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«Das VBS ist auf dem Holzweg, wenn es hinter geschlossenen Türen selbstdefinierte Eliten vertraulich in seine Pläne für Krieg und Frieden einweiht, um dann später einmal mit einem fait accompli vor das Volk zu treten» Div Dr.iur. Hans Bachofner am 13 Mai 2000 in Bern
Schweizer Armeereform auf dem Prüfstand Diese Seite wurde seit dem
10.02.2003 insgesamt
18.07.2006 Afghanistan: Grimmige
Soldaten in Kunduz wollen sich Jung vorknöpfen - Wenn
Verteidigungsminister Jung heute den Norden Afghanistans besucht, wird er
reichlich Kritik hören. Die deutschen Soldaten dort leben in ständiger
Angst vor Terroranschlägen. Und die Vorgaben aus Berlin empfinden sie als
wenig hilfreich. Dass die Sicherheitslage am Hindukusch mehr als brisant
ist, lässt sich zwischen den Zeilen aus den offiziellen Aussagen ablesen.
So wurde zum Beispiel die Lagebeschreibung geändert: Hieß es zuvor, Kunduz
sei "ruhig, aber nicht stabil", gilt es nun als "angespannt und instabil".
In Zahlen klingt dies noch unberuhigender: Allein in den ersten sieben
Monaten 2006 hat es so viele Angriffe, Anschläge und anderen Feindkontakt
gegeben wie im ganzen Jahr 2005. Mehr unter
12.07.2006 Deutsche Soldaten in
Afghanistan wollen schneller schiessen können - Angesichts der
verschärften Sicherheitslage in Afghanistan dringt die Truppe darauf, im
Einsatz künftig schneller zur Waffe greifen zu können. "Es wäre
angemessen, den Auftrag zu transformieren und zu reformieren", sagte der
Sprecher der Internationalen Schutztruppe (Isaf) für die Nordregion,
Oberstleutnant Markus Werther, der "Financial Times Deutschland". "Der
Gedanke, wir machen in Afghanistan nur Wiederaufbau und sonst nichts, kann
nicht funktionieren, da werden wir an die Wand gedrückt." - Genau
dasselbe, nämlich blosse Aufbauarbeit und weitere Unterstützungsdienste zu
leisten, ist zur Zeit der Grundsatz für Schweizer Truppen im Ausland. Man
kann davon ausgehen, dass sie sich früher oder später vor dieselbe
Problematik gestellt sehen wie jetzt deutsche Soldaten, die ursprünglich
ebenfalls von einem relativ "friedlichen" Support von US geführten
Einheiten in Afghanistan ausgegangen waren. Mehr unter
10.07.2006 Auslandseinsätze
traumatisieren deutsche Soldaten - Der Wehrbeauftragte des Deutschen
Bundestags, Reinhold Robbe, fordert eine stärkere Konzentration der
Wehrmedizin auf die Behandlung bei posttraumatischen Belastungsstörungen (PTSD)
als bisher. Vor allem vom Afghanistan-Einsatz ISAF kehrten im Schnitt mehr
Soldaten mit PTSD zurück als von den Einsätzen auf dem Balkan, sagte Robbe
der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitagausgabe). Mehr unter
28.06.2006 Erneut Anschlag auf
Bundeswehr in Kunduz: Verletzte - Beim zweiten Anschlag auf die
Bundeswehr im nordafghanischen Kunduz binnen weniger Stunden sind drei
deutsche Soldaten verletzt worden. Erst wurde ein Bombenanschlag auf eine
Patrouille verübt. Dann nahmen "bewaffnete militante Kräfte" deutsche
Soldaten unter Feuer. Mehr unter
27.06.2006 Afghanistan:
Selbstmordanschlag auf Bundeswehr - Am Dienstag verübte ein
Selbstmordattentäter im Norden Afghanistans zum ersten Mal einen Anschlag
auf Bundeswehrsoldaten. Der Attentäter sprengte sich vor einem gepanzerten
Fahrzeug der Deutschen in die Luft und riss dabei zwei Zivilisten mit in
den Tod. Acht Menschen wurden verletzt, darunter vier Kinder. Die
Bundeswehrsoldaten blieben unverletzt. Mehr unter
27.06.2006 Neutrale
Friedenstruppe zum Schutz humanitärer Hilfe? - Peter Arbenz und
Enrique Steiger erachten dies als eine Option für Schweizer Armeeeinheiten
im Ausland, allerdings sehen sie auch Risiken. Ein Konzept jedenfalls, das
sich viele unangenehme Fragen gefallen lassen muss, unter
15.06.2006 Vor möglichem
Schweizer Truppeneinsatz in Kundus: Taliban-Angriffe immer perfider -
An der „Operation Vorstoss gegen den Berg“ sind rund 11.000
Koalitionstruppen vor allem aus den Vereinigten Staaten, Grossbritannien
und Kanada sowie afghanische Soldaten beteiligt. Oberstleutnant
Fitzpatrick sagte, mit dem Militäreinsatz sollten die nötigen „Bedingungen
geschaffen“ werden für die Ende Juli oder Angang August geplante
Übertragung des Kommandos im Süden Afghanistans von der von den
Amerikanern geführten Koalition auf die Nato-geführte internationale
Schutztruppe Isaf. Unterdessen ist die Bundeswehr ist über die neue
Angriffsmethode der radikal-islamischen Talibankämpfer in Afghanistan
„äusserst besorgt“. Aus Offizierskreisen war am Mittwoch in der
afghanischen Hauptstadt zu erfahren, dass sich am Dienstag bei den
Anschlägen auf deutsche Soldaten in den nördlichen Stützpunkten Faisabad
und Kundus gezeigt habe, wie „professionell jetzt die Taliban
vorgehen“. Offensichtlich mit Handys haben sie Sprengsätze ferngezündet.
