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"Nicht von
Menschenhand gemachte Abbilder Christi"
Das Schweisstuch der Veronika
Bild:
Hans Memling "Hl. Veronika mit dem Schweisstuch", 1475
Nach ausserbiblischer Überlieferung brach Jesus auf dem Weg nach Golgatha dreimal unter der schweren Last des Kreuzes zusammen. Bei einem dieser Stürze reichte ihm eine Frau aus dem Volk namens Veronika oder Berenike ein Schweisstuch, auf dem nach der Benutzung das Antlitz Christi als "Vera ikon", lateinisch-griechisch "wahres Bild", bleibend zu sehen war. Das so genannte Schweisstuch wird in der Kunst als Gemälde sowie in graphischer Form dargestellt und ist gelegentlich auch als silhouettiertes Reliefbild zu finden. Das Schweisstuch-Motiv stellt das Antlitz Christi immer streng symmetrisch dar, mit bis auf die Schultern fallendem Haupthaar und geteiltem Kinnbart. Mit dem Weg nach Golgatha, d. h. mit der Kreuztragung, wird das Sujet offenbar erst im 15. Jh. in Zusammenhang gebracht. Bei früheren Gestaltungen ist Jesus auf dem Tuch ohne Dornenkrone zu sehen, und auch der Gesichtsausdruck Christi spiegelt noch nicht das Leiden wider. Eine in Rom befindliche Tuchreliquie gilt als Prototyp der Darstellungen des Schweisstuches der Veronika in der christlichen Kunst. Bemerkenswert ist allerdings, dass gerade dieses römische Vorbild keine Dornenkrone trägt. Das lässt darauf schliessen, dass sich zwei Überlieferungsstränge vereinigt haben, die vorher unabhängig voneinander existierten.
Die Veronika in den Visionen der Anna Katharina Emmerick
Eine
interessante Gegenüberstellung ergibt sich durch die Lektüre der Visionen von
Anna Katharina Emmerick (1774-1824), einer stigmatisierten Augustinernonne.
Obwohl körperlich schwach und kränklich, führte Emmerick von Jugend an ein
Leben strengster Askese. 1802 trat sie in das Augustinerinnenkloster
Agnetenberg bei Dülmen ein, das 1812 aufgehoben wurde. Seitdem lebte sie, fast
beständig ans Krankenlager gefesselt, in einer Privatwohnung in Dülmen. 1798
empfing Emmerick an ihrem Kopf die blutenden Stigmata der Dornenkrone Christi
und 1812 die eines Kreuzzeichens in der Magengegend, eines doppelten
Gabelkreuzes auf dem Brustbein und der fünf Wunden Christi. Wiederholte
Untersuchungen durch die geistliche und weltliche Behörde bestätigten die
Echtheit ihrer Wundmale. Auf ihr Gebet schlossen sich diese 1819, liessen aber
weissschimmernde Narben zurück, die sich an jedem Freitag röteten und
bluteten. In ihren Visionen schaute sie einzelne biblische Szenen und seit
1820 das Leiden des Herrn. Von ihrem Bildungsstand her hätte sie unmöglich
über eine derart reiche Detailkenntnis biblischer Örtlichkeiten und jüdischer
Gepflogenheiten zur Zeit Jesu haben können. Auch sei erwähnt, dass nach
Emmericks Angaben archäologische Stätten zweifelsfrei identifiziert werden
konnten. Von 1818 bis zu ihrem Tod weilte der Schriftsteller Clemens
Brentano bei ihr, um ihre Geschichte aufzuschreiben. - Ihr
Seligsprechungsprozess wurde 1892 eingeleitet, die Seligsprechung wird
voraussichtlich im Jahre 2004 erfolgen.
An dieser Stelle folgt ein Auszug aus dem Buch "Das bittere Leiden unseres Herrn Jesu Christi nach den Betrachtungen der gottseligen Anna Katharina Emmerick", der die Geschichte der Veronika nachzeichnet:
Die Strasse, worauf der Zug jetzt ging, ist eine lange, sich etwas links krümmende Strasse, es laufen mehrere Seitenstrassen hinein, und von allen Seiten zogen wohlgekleidete Leute zu dem Tempel, die sich teils zurückzogen aus pharisäischer Angst, verunreinigt zu werden, teils einiges Mitleid bewiesen. Beinahe zweihundert Schritte hatte Simon dem Herrn geholfen, die Kreuzeslast zu tragen, als aus einem zur Linken der Strasse liegenden schönen Hause, zu dessen Vorhof mit breiter Mauer und blinkendem Gitter eine Terrasse mit Treppen führt, eine grosse, ansehnliche Frau mit einem Mägdelein an der Hand dem Zuge entgegenstürzte. Es war Seraphia, das Weib Sichas, eines Mitgliedes aus dem Tempelrate, welche durch ihre heutige Handlung den Namen Veronika, von vera icon (das wahre Bild), erhielt.
