Die Baugeschichte des Hauses Nr. 190 in Mümliswil
wie sie Urs Josef Walter, der erste Kammmacher in Mümliswil, in seinen Lebenserinnerungen aufgeschrieben hat.
Die Rechtschreibung des Originals wurde beibehalten.
Es kommt eine große Theuerung, so daß ich für meine Haushaltung in der Zeit von 4 Wochen nebst Milch, Erbsen, Rüben und Speck genug noch 28 Nthlr. gebrauchte, nur für Brod, Mehl und Rindfleisch. Nun, doch gehts noch ziemlich vor sich, so daß ich von der Bezahlung der Frau Gresli bis anno 18 im Brachmonat (Juni) 1200 Gulden an Zinsen gestellt habe. Da kommt denn mein Viktor, der ölter Sohn, sagte: “Vater, ich bin dies (Jahr) 32 Jahre olt und möchte gerne ein Haus bauen.” Ich gehe zum Herrn Statthalter Häfeli selig, sage ihm (wir) halten für einen Hausplatz an. “Ja, ja”, alles war ja, “ich will helfen was ich kann" sagte der schlaue Mann. Aber er will keine Gemeind(versammlung) halten, er will nicht mehr ja sagen, sondern wendet alle Mittel an, das Bauen zu erwehren.
Die Gemeind wird durch obrigkeitliches Gebot gehalten. Der schlaue Vogel nebst andern: Johann Bloch im Wust, Georg Günther, Kreuzwirth, Johann Jäggi, Krämer, alle des Gerichts, laufen ab der Gemeinde, gerade dem Herrn Oberamtmann zu, sagen, man hätte sie schlagen wollen. Denn die ganze Bürgerschaft war mit uns bis auf die Familien Ackermann und Brosi und die Vorgesetzten. Da müssen bei 30 junge Männer und Söhne zum Herrn Oberamtmann, um beschuldigt zu werden, sie gehören nicht an die Gemeind. Wollte sie strafen. Da war auch der Statthalter zugegen, auch mein Viktor, der dem schlauen Vogel die Federn ausrupfte. Da kann der Oberamtmann keinen der jungen Burschen strafen, aber der schlaue Statthalter wäre sicher gestraft worden, weinte aber wie ein Kind, so daß der Herr Oberamtmann zum Mitleiden bewegt wurde und nicht strafen konnte.
Eine andere Gemeind wurde gehalten, wurde nur abgestimmt, ob man ihm das bauen erlaube oder nicht. Einhellige Stimme zum bauen wurde gegeben, ausser die oben bemerkten widrigen Mißgönner. Der Oberamtmann Pfluger wurde berufen um den Augenschein einzusehen. Der Jäggi, Gerichtssäß war dawider, der meinte der Sohn werde krämern, der Carl Ackermann meinte, er wolle wirthen, der Gerber Ackermann war Bruder von Carl. Dieses sind alles grosse, reiche, angesehene Männer. Der Johann Messer als Nachbar vom Platz war auch bei ihnen, sie sind alle dawider. Der Herr Oberamtmann auf Angab von den Widrigen schwierte durch den Gunziger Förster 3 Blätze zum bauen aus, einer da, der andere dort. Auf dem aber, wo wir begehrten, war ein altes Wohnhaus, wo würcklich der Wächter zugegen wohnte.
Das “Wächter Hüsli” wird von Pfr. J.A.Wirz in seinem Familien- und Dorfnamenverzeichnis aufgeführt. In diesem Haus wohnten im Jahre 1806 Jakob und Maria Brosi-Heggendorn mit den Kindern Katharina, Rudolf und Peter. In “Messers Haus” wohnte 1806 die Witwe Maria Messer-Walter.
Die 3 Blätz sind augeschwirt worden, dass an 3 Orten von den Nachbarn, die an der nächsten Gemeinde sollten stimmen, die Stimmen wegfielen. Das war der Gedanke von den Feinden. Der Oberamtmann sagte, es müsse noch eine andere Gemeinde gehalten werden, um zu entscheiden, welcher Platz zum bauen müsste bestimmt sein. Den aber, auf dem das alte Wachthaus stand, verlangten wir, sprachen gleich einen andern an, dass die Feinde meinten, wir meinen den, auf dem das Wachthaus stand, nicht. Da will der Oberamtmann zureden, wir sollten das alte Wachthaus kaufen um 75 Fr. Die Feinde stimmten bei, dass sie Geld bekommen, in der Meinung, wir kaufen das alte Häuslein und bauen doch nicht. Nun, das Häuslein wird gekauft und alles wird angelobt und geschrieben. Wir haben das Häuslein. Es gibt eine andere Gemeind, da heisst es: “Baue auf den Blaz wo das alte Häuslein steht.” Es war uns recht, aber den Missgönnern nicht.