Bei den Anschlägen wurden zwei Bundeswehrsoldaten verletzt. „Alles deutet
darauf hin, dass die Kämpfer der Taliban im Irak ausgebildet worden sind“,
erläuterte ein Offizier. Die neue Angriffsart hat auch die Parlamentarier
in Berlin aufgeschreckt. Die FDP-Sicherheitsexpertin Elke Hoff bezeichnete
die Qualität der neuen Anschläge als „alarmierend“. Die Sprengfallen der
Taliban würden immer gefährlicher. „Wir müssen jetzt alles uns mögliche
für den Schutz unserer Soldatinnen und Soldaten unternehmen“, unterstrich
Hoff. Sie forderte die Bundeswehrführung auf, umgehend ein Schutzsystem
gegen Sprengfallen zu beschaffen. Die Bundeswehr war bisher bei ihrem
Einsatz am Hindukusch unter der Bevölkerung geachtet. „Das Blatt hat sich
unter den neuen Entwicklungen, die sich auch bei den schwersten Unruhen
vor einigen Wochen in Kabul gezeigt haben, gewendet“, liess ein deutscher
Offizier wissen. Die Bundeswehrsoldaten müssten sich „zusehends auf
kämpferische Auseinandersetzungen“ mit den Taliban einstellen. - Wenn
Schweizer Armeeplaner noch einen Funken praktische Vernunft besitzen, so
werden sie jetzt alles in ihrer Macht Stehende unternehmen, um die
neutrale Schweiz aus einem Abenteuer mit ungewissem Ausgang und kaum
absehbaren Kostenfolgen herauszuhalten. Mehr unter
31.05.2006 Während sich Schweizer
Soldaten für Afghanistan rüsten, wachsen im deutschen ISAF-Kommando
die Selbstzweifel - Angesichts der Eskalation der Gewalt in
Afghanistan wächst in Deutschland die Kritik am politischen Konzept des
Militäreinsatzes in dem Land. "Unser Einsatz in Afghanistan basiert nicht
auf einem wirklich schlüssigen Konzept", kritisierte der Chef des
Bundeswehrverbandes, Oberst Bernhard Gertz, in der "Leipziger
Volkszeitung". Die Politik mache ihre Hausaufgaben nicht, während die
Soldaten vor Ort immer stärker in Gefahr gerieten. Gertz schloss
Motivationsprobleme für die zu entsendenden Soldaten nicht aus. "Bislang
wussten wir, 99 Prozent der Bevölkerung stehen hinter unseren Soldaten.
Das trifft heute nicht mehr zu." Es werde auch nicht mehr differenziert
zwischen Amerikanern und Europäern. Vor diesem Hintergrund regte Gertz
eine ergänzende psychologische Einsatz-Betreuung der Soldaten durch die
Bundeswehr an. "Die Männer und Frauen, die wir nach Afghanistan schicken,
sind darauf vorbereitet, dass sie sich rund um die Uhr in objektiver
Gefahr durch Anschläge befinden." Der Politik hielt Gertz vor, sich die
Lage teils schönzureden. "So hätten wir in Afghanistan sehr viel früher
eine Bestandsaufnahme machen müssen, warum es noch immer keine Aussicht
auf einen strategischen Erfolg gibt." Auch belaste die immer noch nicht
geklärte Frage des Zusammenwirkens zwischen den Anti-Terroreinheiten der
USA und der ISAF die beteiligten Soldaten. Der FDP-Aussenexperte
Werner Hoyer sagte, das Konzept des Soldaten als uniformiertem
Entwicklungshelfer müsse überdacht werden: "Wir stehen vor dem Scheitern
des Konzeptes des lächelnden Soldaten", warnte er. Irgendwann werde die
Nato vor der Entscheidung stehen, entweder massiv Truppen nach Afghanistan
zu schicken oder sich ganz aus dem Land am Hindukusch zurückzuziehen. Ein
Abzug der Nato würde jedoch automatisch eine Debatte darüber auslösen, ob
das westliche Verteidigungsbündnis überhaupt noch eine Zukunft habe. Der
FDP-Abgeordnete Rainer Stinner sagte, entgegen "verbreiteten Meinungen"
habe die Bundeswehr in Afghanistan "einen Kampfauftrag". Rund vier Jahre
nach Beginn ihres Einsatzes in Afghanistan übernimmt die Bundeswehr morgen
das militärische Kommando über die ISAF-Truppen im Norden des Landes. Die
Region hatte ursprünglich als ruhigste Region des Landes gegolten, doch
auch dort wird der Einsatz riskanter. Mehr unter
Zur angespannten Sicherheitslage in Afghanistan auch unter
31.05.2006 Deutscher
Militärbischof Mixa verschiebt Afghanistan-Besuch - Angespannte
Sicherheitslage hinderten den Augsburger Bischof daran, die
Bundeswehreinheiten in Kundus zu besuchen. Kundus wird als
wahrscheinlicher Einsatzort für Schweizer Auslandtruppen gehandelt. Mehr
unter
17.05.2006 „Vorsorge“ gegen das Privileg des Neutralen: Ein Kommentar von Josef C. Haefely - Kürzlich referierte der bekannte Fernsehjournalist Ulrich Tilgner in Olten. Die Terrorgefahr in Europa differenzierte er: Das Pulverfass im Nahen Osten sei eine Bedrohung für Europa, nicht für die Schweiz. Tilgner begründete seine Einschätzung mit dem "Privileg des Neutralen", mit der anerkannten Rolle des IKRK und den Vermittlerdiensten, welche die Schweizer Botschaft in Teheran für den Kontakt zwischen den USA und Iran leiste. Für die These, dass die Schweiz auch von nahöstlichen Politikern differenziert wahrgenommen wird, lieferte Tilgner ein aufschlussreiches Indiz: Irans Ex-Präsident Rafsandschani habe ihm einmal ein Interview ausdrücklich nur für das Schweizer Fernsehen - und nicht für das deutsche - gewährt. Hoffentlich gut zugehört hat an jenem Abend OT-Redaktor und KOG-Präsident Beat Nützi. In seinem Kommentar im Oltner Tagblatt vom 4. Mai zur Schaffung einer Schweizer Elitetruppe für Sondereinsätze im Ausland wollte er zwar nicht alle Zweifel ausräumen, plädierte aber doch für eine solche