraucht es nicht im Geringsten. Im Gegenteil, er benutzt es für einen guten Zweck.

Wünsche   Was hatte man dem kleinen Mann nicht alles versprochen: Das Land Utopia, den kommunistischen Zukunftsstaat, das Neue Jerusalem, selbst ferne Planeten. Er aber wollte immer nur eins: ein Haus mit Garten

Zeitgeist   Je mehr du auf der Höhe der diesjährigen Mode stehst, desto mehr bist du bereits hinter der nächstjährigen Mode zurück.

Zölibat   Es stimmt, dass die historische Kirche gleichzeitig das Zölibat und die Familie betonte; dass sie (wenn man so sagen darf) gleichzeitig heftig dafür war, dass man Kinder habe, wie, dass man keine habe. Sie hielt beide Stände aufrecht, wie zwei starke Farben, rot und weiss, wie das Rot und das Weiss auf dem Schild des heiligen Georg. Sie hat immer eine gesunde Abneigung gegen Rosarot gehegt. Sie verabscheut diese Verbindung von zwei Farben, die eine Ausflucht für Philosophen ist. Sie verabscheut diese Entwicklung von Schwarz zu Weiss, die gleichwertig ist mit schmutzigem Grau. Man könnte tatsächlich die Lehre der Kirche über die Jungfräulichkeit mit der Feststellung charakterisieren, dass Weiss eine Farbe ist: nicht nur die Abwesenheit aller Farbe. Alles, was ich hier etwas zu stark betone, kann man ausdrücken mit der Behauptung, das Christentum suche in den meisten dieser Fälle zwei Farben miteinander, aber rein, zu bewahren. Es musste im kämpferischen Leben etwas Gutes liegen, da so viele gute Menschen so viel Genuss darin fanden, Soldaten zu sein. Und es musste in der Idee der Widerstandslosigkeit etwas Gutes vorhanden sein, denn so viele gute Menschen scheinen Genuss daran zu haben, quäkerhaft zu leben. Die Kirche versuchte nun, jedes dieser beiden Ideale daran zu hindern, das andere auszustechen. Sie lebten Seite an Seite. Und in der Seele des heiligen Ludwig lagerte der Löwe neben dem Lamm. Doch ist zu beachten, dass dieser Text zu oberflächlich ausgelegt wird. Man versichert - besonders von Seiten der Tolstojaner - andauernd, dass der Löwe, wenn er sich neben Lamm lege, lammähnlich werde. Aber das -nichts als brutale Anmassung und Imperialismus seitens des Lammes. Es bedeutet einfach, dass das Lamm den Löwen verschlingt, statt dass es selber von ihm gefressen wird.
Das wirkliche Problem ist - wie kann der Löwe neben dem Lamme lagern und gleichzeitig seine königliche Wildheit bewahren? Das ist das Problem, das die Kirche in Angriff genommen hat; und das ist das Wunder, das sie vollbrachte.

Zurückhaltung   Sei klüger als andere, wenn du kannst, aber sage es nicht.

 

Gilbert Keith Chesterton wurde am 29. Mai 1874 in London als Sohn eines Häusermaklers im Londoner Stadtteil Kensington geboren. Sein Vater, Edward, war verheiratet mit Marie Grosjean, deren Familie schon lange in England gelebt hatte, aber aus der französischen Schweiz stammte. Chesterton besuchte 1887 bis 1892 die St.-Pauls-Schule und von 1892 bis 1895 die Slade School of Art in London. Am King's College London hörte er Vorlesungen über Literatur. Der aus kirchenfremder unitarischer Familie stammende Chesterton wurde nach einer schweren inneren Krise praktizierender Anglikaner. Ab 1896 arbeitete er als Journalist für liberale Zeitungen. Von 1899 bis 1901 bekämpfte der Antiimperialist Chesterton den Krieg Englands gegen die Buren in Südafrika. 1900 schloss er lebenslange Freundschaft mit Hilaire Belloc, dessen Romane er illustrierte. 1901 heiratete er Frances Blogg. Das kinderlose Paar wohnte ab 1909 in Beaconsfield. Von 1903 bis 1904 hatte Chesterton eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Atheisten Blatchford, aber auch gegen andere Freidenker verteidigte Chesterton das Christentum. "Er ist so lustig, dass man fast glauben könnte, er habe Gott gefunden", schrieb der Schriftsteller Franz Kafka hellsichtig. Chesterton fand im Glauben die Heiterkeit des gesunden Menschenverstands, der um seine Paradoxa weiss. 1922 liess er sich in die römisch-katholische Kirche aufnehmen. Von 1925 bis 1936 gab er das Wochenblatt "G.K.'s Weekly" heraus, für das er regelmässig lange Leitartikel schrieb und oft auch Karikaturen zeichnete. Mit George Bernard Shaw führte er öffentliche Streitgespräche. Gilbert Keith Chesterton unternahm Vortragsreisen nach Grossbritannien, Irland, Italien, Palästina, in die USA, Polen und Frankreich. Von 1900 an veröffentlichte er mehr als hundert Bücher. Gilbert Keith Chesterton starb am 14. Juni 1936 in Beaconsfield. Vor einigen Jahren veröffentlichte der Eichborn-Verlag zwei Essay-Zusammenstellungen: "Ketzer" und "Orthodoxie". Damit ist Chesterton wieder ins Interesse der Öffentlichkeit gerückt. Durch die Verfilmung seiner Pater Brown-Romane mit Heinz Rühmann ist Chestertons Werk schon in den 50ern bekannt geworden.

Chesterton hatte viele Talente. Eines war, dass er dankbar sein konnte. Ganz einfach nur dankbar für die Tatsache, dass er lebte. Und aus dieser Dankbarkeit wuchs seine Lebensphilosophie. Eine Lebensphilosophie, die ihn, den getauften, aber nicht sehr religiös erzogenen Anglikaner, zu einem kämpferischen Christen machte. Wenn man sich über das Leben freue, dann schliesse dies Dankbarkeit ein, argumentierte Chesterton. Und wenn man dankbar sei, dann müsse es auch jemanden geben, dem man danken könne.

 

08.10.2005   DIE Chesterton Buchneuerscheinung - Soeben ist ein neues Buch von Gisbert Kranz über Chesterton erschienen: "Gilbert Keith Chesterton - Prophet mit spitzer Feder". Ein Leckerbissen nicht nur für Chesterton-Fans sondern vor allem auch für Einsteiger, denn abgedruckt sind darin eine Reihe meisterhafte Karikaturen aus seiner sicheren Hand! Was viele nicht wissen: Chesterton konnte nicht nur schreiben, er war auch ein begnadeter Zeichner; eben ein ganzheitlich denkender Mensch im besten Sinn des Wortes. Mehr unter http://www.kath.net/detail.php?id=11685&&print=yes

 

 

zur Seite 'Inhalt'

"Chestertons Dogmen" oder "Die Kunst, das Leben zu entdecken" - Ein Manuskript von Matthias Wörther (externer Link)

Ausführliche Biographie und komplettes Verzeichnis von Chestertons Schriften (externer Link)

Link zur amerikanischen Chesterton Society (externer Link)

Letztmals aktualisiert am 26.10. 2005 AD

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