Jetzt gehts vor die hohe Regierung nach Solothurn. Es wird bewilligt, aber der Platz ist noch immer zu klein, so dass das Haus nicht gehörig eingetheilt werden kann. Da gibts noch 3 bis 4 Augenscheine. Doch können wir niemals die gehörige Grösse bekommen. Der Oberamtmann spricht 10 Schuh von des Nachbars Haus hinweg. Da muss ich 5 Schuh kaufen, dass ich auf 40 Schuh komme, welches noch nicht genug ist, denn wir brauchen 42 Schuh, wie man es wirklich sieht. Da wissen wir nichts zu machen als die übrigen 2 Schuh zu nehmen ohne zu fragen. Nun, die Feinde werden mit grosser Mühe gezwungen, aber dachten auf allerlei Listen um uns zu untergraben.
Am Sankt-Anna-Tag (26. Juli) sind meine 3 Kinder nach Balstall in Umgang (Prozession). Nachmittags nach dem Umgang gingen sie zum Leüwen Eins zu trinken und noch mehrere mit ihnen. Da waren auch von den Feinden zugegen, wollten dort schon Lärmen mit ihnen haben. Aber es will niemand keine Antwort geben. Die Feinde passen auf die Heimreise, da rannten sie ihnen nach bis in Lobisey, da binden sie Steine in die Nastücher, damit zu schlagen. Es waren noch andere dabei, die die Schlag verhindern sötten. Da nahm der Kunzen Dursen Georg einen Stein von einem Fuss groß; unverhofft schlug er meinem Rudolf ins Gesicht, so daß man glaubte, er habe ihm die Augen ausgeschlagen. Ich gehe klagen zum Richter, Oberamtmann Pfluger, der sagte: “Das ist eine saubere Mette.” Es wurden Zeugen aufgeführt auf beiden Seiten, sie kauften solche Zeugen, die sagten, unsere Leute haben angefangen. Das kostet vieles Geld, der Rudolf kann 14 Tag nicht arbeiten. Nach dem Allem müssen sie wieder zum Oberamtmann, da wurde der Eine wie der Andere gestraft. Da habe ich den Herrn Oberamtmann kennen lernen. Da war alles gleich, was zu befehlen hatte, ausser zu Solothurn. Da waren sie ganz unpartheiisch.
1806 wird von Pfr. Wirz das Haus des “Kunzedurse Johannes” erwähnt, in dem eine Familie Haefeli wohnte.
Nun, wir machen unsere Sach mit dem Bau fort. Die Feinde ihrerseits machen alles was zu erdenken ist, uns zu stören, haben alle Freunde um Rache wider ans aufgefordert. Einige sagten es uns wieder. Die Andern sagten nichts und machten nichts. Wenn Herren von Solothurn zum Oxen kamen, so zeigten sie ihnen den Platz, aber alles hilft ihnen nichts. Der Bau wird anno 1819 fortgesetzt. Da ergreifen sie noch Maßregeln gegen mich, welche ich auch hier anzeigen will. Im Jahr 1816 muss der Oxenwirth Häfeli ganten. Da begehren die HH Ackermann den Oxen. Sie hetzen die Kreditoren um zu treiben. Dies dauert mich, denn der Ganter hatte 10 fast unerzogene Kinder, ich laufe selbst ihm zu helfen, dass er nicht ganten sollte. Die Ackermann werden hässlich und suchten Rache an mir auszuüben. Es waren von dem Ganter zweierlei Kinder, nämlich Knaben und Meitli. Die müssen Beistand haben. Die Vorgesetzten der Gemeinde lassen mich kommen, sagten, ich müsse der einen Parthei Beistand sein. Kann nicht sein, ich muß es ihnen gänzlich ausschlagen. Da sagten sie zu mir, wenn ich nicht wolle Beistand sein, so solle ich den Beiständen auch in gewissen Fällen rathen. Ich sage ja und thue es auch. Die Gant geht vor sich. Der Ganter und sein Sohn, der bald ein Mann war, machten eine Handschrift auf einen Hug, daß sie ihm 28 Louis d‘ors schuldig seien, und waren ihm nicht. Das machten sie, daß sie nach der Gant auch wieder Geld zum Metzgen hätten. Dann der Sohn vom Ganter hatte an der Gant die. Soll bestanden, um das wusste alles nichts.