Spezialtruppe als „Vorsorge“. Schon länger „vorgesorgt“ haben unsere deutschen Nachbarn, deren Freiheit gemäss Ex-Verteidigungsminister Struck „am Hindukusch verteidigt“ werde. Mit zweifelhaftem Erfolg! So meldet das Bundeskriminalamt, dass an der Fussball-WM auch Spiele der deutschen Nationalmannschaft Ziele von Anschlägen werden könnten, wegen des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan. Nach den jüngsten Anschlägen der Taliban auf Bundeswehrsoldaten warnen CIA und BND vor Verhältnissen wie im Irak. Taliban setzen bereits Kopfgelder für die Tötung von ISAF-Soldaten aus. Was geht das uns Schweizer an? Nun, seit Monaten bereitet der Schweizer Major Beat Aeberhard in Kabul und drei seiner Offizierskollegen als Teil jener ISAF den Einsatz eines Schweizer Kontingents am Hindukusch vor. Im Dezember 2005 bat die Nato die Schweiz, weitere Soldaten nach Afghanistan zu entsenden. Die Eidgenossen sollten die «Führungsnationen» Deutschland und die Niederlande unterstützen. «Wär gut, wenn sich die Schweiz stärker in Afghanistan engagiert», sagte Aeberhard gegenüber dem „Blick“. Das sei eine Chance, das Image der Schweiz zu verbessern. Er sei in erster Linie Europäer, erst in zweiter Linie Schweizer. Wo bei solchem Engagement die vielbeschworene Schweizer Neutralität bleibe, wurde der Offizier gefragt. «Ach, wissen Sie», meinte Aeberhard und verdrehte die Augen, «Wir sind doch schon lang nicht mehr neutral. Wir haben auch im Kosovo unsere Leute.» Unserem Vertreter in Kabul scheint Tilgners „Sicherheitsbonus des Neutralen“ egal. Kürzlich wurde bekannt, dass Armee-Chef Keckeis bereits ein Rekognoszier-Detachement zwecks Erkundung von Operationseinsätzen in Afghanistan zusammengestellt habe. Ziel: Kunduz, ein Gebiet, das als Taliban-freundlich und "idealer Standort für Schweizer Truppen" gilt. Na dann, viel Glück, Schweizer Abenteurer! Mit dem Risiko allerdings, dass damit auch unser Land mehr und mehr als Supporter westlicher Macht- und Interventionspolitik wahrgenommen wird, und Tilgners „Bonus des Neutralen“ bald einmal verspielt hat.
17.05.2006 Terrorgefahr an
Fussball-WM: Auch Partner der USA sind bedroht - Mindestens 21
WM-Spiele sind nach Einschätzung des Deutschen Bundeskriminalamtes von
Anschlägen bedroht. Besonders gefährdet: Begegnungen der USA und ihrer
Partner im Irak-Krieg. Wegen des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan
könnten aber auch die Spiele der deutschen Mannschaft Ziel von Anschlägen
werden, so das BKA. Ungeachtet solcher Erfahrungen unternimmt die
Schweizer Armeeführung weitere Vorbereitungen für den Einsatz eines
Truppenkontingents in Afghanistan und untergräbt auch weiterhin den
anerkannten Bonus der neutralen Schweiz . Mehr unter
14.05.2006 Armeechef Keckeis
unter Druck - »Keckeis blähe den «teuren Wasserkopf» auf, sagen
Politiker. Finanzpolitiker des Nationalrats befürchten, Armeechef
Christophe Keckeis baue wesentlich weniger Personal ab als die politisch
beschlossene Reduktion von 2500 Stellen. Die Armeeführung streiche
Arbeitsplätze von Menschen mit verhältnismässig tiefen Löhnen in der
Administration der Zeughäuser, schaffe dafür aber teure Stabsstellen. Mehr
unter
09.04.2006 Irak-Horror greift auf
Afghanistan über - Vertreter der Geheimdienste CIA und BND schlagen
Alarm: Nach den jüngsten Anschlägen der radikal-islamischen Taliban auf
Bundeswehrsoldaten in Afghanistan warnen sie vor Verhältnissen wie im
Irak. Taliban setzen bereits Kopfgelder für die Tötung von Isaf-Soldaten
aus. Bei den jüngsten Anschlägen der Taliban auf Bundeswehrsoldaten im
Norden Afghanistans wurden vier deutsche Soldaten der Isaf-Schutztruppe
verletzt. Wie im Irak operierten die Taliban jetzt nach der Methode "hit
and run" (zuschlagen und weg), berichteten die Geheimdienste am Wochenende
in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Mehr unter
19.03.2006 Major Beat Aeberhard:
Unser Mann am Hindukusch - Beat Aeberhard, 45, sitzt an seinem
Klapptisch und raucht eine Zigarette. Der Major der Schweizer Armee, in
Kabul stationiert, arbeitet seit sieben Monaten in heikler Mission: Er ist
Assistent des Kommandeurs der italienisch geführten Kabul Multinational
Brigade (KMNB), die Teil der International Security and Assistance Force (ISAF)
ist. Er ist einer von vier Schweizer Offizieren in Afghanistan, die
Beiträge zur Friedensförderung im internationalen Rahmen leisten sollen,
wie es im Militärjargon heisst. Aeberhard ist eine Art Militärdiplomat,
der vor Ort Kontakte zu Offizieren der beteiligten Nationen knüpft – und
damit auch das Terrain für ein grösseres Engagement der Schweiz am
Hindukusch sondiert. Aeberhard gilt als «Botschafter» unter den vier
Schweizern, zuständig für die Aussenkontakte. Die andern drei Offiziere
sind übers Land verstreut: Der Arzt Gabriel Ayer versorgt in der
Sanitätsstation in Feyzabad neben kranken und verletzten Soldaten auch
Afghanen. Zwei Stabsoffiziere helfen in Kunduz dem deutschen Militär beim
Aufbau zerstörter Infrastruktur. Bisher genehmigten Bundesrat und
Parlament in Bern der internationalen ISAF nur den Einsatz dieser vier
«zum Selbstschutz bewaffneten» Offiziere. Das könnte sich bald ändern.