Seraphia hatte zu Hause einen köstlichen gewürzten Wein bereitet mit der frommen Begierde, den Herrn auf seinem bitteren Leidenswege damit zu erquicken. Sie war in schmerzlicher Erwartung dem Zuge schon einmal entgegengeeilt, ich sah sie verschleiert mit einem jungen Mägdlein, das sie an Kindes Statt angenommen, an der Hand neben dem Zuge schon hereilen, als Jesus seiner heiligen Mutter begegnete. Sie fand in dem Getümmel aber keine Gelegenheit, und so eilte sie dann nach ihrem Hause zu, den Herrn zu erwarten.
Sie trat verschleiert in die Strasse, ein Tuch hing über ihrer Schulter, das Mägdlein, etwa neuen Jahre alt, stand neben ihr und hatte die mit Wein gefüllte Kanne unter einem Überhang verborgen, als der Zug sich näherte. Die Vorausziehenden versuchten vergebens, sie zurückzuweisen, sie war von Liebe und Mitleid ausser sich, sie drang mit dem Kinde, das ihr Gewand fasste, durch das zur Seite laufende Gesindel, durch die Soldaten und Schergen hindurch, trat Jesu in den Weg, fiel auf die Knie und hob das Tuch, an einer Seite ausgebreitet, zu ihm auf mit den flehenden Worten: "Würdige mich, meines Herrn Antlitz zu trocknen!" Jesus ergriff das Tuch mit der Linken und drückte es mit der flachen Hand gegen sein blutiges Angesicht und dann, die Linke mit dem Tuche gegen die Rechte bewegend, welche über den Kreuzarm herüberfasste, drückte er das Tuch zwischen beiden Händen zusammen und reichte es ihr dankend zurück, sie aber küsste es und schob es unter den Mantel auf ihr Herz und stand auf; da hob das Mägdlein das Weingefäss schüchtern empor, aber das Schimpfen der Schergen und Soldaten verstatteten es nicht, dass sie Jesum erquickte. Nur die rasche Kühnheit ihrer Handlung hatte durch den Zudrang des Volkes um das plötzliche Ereignis eine Stockung von kaum zwei Minuten in den Zug gebracht, wodurch die Darreichung des Schweisstuches möglich ward. Die reitenden Pharisäer aber und Schergen ergrimmten über diesen Aufenthalt und noch mehr über die öffentliche Verehrung des Herrn und begannen Jesum zu schlagen und zu zerren, und Veronika floh mit dem Kinde in ihr Haus.
Kaum hatte sie ihr Gemach betreten, als sie das Schweisstuch vor sich auf den Tisch legte und ohnmächtig niedersank, das Mägdlein kniete winselnd mit dem Weinkruge bei ihr. So fand sie ein Hausfreund, der zu ihr eintrat, und sah sie bei dem ausgebreiteten Tuche, auf dem das blutige Angesicht Jesu schrecklich, aber wunderbar deutlich abgedrückt war, wie tot liegen; er war ganz entsetzt, erweckte sie und zeigte ihr das Angesicht des Herrn, sie war voll Wehklage und Trost und kniete vor dem Tuche und rief aus: "Nun will ich alles verlassen, der Herr hat mir ein Andenken gegeben."
Dieses Tuch war eine etwa dreimal so lange als breite Bahn feiner Wolle, sie trugen es gewöhnlich um den Nacken hängend, manchmal ein zweites über der Schulter nieder; es war eine Sitte, Trauernden, Weinenden, Mühseligen, Kranken, Ermüdeten damit entgegenzutreten und ihnen das Angesicht damit zu trocknen, es war ein Zeichen der Trauer und des Mitleids. Man beschenkte sich auch in den heissen Ländern damit. Es hat dieses Tuch nachher immer zu Häupten ihres Lagers gehangen. Es ist nach ihrem Tode durch die heiligen Frauen an die Mutter Gottes und durch die Apostel an die Kirche gekommen. [...] Seraphia ist noch eine schöne, stattliche Frau, aber sie muss doch über fünfzig Jahre alt sein. - Bei dem triumphierenden Einzuge Jesu in Jerusalem, den wir am Palmsonntage feiern, sah ich sie mit einem Kinde auf dem Arm unter andern Frauen ihren Schleier vom Haupte nehmen und ihn in freudiger Verehrung am Wege hinbreiten. Es war dasselbe Tuch, das sie jetzt in einem traurigen, aber siegreicheren Triumphzuge dem Herrn entgegenbrachte, die Spuren seines Leidens damit zu sänftigen, denselben Schleier, der seiner mitleidigen Besitzerin den neuen, triumphierenden Namen Veronika gab und jetzt in der öffentlichen Verehrung der Kirche ist.
An dieser Stelle sei hier noch einiges hinzugefügt, was Anna Katharina Emmerick, angeregt durch die Berührung einiger Reliquien, aus ihren Betrachtungen am 2. August 1821 in Bezug auf diese Frau erzählte. Bemerkenswert insofern, als hier von weiteren Tüchern die Rede ist:
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26.03.2005 Zu
gewissen Zeiten wird das Schweisstuch der Veronika im Petersdom gezeigt.
Welt-Korrespondent Paul Badde durfte es als erster Journalist von nahem
bestaunen. Und sah – eigentlich nichts. Er kommt zum Schluss, dass das
Original vor langer Zeit abhanden gekommen sein muss. Doch wo ist es
geblieben? Mehr unter
http://www.kath.net/detail.php?id=10068
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Erstellt am 10. Oktober 2003
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