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Wasserkraft

Es ist kein Zufall, dass sich alte Gewerbebetriebe und Fabrikanlagen an Bächen und Flüssen befinden. Das Element Wasser war der Schlüssel zur Industrialisierung, so auch für die Kammfabrik Mümliswil. Wo früher eine Papiermühle stand, baute August Hadolin Walter-von Rohr 1867 die erste mechanisierte Fabrik dieser Art  in der Schweiz. Otto Walter-Obrecht baute nach der Betriebsübernahme 1887 die Mechanisierung aus. Zu diesem Zweck sicherten sich die Fabrikbesitzer Wasser-Nutzungsrechte und liessen das Wasser des Mümliswiler- und später auch des Ramiswilerbachs über Kanäle auf Turbinen leiten. Noch heute sind die letzten Überreste dieser Anlagen sichtbar. Aber auch an ihnen sind die Jahrzehnte nicht spurlos vorübergegangen. Falls nicht interessierte Kreise die Initiative zu ihrer Erhaltung ergreifen, lässt sich kaum vermeiden, dass auch letzte Fragmente einer für das Guldental wichtigen Epoche der Wassernutzung verschwinden werden.

Um für das Betreiben einer Turbine das nötige Gefälle zu erhalten, wurde am Mümliswilerbach vor über hundert Jahren oberhalb der Kammfabrik eine Schwelle mit Stauwehr gebaut. Ein Kanal leitete das Wasser zum Turbinenhäuschen, eine der heute noch erhaltenen Bauten der ursprünglichen Kammfabrik. Ein gewaltig dimensioniertes Rad an der Südwand des Turbinenhauses übertrug mit einer langen Transmission die Kraft zu den Maschinen im Fabrikgebäude. Die Dokumentation der Relikte dieses Industriekanals stammt vom 22. September 2002.

Ein ungeübtes Auge wird kaum erkennen, dass der Mümliswilerbach an dieser Stelle vor Zeiten  gestaut werden konnte. Im rechten Abschnitt der Mauer befindet sich, unter wild wucherndem Gesträuch versteckt, ein Stauwehr, mit dem die Wasserableitung in den Kanal reguliert werden konnte. Man vergleiche dazu auch die historische Foto ganz oben (Standort: rechte obere Ecke).

  

Solche Stauwehre wurden über eine Zahnstangenmechanik mit Schneckengewinde bedient. Sie waren aus Eichenbohlen zusammengefügt und wurden für die verschiedensten Gewerbezweige eingesetzt, so auch beim Mümliswiler "Sagiweiher" in der Weihermatt, wo das Wasser auf dieselbe Art zurückgehalten wurde.

  

In einem Schacht auf der Rampe rosten mechanische Teile vor sich hin.

  

Der obere Teil des Kanals ist längst trockengelegt und heute von einem kleinen Wäldchen überwuchert.

 

Im unteren Teil wurde der Kanal später offenbar zugedeckt und das Wasser durch eine Eisenröhre der Turbine zugeführt.

  

In der ersten Zeit wurde der Kanal bis vor das Turbinenhaus offen geführt und war zur Sicherheit mit einem Geländer versehen. Die Spuren der abgesägten Geländerstützen sind auf den heute bodenebenen Mauern noch erkennbar.

  

Das historische Bild von 1915 zeigt dieselbe Stelle mit dem offen geführten Kanal.

                      

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