Denn im Dezember 2005 bat die Nato die Schweiz, weitere Soldaten nach
Afghanistan zu entsenden. Zwei Jahre zuvor hatte die Schweiz auf ein
ähnliches Ansinnen der Nato reserviert reagiert. Die Eidgenossen sollten
die «Führungsnationen» Deutschland und die Niederlande unterstützen. Im
Februar 2004 flogen die ersten Schweizer Freiwilligen nach Afghanistan. «Wär
gut, wenn sich die Schweiz stärker in Afghanistan engagiert», sagt
Aeberhard. «Wir sollten mehr für den Frieden tun.» Das sei auch eine
Chance, das Image der Schweiz zu verbessern. «Wir gelten doch in der EU
als die, die sich die Rosinen rauspicken und sich sonst aus allem
raushalten.» Viele Europäer wüssten gar nicht, dass die Schweiz eine Armee
hat. «Das können wir mit solchen Einsätzen ändern.» Er sei in erster
Linie Europäer, erst in zweiter Linie Schweizer. Dennoch wollen er und
seine Mini-Truppe in Afghanistan ein gutes Bild abgeben. «Wenn ich einen
Fehler begehe, heisst es nicht, der Aeberhard hat Mist gebaut, sondern die
Schweiz.» - «Ich kann gar nicht sagen, wie mich dieser Einsatz
begeistert», sagt Aeberhard, schwärmt von Multikulti bei der ISAF. Wo
bleibt bei solchem Engagement die vielbeschworene Schweizer Neutralität?
«Ach, wissen Sie», sagt er und verdreht die Augen. «Wir sind doch schon
lang nicht mehr neutral. Wir haben auch im Kosovo unsere Leute. Aber
manche meiner Landsleute leben immer noch im Gestern und verschliessen die
Augen vor der Wirklichkeit.» Allerdings dürfte es schwierig sein, den
Einsatz in Afghanistan politisch durchzusetzen. «Gewisse politische Kräfte
hätten am liebsten gar keine internationalen Einsätze, da sie unsere
politische Neutralität als Isolation verstehen.» Ausserdem stehen die
Auslandseinsätze der Milizarmee in der Kritik. Das von der Armee gern
benutzte Schlagwort «Sicherheit durch Kooperation», mit dem solche
Engagements gerechtfertigt und ausgebaut werden, büsse – laut einem
Artikel der «Schweizerzeit» – in der Öffentlichkeit an Glaubwürdigkeit
ein. Das Armee-Leitbild der Schweiz basiere auf den politischen
Vorstellungen der Neunzigerjahre und sei heute überholt. Zudem mangelt es
an ausgebildeten Soldaten. «Eine Kampftruppe macht nur in Kompaniestärke
Sinn, so wie im Kosovo. Die Stärke unserer Armee ist die logistische
Unterstützung der Truppen und die Stabsarbeit. Für Auslandseinsätze sind
wir noch zu unerfahren, da wir kaum Kriegserfahrung haben.» Aeberhard ist
überzeugt, dass viele Schweizer bereit wären nach Afghanistan zu gehen. Es
ist die Unberechenbarkeit von Attentaten, die ihm Sorge bereitet. «Jeden
kann es treffen, überall.» Die Schweiz vermisse er nicht. «Ich fühle mich
überall wohl.» (Quelle: Stark gekürzte Version eines Artikels unter
demselben Titel aus dem Sonntagsblick, 19.03.2006)
Vergleiche dazu auch den jüngsten Fall des aus
Deutschland nach Afghanistan zurückgekehrten Abdul Rahman, dem
aufgrund seiner Konversion zum Christentum die Todesstrafe droht:
Kommentar: Wer im Vorfeld der Eidgenössischen Volksabstimmung vom 10. Juni 2001 über die Bewaffnung von Schweizer Soldaten im Ausland Bedenken äusserte, dass eine solche Aufrüstung die Glaubwürdigkeit der schweizerischen Neutralität zunehmend in Frage stellen dürfte, sieht sich durch Major Aeberhards Aussagen heute bestätigt. Auf die Frage, wo denn die schweizerische Neutralität bleibe, äusserte sich der Militärdiplomat freimütig. «Ach, wissen Sie», sagte er und verdreht die Augen, «Wir sind doch schon lang nicht mehr neutral. Wir haben auch im Kosovo unsere Leute.» Auch jüngst durch Alt-Divisionär Hans Bachofner vorgetragene Sicherheitsanalysen widersprechen den Aussagen "unseres Manns am Hindukusch" diametral, wonach die Neutralität heute kein taugliches Mittel schweizerischer Aussenpolitik mehr sein könne. Bachofner warnt gar davor, dass sich die Schweiz durch eine Einbindung in die europäische Sicherheitspolitik verstärkter Terrorgefahr aussetze. Dieselbe bittere Erfahrung musste im grösseren Massstab die britische Regierung machen. Premier Blairs Unterstützung des Irakkriegs führte in England zu nachweislich mehr Terroranschlägen, betonen Sicherheitsexperten heute. Auch wer dachte, dass sich die Schweiz durch die Zahlung einer Milliarde in den EU-Kohäsionsfond vom gebetsmühlenhaft vorgetragenen Vorwurf der "Rosinenpickerei" loskaufen könnte, sieht sich getäuscht. Nun kommt dieselbe Anklage - man höre und staune - von Seiten eines eigenen, von Bundesbern teuer bezahlten "Militärdiplomaten". Von der Idee des neutralen und humanitären Kleinstaats Schweiz scheint er wenig begriffen zu haben scheint. In diesem Sinn kann die Aussage des Majors als böses Omen auch für seine Landsleute in der Schweiz verstanden werden: «Jeden kann es treffen, überall.»