Der Ganter beichtete es nach seiner Aussage. Der Beichtvater gab ihm auf, er müsse es offenbaren, sonst könne er nicht selig werden. Da war noch keinen Nachschlag aber in Zeit von 4 Wochen wurde der Nachschlag gehalten. Der Ganter sagte das den Beiständen und seinem Sohn. Die gingen zusammen: was ist zu thun? Sie lassen mich auch zu ihm kommen und sagten mir AlIes, fragten um Rath. Ich gebe ihnen den Rath, sie sollten die Handschrift aus der Kanzlei zurücknehmen und nicht schlagen, dann wolle ich Alles verantworten was kommt, es brauche weiter keine Anzeige gemacht zu werden. Sie sagten zu und liessen es ihnen so gefallen, ich ging davon. Da sagte der Beck Ackermann, der den Oxen an der Gant bestanden zum Beistand von den Maitlen, Battist Walter genannt, er sott für ihn die Handschrift kaufen, wolle ihm 3 Louis d‘or davon geben, sie sei falsch. Baptist hatte gern Geld, geht zum Hug, kauft sie um 21 Louisdors, der Beck gibt ihm noch 3, wie er ihm versprochen. Der Nachschlag wird gehalten, die Handschrift wird geschlagen anno 1817.
Da blieb Alles still bis ich den Bau aufzuführen angefangen. Da ziehen die Feinde vom Bau den alten Ganter zu sich, sagten, er solle sagen, ich sei schuldig das die Handschrift geschlagen worden, und sie sei falsch. Dies solle er gerichtlich anzeigen, dann bekomme er die 28 Louisdors. Der dumme Mann zeigte es an. Es wurde ihm noch nicht geglaubt. Da kamen die Beistände und der Sohn vom Ganter zur Rechnung vor einen Notar, sie wurden streitig und sagten, die Handschrift sei falsch. Jetzt wurden die Beistände und der Ganter und der Sohn des Ganters alle samt dem Hug eingezogen. Der Ganter wird verhört, er sagte, ich sei an Allem schuld, daß die Handschrift geschlagen worden sei. Ich wurde durch den Weibel abgeholt und auch verhört. Wir müssen alle nach Solothurn mit einem Landjeger geführt werden. Es wurde mir nicht Glauben zugemessen. Bleiben 10 Tag in der Presohn (Prison) zu Solothurn. Da wurde der Ganter verhört, der Sohn auch. Der Sohn sagte, der Vater sei ein Lügner und sagte es, wie ich es sagte und früher gesagt hatte. Ich kann heim und mein Regreß kann ich auf dem alten Ganter abhalten. Die Prisonkösten müssen die Beistände und der Sohn bezahlen, für meine Müh bekomme ich nichts weil der Ganter nichts hatte. Der Ackermann Beck aber musste 2 Mal nach Solothurn um sich zu verantworten, aber er hatte Alles weggeleugnet. Die Zeugen aber sind geschmiert und bald gestorben. Sonst nach dem Recht war der Beck Ackermann an Allem der Schuldner. Aber gar viel ist daran gelegen, wenn man mit oder wider Einen ist. Das hatten die Familien Ackermann und Brosi mit Beihülf von Johann Messer und Häfeli Statthalter dahin gebracht um mich in Fall zu setzen, daß ich nicht bauen könne. Was das aber für Kummer und Schrecken über meine Frau und Kinder gebracht, weiß Niemand. Gott verzeihe es ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun.
Am 11. Tag komme von Solothurn heim. Da lassen die Feinde die Fecken ein wenig hangen. Am nächsten Morgen gehe ich auf den Bauplatz und kommandire bei 20 Mann den ganzen Tag. Da lassen sich die Feinde nicht oft sehen. Das gefiel ihnen gar nicht. Am liebsten hätten sie mich am Schellenwerkkarren gesehen, wie sie es an mehreren Orten gesagt hatten. Bewahre Gott unsere hochweise Regierung, sie ist recht und giebt dem Recht der Recht hat und es erproben kann.
Der Bau wird aufgeführt, bis den 2. August 1819 machen wir den Hut darauf und noch den Herbst wird der Keller gewölbt und die Giebel ausgemauert. Anno 1820 wurde alles fertig gemacht und kostet bar ausgelegtes Geld 5151Fr. 7bz. ohne was ich 2 Jahr gearbeitet, den Schreinern die Kost, den ganzen Sommer hindurch, auch 21 Tage 5 Mann die Kost wo sie die Stägen gemacht, den Fuhrleuten die Kost, Heu den Pferden, allen Taglöhnern Abendessen gegeben, Bickel, Schaufeln, Axen, Beile, Sägen, Seile, alles ist zu Grund gegangen. Das wüssen die welche bauen am besten. Was für Läufe, Gänge, Verdruß, Licht bein nächtlichen Aufbleiben fast das ganze Jahr ausgestanden habe, glaubt mir kein Mensch.
Nun, der Bau ist beendigt. Der (Herr) seie gelobt für seine Gnad. Es ist alles bezahlt, ich bin Niemanden keinen Kreuzer schuldig.
Erklärende Zwischenkommentare von Josef C. Haefely
Werkzeuge des Kammmachers Urs Josef Walter:
Sägen und Kluppen (Einspannvorrichtungen)