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       Das Haus Nr.190 an der Mümliswiler Dorfstrasse

Erbaut in den Jahren 1818-1820 von "Strählsager" Urs Josef Walter für seinen Sohn Urs Viktor Walter, Kammfabrikant, Pintenwirt und Hauptmann, nach der Franzosenzeit "einer der ersten vom Lande" in der jungen Schweizer Armee , wie er gerne betonte. Heute Wohnhaus der Familie Josef Haefely-Candio.

Vor dem Bau von 1818 stand an dieser Stelle das "Wächter Hüsli", das kleine Haus des Dorfwächters also. Dort wohnte im Jahre 1806 die Familie Jakob und Maria Brosi-Heggendorn mit ihren Kindern Katharina, Rudolf und Peter. Die Streitigkeiten um die Baugeschichte des neuen Wohnhauses beschreibt Urs Josef Walter detailliert in seinen Lebenserinnerungen. Deren handschriftliches Original ist im Kamm-Museum Mümliswil vor wenigen Jahren wieder entdeckt worden. Der Gründer der Mümliswiler Kammmacherei beschreibt darin ausführlich, welche Widerstände er zu überwinden hatte, damit er sein Haus an genau dieser Stelle bauen durfte, wo zuvor das alte Dorfwächterhaus stand.

Etwa ab 1828 betrieb Urs Josef Walters Ältester Urs Viktor in seinem Haus neben der Kammfabrikation auch die erste Pintenwirtschaft. Das weiss Dorfchronist und Gemeindeammann Beat Walter (1819-1903) zu berichten. Das Pintenschenkrecht wurde einer Person verliehen und erlosch grundsätzlich mit dessen Tod. Der Pintenwirt durfte laut Pintenschenkverordnung vom 31. März 1832 weder warme Speisen verkaufen noch tanzen lassen. Er musste Eigentümer des Gebäudes sein und hatte sich über einen guten Leumund auszuweisen. Ein Spruch, eingekratzt in den alten Firstziegel - beim Neueindecken des Daches zufällig entdeckt - , erinnert daran, dass dieses Haus als "Walters Pintenschenke" bekannt war:

"Grüss Gott Wilkom mein lieber Gast / wenn du gelt im beutel hast - 1818"

Gemäss Auskunft des Ziegeleimuseums Cham sind solche Zeugnisse eine absolute Seltenheit. Übrigens ist eine berühmte Episode der Solothurner Geschichte mit dem Haus verbunden, der sogenannten "Balsthalertag" vom 22. Dezember 1830: Nachdem der spätere Bundesrat Joseph Munzinger auf der dortigen Rösslitreppe für die "vorbehaltlose Volkssouveränität" plädiert hatte, schlugen einige übermütige radikale Schwarzbuben auf dem Heimweg dem konservativen Dorfpolitiker Urs Viktor Walter Fenster und Inneneinrichtung kurz und klein. Der Pintenwirt selbst konnte noch rechtzeitig durch den Hinterausgang entwischen.

Aktualisiert am 25.07.2003

Warum heute in diesem Haus keine Walter mehr wohnen, kann man hier nachlesen.

Und hier geht's weiter zu einigen historischen Abbildungen des Hauses