22.02.2006 Anschlag auf
Bundeswehr in Kunduz - Bei einem Anschlag auf die Bundeswehr im
nordafghanischen Kunduz ist ein deutscher Soldat verletzt worden - ein
afghanischer Jugendlicher kam ums Leben. Der Sprengsatz sei detoniert, als
zwei Bundeswehr-Fahrzeuge am Markt der Stadt gehalten hätten, sagte der
Sicherheitschef der Provinz. Mehr unter
29.01.2006 Eine VBS-Studie zeigt,
dass die Schweizer Armee im Ernstfall überfordert wäre - Seit
den Terroranschlägen von New York, Madrid und London hat
Verteidigungsminister Samuel Schmid terroristische Bedrohungen schleichend
zur neuen Hauptherausforderung für die Armee erklärt. Doch die Schweizer
Armee wäre überfordert, wenn sie in grossem Stil Verkehrsachsen, Gebäude
oder Kraftwerke vor Anschlägen schützen müsste. Das geht aus einer
amtsinternen Studie des Verteidigungsdepartements (VBS) hervor. Mehr unter
12.01.2006 Warum der Trend hin zum Berufssoldat? - Eine bemerkenswerte Beobachtung machte der englische Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton (1874-1936) schon in seiner Zeit, als er schrieb: "Je mehr die allgemeine Tapferkeit in einer Gemeinschaft abnimmt, um so mehr Macht erringt der Berufssoldat. So wurde die Prätorianergarde in Rom immer wichtiger, je mehr Rom dem Luxus verfiel und ermattete. Die Militärs übernehmen in dem Masse die zivile Macht, wie die Zivilisten die kriegerischen Tugenden einbüssen. Und wie damals im antiken Rom, so geht es auch im heutigen Europa zu. [...] Nie waren Männer weniger tapfer. Alle Zeitalter und alle Epen künden von Waffen und von Mannesmut; wir aber haben in eins den Verfall der Mannhaftigkeit und eine phantastische Perfektionierung der Waffen erreicht.[...] Im Mittelalter, als noch kein König ein stehendes Heer, aber jeder Mann einen Bogen oder ein Schwert hatte, kam auf den Quadratkilometer sehr viel mehr Tapferkeit als heute. Aber was Mr. Kipling am stehenden Heer fasziniert, ist nicht Tapferkeit, für die er kaum Interesse aufbringt, sondern die Disziplin, die letztlich sein entscheidendes Thema ist. Die moderne Armee ist kein Wunder an Tapferkeit; dank der Feigheit aller anderen hat sie gar nicht die Gelegenheit, Tapferkeit unter Beweis zu stellen. Aber sie ist ein wahres Wunder an Organisation. (Auszug aus: Gilbert Keith Chesterton "Ketzer - Ein Plädoyer gegen die Gleichgültigkeit")
"Nicht bloss einzelne Freiwillige. Nein, 'Formationen' sind gefragt. Der Fragebogen will die 'Einsatzbereitschaft' der Fallschirmaufklärer-Kompanie 17 für den Auslandeinsatz erkunden. Gefragt wird auch nach der Risikobereitschaft der Ausland-Abenteurer. Ob sie sich auch 'in Gebieten mit potenzieller Gewaltanwendung' einsetzen liessen. Wörtlich: Ob Einsätze in Irak und in Afghanistan in Frage kämen. Oder ob bloss tiefes Risiko wie in Kosovo in Kauf genommen werde. Die Umfrage bewegt sich keineswegs im luftleeren Raum. Armee-Chef Keckeis stellt bereits ein Rekognoszier-Detachement zwecks Erkundung von Operationseinsätzen in Afghanistan zusammen. Leiter: Ein NZZ-Redaktor. Ziel: Kunduz - ein Gebiet, das als Taliban-freundlich gilt. Idealer Standort für Schweizer Truppen. Die Armee-Führung will noch mehr wissen. Ob Gattin oder Freundin mit einem Afghanistan-Einsatz des Partners einverstanden seien? Eine Frage, die zeigt, in welch bedenklichem Ausmass Christophe Keckeis das Miliz-Prinzip für die Schweizer Armee bereits zu zerstören vermochte. Oder wurden, wenn die Armee je zur Behauptung der Unabhängigkeit der Heimat aufgeboten werden musste, zuvor jeweils die Ehepartnerinnen um ihr Einverständnis angefragt? Für Berufsoffiziere hat das VBS Auslandeinsätze übrigens bereits als obligatorisch deklariert. Wer sich weigert, habe mit Entlassung zu rechnen. Das in der Volksabstimmung abgegebene Versprechen, wonach Auslandeinsätze freiwillig seien, hat Keckeis in Makulatur verwandelt." Soweit NR Schlüer.
27.02.2005 Eine Alternative zur
schleichenden Einbindung der Schweiz in die teure EU-Militarisierung -
Als Alternative zur Armee XXI mit konventioneller Kriegführung stellt
Ernst Frieden, ehemaliger Fallschirmgrenadier, auf einer Website sein
Konzept einer Widerstandsarmee mit asymmetrischer Kriegsführung vor. Mehr
unter
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Das
Projekt Armee XXI, eine Bundesbroschüre und was
Sie als Laie auch noch interessieren dürfte!
Hinweis: Eine halbe Million dieser Broschüren streut das VBS im ganzen Land. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Armeereform, über welche die Stimmbürger am 18. Mai entscheiden werden, ermöglicht sie aber nicht. Verschiedene hier dargelegte mit Armee XXI zusammenhängende Aspekte werden in der Werbekampagne des VBS kaum oder gar nicht thematisiert.
SAirGroup-Erfolgsrezept nun für Armee XXI?
Das brisante Interview mit Korpskommandant aD Simon Küchler: "Armee XXI - Reform mit Fragezeichen"
von Josef C. Haefely, Inf Uem Fhr aD
Zur Vermeidung von Missverständnissen: AXXI-Kritiker sind weder "Armeeabschaffer" noch grundsätzlich gegen Armeereformen. Der Verfasser dieser Analyse hat seinen Militärdienst erfüllt und wurde vor kurzem ehrenvoll verabschiedet. Auch wird die Arbeit von zahlreichen Armeeangehörigen und Spezialisten, die sich an ihrem Platz mit grossem Engagement für die gegenwärtige und zukünftige Sicherheit unseres Landes einsetzen, ausdrücklich anerkannt. Die Armee XXI könnte allerdings folgenschwere Auswirkungen auf unser direktdemokratisches politisches System haben. Aus diesem Grund erscheint dem Verfasser eine breite Diskussion über die mittel- und langfristigen Perspektiven der schweizerischen Sicherheitspolitik unverzichtbar. Offensichtliche Widersprüche zwischen öffentlichen Verlautbarungen einerseits und Äusserungen vor Fachpublikum im In- und Ausland andrerseits sind für den Laien schwer nachvollziehbar. Die Neutralität nach aussen hin weiter hochzuhalten, gleichzeitig aber ihren Unterbau auf kaltem Wege abzuschaffen, wäre kein glaubwürdiges Demokratieverständnis. Genau das scheinen führende Planer im VBS im Sinn zu haben, wie in der Folge dargelegt wird.
