www.haefely.info                                         

 

Pater Basil Haefely, Jesuit und Indienmissionar

1822 -1897

Ein Mümliswiler als Pfarreigründer und Kirchenbauer

 

                                               

Franz-Xaver-Kirche in Pune/Indien, erbaut im Jahre 1863 unter Pater Basil Haefely

 

In der nordindischen Stadt Pune (auch "Poona" geschrieben) leben 2,3 Millionen Menschen. Sie liegt im Western des Bundesstaats Maharashtra, etwa 150 Kilometer südöstlich von Bombay. Im Jahre 1988 feierte die dortige Franz-Xaver-Pfarrei das 125-Jahr-Jubiläum ihrer Pfarrkirche. Dabei dachte die Gemeinde in Dankbarkeit an den Erbauer ihres Gotteshauses, den Schweizer Jesuiten Pater Basil Haefely aus Mümliswil.

Basil wurde am 4. Februar 1822 in Mariastein geboren als eines der drei Kinder von Jakob und Magdalena Haefely-Gyr von Mümliswil, welche im Wallfahrtsort das Pilgerhaus "zum Kreuz" führten. Seine Schwester Rosalia wurde 1820 geboren, sein Bruder Alois 1827. Nach einigen Jahren kehrte die Familie in ihre alte Heimat zurück, wo sie 1829 im Mümliswiler Weiler Reckenkien den "Steinwirtshof" erbauten. Nach dem Kollegium in Mariastein studierte Basil in Fribourg Theologie und trat 1843 dem Jesuitenorden bei. Nach der Vertreibung des Ordens übersiedelte er 1847 nach Chambéry/Frankreich und studierte anschliessend Philosophie in Georgetown USA. Zwischen 1850 und 1853 wirkte er in einem amerikanischen Kollegium als Magister und kehrte dann in die Schweiz zurück. Nachdem er in Löwen/Belgien die Priesterweihe empfangen und in Paderborn seine letzten Ordensgelübde abgelegt hatte, zog er 1856 in die neue deutsche Bombaymission nach Indien. Einige Jahre wirkte er als Militärkaplan auf verschiedenen Stationen, dann war er Sekretär des Erzbischofs von Bombay und Missionsprokurator.

Die Schweizer Indienmission geht auf den bekannten Kapuzinerbischof Anastasius Hartmann (Biographie) zurück. Dieser hatte seine Landsleute aus der "Gesellschaft Jesu" (Jesuitenorden) nach Indien gerufen, um ihn dort bei seiner Aufgabe zu unterstützen. Die 1847 aus der Schweiz vertriebenen Jesuiten übernahmen 1854 die heutige Diözese Pune als eigenes Missionsgebiet. Einer der ersten Schweizer in Pune war Pater Basil Haefely von Mümliswil. Er sollte als Militärkaplan die hier stationierten irischen Truppen betreuen und zugleich den "Schwestern von Jesus und Maria" beim Bau eines Waisenhauses für europäische und eurasische Mädchen helfen. Für die aus Goa zugewanderten Katholiken bestand eine grössere Kapelle in der Altstadt als Ableger der Erzdiözese von Goa. Für die immer zahlreicheren Gläubigen im neuen Militärbezirk las ein indischer Priester in seinem Privathaus die Sonntagsmesse. Der Wunsch nach einer eigenen Kirche,  die neben dem Waisenhaus entstehen sollte, wurde immer stärker. Am 14. Oktober 1860 wurde der Grundstein eingeweiht. Aber wegen Geldmangels kam der Bau nicht recht voran. Da kehrte der indische Priester wegen Krankheit in seine Heimat Goa zurück, sein Haus wurde verkauft. Pater Haefely sah sich dadurch gezwungen, fortan in der unfertigen Franz-Xaver-Kirche die heilige Messe zu feiern, zum ersten Mal 1862.