Armee XXI: „Manipulation pur“, das sagen jetzt sogar die Medien
Während die Ringier-Presse sich im Verbund mit der NZZ auf die verschiedenen Referendumsinitianten einschiesst, richtet die Weltwoche in der aktuellen Ausgabe ihre Kritik wegen massiver Propaganda an die Adresse des VBS:
„Wer die Informationen hat, hat die Macht. Darum schiebt der Bundesrat das Projekt Öffentlichkeitsprinzip systematisch hinaus. 500'000 grossformatige Farbbroschüren «Armeeleitbild XXI. Sicher mit uns» sind derzeit unterwegs zu den Bürgerinnen und Bürgern. Gleichzeitig gehen Tausende von CD-ROMs mit Standardargumenten zwecks Instruktion des militärischen Fussvolks an sämtliche Truppenkommandanten der (alten) Armee. Über eine Million Franken kostet die Information zur Armeereform. Die vermutete «Nähe zur Nato», das Reizthema des Abstimmungskampfs, fehlt darin. Was Zweck der Dokumentation ist.(…)“
Es ist höchste Zeit, dass sich auch die Medien mit der fragwürdigen „Informationspolitik“ des Bundesrates beschäftigen. Die Weltwoche kommt zum Schluss, dass die Versorgung der Bürger mit aufrichtiger Information nicht gerade „eine Herzensangelegenheit“ des Bundesrats sei.
Dem können wir uns nur anschliessen und darauf hoffen, dass auch andere Zeitschriften und Zeitungen nicht mehr blind der Propaganda des Bundesrats im allgemeinen und des VBS im speziellen folgen.
Die VBS-Broschüre «Armeeleitbild XXI - Sicher mit uns.»
Eine Analyse
Professionalität kostet Geld - auch bei der Werbung für A XXI: Mit dieser populären Broschüre (Titelblatt siehe oben) will Ihnen das VBS die Armee XXI schmackhaft machen. Das Heft ist handwerklich gut gemacht, ein typisches auf Breitenwirkung zielendes Low-Level-Produkt der "NouvelleCuisine VBS". (Daneben werden auch High-Level-Mustervorträge für Kader angeboten.) Die gestalterische Qualität verwundert nicht. Wo Geld fliesst, kann man leicht vierfarbig glänzen, und Glanz beeindruckt, vor allem Laien. Doch auch die Chefköche visueller Überzeugungskunst des Bundes - namentlich genannt Rudolf Plüss, Thomas Suremann und Robert Wieser - kochen nur mit Wasser. Was zählt ist, ob die vermittelten Botschaften kohärent sind, wo schöngeredet und worüber allenfalls stillschweigend hinweggegangen wird. Grundsätzlich erhält der Laie hier zwar einen knapp gefassten, etwas fragmentarischen Überblick über immer wieder durch die Medien geschleuderte Begriffe der aktuellen sicherheitspolitischen Diskussion. Für eine vertiefte Auseinandersetzung ist dieses Heft aber nicht geeignet.
Das Produkt der militärischen Werber von der «PUBLICIS WERBEAGENTUR AG» hinterlässt etwa dort einen leicht bitteren Nachgeschmack, wo Darstellungen wie jene des "Ground Zero" undifferenziert in den Dienst der Armeereform gestellt werden und in emotionalen Niederungen wühlen. Oder wenn man feststellt, dass das neue Produkt AXXI sich ausgerechnet bei jenen noch immer so populären Ikonen jener "Heimatfront" bedient, deren Geist man doch exakt zu verlassen beabsichtigt.
Übrigens: Wäre ich persönlich von diesen VBS-Reformplänen überzeugt, ich hätte als Verkäufer wahrscheinlich dieselben oder ähnliche suggestive Botschaften wie die Broschüren-Konzepter vermittelt. Werbung funktioniert nun mal so: Allgemein verbreitete Sympathiewerte und positive Erwartungshaltungen verbindet der erfolgreiche Werber - mehr oder weniger wirksam - mit den tatsächlichen oder vorgegebenen Eigenschaften des zu verkaufenden Produkts. Aus diesem Grund sind alle Raucherinnen auf Zigaretten-Plakaten auch solch glückliche Menschen. Und deshalb sind alle Soldatinnen in der AXXI-Broschüre so gute SchweizerInnen. In dieser Beziehung trifft die Macher des Heftes keinen Vorwurf, eher schon ein (allerdings bloss technisches) Kompliment.
Für Sie, die anderen, welche solche Bildbotschaften eher unbewusst wahrnehmen, wird das Heft hier kommentierend und ergänzend vorgestellt. Sie erfahren, wo Hochglanz etwas vorspiegelt. Zudem wird erkundet, wo jene dunklen oder tarnfarbenen Seiten stehen könnten, die das VBS dem Schweizervolk ersparen wollte! Camouflage beschränkt sich nicht aufs Gefechtsfeld, die Politik ist voll davon. Und jeder hat seine Sicht der Dinge.
1. Breitseite auf der Frontseite: "Frauen, seid endlich ganze Männer!"

Bereits
auf der Titelseite wird jenes sorgfältig ermittelte Wählersegment ins politische
Visier genommen, welches Armee XXI zum Durchbruch verhelfen soll: die Schweizer
Frauen! Jener
Bevölkerungsanteil, welcher erfahrungsmässig am wenigsten mit der
männerdominierten Organisation in Verbindung steht, ist für die Wahlstrategen des
Bundes offensichtlich der abstimmungsentscheidende Stimmbürgeranteil. Vermittelt
werden soll die
Kernbotschaft: "Die Armee XXI kämpft für Eure
Gleichstellung, auch was den bewaffneten Einsatz betrifft!" Zwar würde es das
VBS weit von sich weisen, mit diesem Titelbild allfälligen politischen Diskussion
um die Frage nach "geschlechtsübergreifenden Kampfeinsätzen" vorzugreifen, aber
die Message ist klar auf den Punkt gebracht: "Frauen, nehmt Eure Sicherheit
endlich
selbst in die Hand!"
Auch
ein Stimmzettel kann da zur Waffe umgerüstet werden: Das Ja zur Armee XXI wird just zur
weiblichen Ehrensache befördert. An männliche Leser gerichtet ergibt
sich hingegen die schon leicht erpresserische Botschaft: "Ihr Männer,
wirklich sicher
seid ihr nur mit uns Frauen! Respektiert unseren Beitrag mit eurem Ja zu
Armee XXI." So einfach ist das.
In der britischen Royal Army [Bild BBC] wie auch in diversen Guerillaorganisationen - auf dem Bild oben eine Kämpferin der kolumbianischen FARC [Bild AP] - dienen Frauen in Fronteinheiten. Bald auch Schweizer Realität?
Das doppelte Ohrenpiercing des jungen "weiblichen Angehörigen der Schweizer Armee" ist im weiteren ein leicht verspäteter Wink in Richtung "coolness", auch wenn Piercingtragen schon etwas Rost angesetzt hat. Zu guter Letzt wundert man sich über den Titel: Wer ist eigentlich mit "uns" gemeint? Das VBS oder die Frauen? Spielt eigentlich keine Rolle, mit vereinnahmenden "wir"-Botschaften wirbt es sich immer gut !
2. Das Editorial: Ist die Armee XXI die "Armee der neutralen Schweiz"?
Im Editorial der Broschüre wird eine für viele Schweizer zentrale Frage, jene nach der Neutralität, von VBS-Vorsteher Bundesrat Samuel Schmid auf eine Art klargestellt, die eigentlich - so würde man meinen - keine Fragen offen lässt:
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«Die Armee XXI ist die Armee der neutralen Schweiz. Sie bindet den Bürger über die Militärdienstpflicht direkt in eine zentrale Staatsaufgabe ein. Sie erreicht dank dem Milizprinzip eine hohe Leistungsfähigkeit zu einem volkswirtschaftlich vertretbaren Preis.» Samuel Schmid, Vorsteher VBS |
Auch im Grundlagenpapier von AXXI, im Sicherheitspolitischen Bericht 2000 von Bundesrat Ogi [SIPOL 2000], auf den sich Schmid stützt, wird an der Neutralität offiziell nicht gerüttelt. Dort steht zu lesen:
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«Im aktuellen sicherheitspolitischen Umfeld gilt es, die Neutralität möglichst aktiv und solidarisch zu leben. Sie steht einem aktiven Engagement der Schweiz in der Friedensförderung, aber auch bei der Zusammenarbeit in der militärischen Ausbildung nicht entgegen. Das Neutralitätsrecht verbietet es aber dem Neutralen, in Kriegen militärisch eine Seite zu unterstützen. Darum darf der Neutrale auch in Friedenszeiten keine Verpflichtungen eingehen, die einen militärischen Beistand im Kriegsfall vorsehen. Ein Beitritt zur NATO ist aus diesem Grund mit der Neutralität nicht vereinbar.» SIPOL 2000 |
Die Grundlagen formulieren es also klar, und für VBS-Beamte sollte dies Verpflichtung ein. Stutzig wird der Laie aber, wenn seit den letzten Jahren höchste Schweizer Armeeplaner bei verschiedensten Gelegenheiten das exakte Gegenteil des offiziellen VBS-Kurses verkünden. Auch ein Blick in die "Grundlagen der militärstrategischen Doktrin" (VBS 2001) verrät mehr Nato-Neudeutsch als Schweizer Mundart. Einige Statements von VBS-Offiziellen mögen diesen überraschenden Befund etwas illustrieren:
Dr. Anton Thalmann war der stellvertretende Generalsekretär des VBS. Heute ist er «Head of the Swiss Mission to NATO», also offizieller Schweizer Nato-Botschafter. Am 23. Juni 1999 äusserte er sich auf einem Podium in Bern über seine Haltung zur schweizerischen Neutralität wie folgt:
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«Man muss die Neutralität, an der kein Bedarf mehr besteht, sanft einschlafen lassen.» Dr. Anton Thalmann, Schweizer Nato-Botschafter in Brüssel |
Unschön nur, dass Thalmann ausgerechnet der Verfasser jenes "Sicherheitspolitischen Berichts 2000" ist. Schande über jeden Schweizer, der sich etwas Böses dabei denkt! Persönlich geht es Thalmann um eine grundsätzliche Neuausrichtung der Armee unter Liquidierung der Neutralität. Pikant: Seine Beförderung zum Nato-Botschafter erfolgte nach dieser Aussage. Belohnt das VBS so die Neutralitätsrelativierer und -abschaffer?
Für den informierten Laien riecht es schon etwas nach Taschenspielerei, wenn er auf Seiten 16/17 der Broschüre nun folgende Überschrift - wohlverstanden aus derselben Küche - vorfindet:
"Ein erfolgreiches Instrument: die Neutralität
Die Neutralität ist ein erfolgreiches Instrument der schweizerischen Aussen- und Sicherheitspolitik. Sie ist seit 1815 völkerrechtlich anerkannt, hat sich in zwei Weltkriegen bewährt und geniesst im Volk grossen Rückhalt."