Das 'Wunder' von Pune

Dann ergab sich eine glückliche Fügung: Zur rechten Zeit und am rechten Ort warfen die scheuenden Pferde die Kutsche eines hohen britischen Beamten um. Der verletzte Engländer wurde in das nahe Haus des Militärseelsorgers getragen und dort gepflegt. Bald erschien der Gouverneur persönlich, sah sich die Bescherung an, besuchte dann auf Bitten Pater Haefelys auch das halbfertige Waisenhaus, staunte über die grosse Zahl notdürftig beherbergter Kinder und zog daraus die Konsequenzen. Die Behörden, die bisher jede Unterstützung abgelehnt hatten, versprachen nun, für den Bau von zwei Waisenhäusern in Bombay und Pune so viel zu spenden, als die Katholiken innert dreier Monate selbst aufbringen würden. In beiden Städten liessen sich viele Hindus die Gelegenheit nicht entgehen, den Engländern auf diese Weise heimzuzahlen. Mit ihrer Hilfe brachte die Sammlung 95 000 Rupien ein, was einem heutigen Wert von über einer Million Franken entspricht. Die Regierung stand zu ihrem Versprechen, die Missionsstation konnte das Waisenhaus vollenden und 1865 die bescheidene Kirche einweihen. Die Pläne dafür zeichnete ein Jesuitenbruder, der weniger künstlerischen als praktischen Überlegungen folgte. Doch die soliden Mauern aus Basalt haben die Jahrhunderte ohne Schäden überstanden. Später wurde das Gotteshaus erweitert und zeigt heute die Form eines lateinischen Kreuzes.

Bild oben: Der heilige Franz-Xaver predigt auf einer Missionsreise; Wandbild des Malers Fonseca in der Franz-Xaver-Kirche in Pune

Bild unten: Die St. Vincent's High School in Pune

Aus dem ehemaligen Waisenhaus ging eine angesehene Mittelschule hervor mit  rund 2000 Schülerinnen im Jahre 1988. Pater Haefelys Nachfolger war sein engster Landsmann, Pater Josef Brunner SJ, aufgewachsen in Ramiswil auf dem Vorder Beibelberg als Sohn der Ordensstifterin Mutter Anna Maria Brunner. Er begann 1867 mit dem Bau der St. Vincent's High School für Knaben. Diese Mittelschule wurde im Jahre 1988 von 2200 Schülern besucht, ein Drittel davon ist katholisch. An der 1951 angegliederten Abendschule für Arbeitende werden heute 400 Erwachsene ausgebildet, und am 1972 gegründeten Kolleg für Handel und Wirtschaft studieren 600 Studenten. Aus beiden Lehranstalten sind bedeutende Persönlichkeiten hervorgegangen sowie zahlreiche geistliche Berufe. Die Bildungsstätten prägen noch immer die Pfarrei mit ihren vielen Gruppen aktiver Laien.

Bild unten: Der frühere indische Ministerpräsident Pandit Nehru, Verbündeter Mahatma Gandhis im indischen Freiheitskampf,  besucht die Pfadfinder der St. Vincent's High School in Pune.

Pater Haefely wirkte nach seiner Zeit in Pune zwischen 1870 und 1879 als Generalvikar des Erzbischofs von Bombay. Dann wurde er, durch die anspruchsvolle Arbeit körperlich gebrochen, nach Deutschland zurückgerufen, um sich in Feldkirch zu erholen. Im Jahre 1881 reiste er in die USA, wo ihm in den Kollegien von Buffalo, Prairie du Chien(Wisconsin), Cleveland und in der bischöflichen Residenz von Toledo/USA seelsorgerliche Aufgaben anvertraut wurden. Von Prairie du Chien sandte er am 4. April 1892 einen Brief an seinen Bruder Alois Haefely in Mümliswil, wo er sich mit Wehmut an die unbeschwerte Jugendzeit im Reckenkien erinnerte. Im offiziellen Lebenslauf seines Ordens wird berichtet, er sei "seinen Mitbrüdern ein Beispiel der Regeltreue und Geduld" gewesen. Stets habe er zu arbeiten gewünscht, auch als seine Kräfte dies nicht mehr zuliessen. 1893 erlitt Pater Haefely einen Schlaganfall, was sich noch zweimal wiederholen sollte. Er starb am 16. Januar 1897 in Toldeo/USA.

 

  Bild rechts: Gedenktafel in der Franz-Xaver-Kirche mit einem Verzeichnis aller Gemeindepfarrer, beginnend mit Pater Basil Haefely [ zum Vergrössern auf das Bild klicken ]

 

Angaben zusammengestellt von Josef C. Haefely, 23.3. 2002

Quellen: Jesuitenzeitschrift JHS 1/1963, 2/1988; Fotos aus dem Schweizerisches Jesuitenarchiv in Zürich

zur Seite 'Ortsgeschichte'

zur Seite 'Inhalt'