Es fördert kaum Vertrauen in eine Reform, wenn im offenen Gegensatz zu den gesetzlichen Grundlagen in den Chefetagen des VBS heimliche Neutralitätsabschaffer werkeln. Zwar liegt es auf der Hand, dass eine Zusammenarbeit im Ausbildungsbereich automatisch zu einer engeren Kooperation mit Nato-Staaten führt. Wie weit diese für ein erklärt neutrales Land gehen darf, ohne seine Glaubwürdigkeit zu untergraben, erklärt das «Armeeleitbild XXI», also der Text, über den dank des Referendums abgestimmt werden kann. Dort steht eigentlich ganz vernünftig:
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«Weiter ist auch eine verteidigungsbezogene Ausbildungszusammenarbeit mit anderen Staaten vollständig mit der Neutralität vereinbar, solange die Partner nicht in bewaffnete Konflikte involviert sind und die Ausbildungszusammenarbeit nicht zu Beistandsverpflichtungen führt oder Abhängigkeiten schafft, welche die Einhaltung der Neutralitätspflichten im Kriegsfall verunmöglichen würden.» Armeeleitbild XXI, S.15 |
Wenn strikte nach diesem Grundsatz verfahren würde, hätte auch niemand ein Problem damit. Dass die gelebte Realität bisweilen anders aussieht, darüber berichtete z.B. das Magazin FACTS am Nr.19 am 8. Mai 2002 auf Seite 26:
Bild: Britische Eliteeinheiten der 'Royal Marines' kämpfen im afghanischen Hochgebirge gegen Taliban und Al Qaida.
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Das scheint nicht der Fall zu sein. Nach momentaner Aktenlage sind die vertraglichen Modalitäten der Trainings zwischen England und der Schweiz nie verhandelt worden. Das ist nach Meinung von Patrick Bangham, dem britischen Militärattaché in Bern, auch nicht nötig: «Wir bieten unseren Soldaten ein ziviles «Adventure»-Training. In den Alpen sind wir wie Zivilisten unterwegs.» Im Schweizer Verteidigungsministerium lösten die Recherchen von FACTS Mitte letzter Woche hektisches Treiben aus. VBS-Vorsteher Samuel Schmid, eben von einem Besuch beim britischen Verteidigungsminister Geoffrey Hoon zurück, liess die Vorgänge umgehend abklären. Das Ergebnis: Eine viertägige Suche brachte keine schriftlich erteilte Bewilligung oder ein für solche Aktivitäten übliches Memorandum zum Vorschein. Lediglich ein Schreiben aus dem Jahr 1993, in dem der Generalstab - allerdings im Nachhinein - über ein Camp der Royal Marines informiert wurde, belegt, dass gewisse Armeestellen von den Besuchen wussten. Nachdem das VBS anfänglich eine diplomatische Demarche an die Adresse Englands diskutiert hatte, entschied sich die Spitze am Wochenende für eine treuherzige Erklärung: «Das VBS freut sich über jeden Touristen, der im Berner Oberland sportlichen Tätigkeiten nachgeht», liess Schmid seinen Informationschef ausrichten. Immerhin will das VBS klären, ob die englischen Aktivitäten «auf einer Vereinbarung beruhen oder eine solche benötigen». FACTS Nr.19, 8.5.2002, S.26 |
Diese verdeckte Grosszügigkeit unserer obersten Militärkreise erstaunt Insider nicht. Das Magazin «Weltwoche» Nr.7/03 weiss über die traditionelle Amerikanophilie des VBS unter dem Titel "Dichter Nebel über dem Atlantik" folgendes zu ergänzen:
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«Als
Wehrminister steht Schmid in der jahrzehntealten
proamerikanischen
Tradition. Seit das Office of Strategic Services (OSS) vor dem Zweiten
Weltkrieg sein Europa-Hauptquartier in Bern aufgeschlagen hat (Leiter war
der spätere Chef aller grossen US-Nachrichtendienste, Allan W. Dulles),
funktionieren die schweizerischen und die US-Geheimdienste personell,
organisatorisch und technisch als kommunizierende Röhren. Das neue
Schweizer Satelliten-Abhörsystem «Onyx» ist der kleine Bruder und Zuträger
des amerikanischen «Echelon»-Programms. Umgekehrt werden die Schweizer
online mit Informationen versorgt, welche die Amerikaner streuen wollen. WELTWOCHE Nr.7/03 |
Nato-Botschafter Thalmanns Neutralitätsabschaffungs--Zitat ist also kein Ausrutscher. Eine ähnliche Auffassung äusserte auch der Chef Prospektivplanung A XXI Oberst i Gst René Eggenberger anlässlich der Nürnberger Sicherheitstagung der FDP-nahen Thomas -Dehler-Stiftung am 16. September 2002:
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«Die Schweizer Armee muss sich spezialisieren und näher an die Nato heranrücken.» Oberst iGst René Eggenberger, Chef Prospektivplanung Armee XXI |
Eggenberger würde gemäss dem Bericht in den Nürnberger Nachrichten vom 16. September sogar soweit gehen, fast das ganze Heer abzuschaffen und dafür die Luftwaffe auszubauen. "Aber", das ist auch dem Schweizer Chefplaner klar, "das würde immense Diskussionen auslösen." Mit seiner Haltung liegt Eggenberger ganz auf der Linie von Alt Nationalrat Otto Schoch FDP, AR (im Parlament 1983-1997) der im Magazin "Facts" vom 18. Januar 2001 Bundesrat Ogis "Anschlusspolitik" ausdrücklich würdigte:
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«Wenn es nach mir ginge, müssten wir in den nächsten drei bis fünf Jahren der NATO beitreten. [...] Adolf Ogi hat hervorragende Vorarbeit geleistet.» Nationalrat Otto Schoch, FDP AR |

Die Zeitschrift FACTS berichtete in Nr. 99/13 Seite 36 unter dem Titel "Einmischung gefordert" über 14 prominente Schweizer Politiker, die sich für einen Beitritt der Schweiz zur NATO aussprechen.
«Ich bin für den Nato-Beitritt!» - 14 prominente Politiker suchen den Anschluss [Korrekturhinweis: statt "Franz Steinegger" sollte im Text "Eugen David" stehen, der St. Galler CVP-Nationalrat]
3. Sicherheit: Macht mehr Kooperation mit Nato-Mächten sicherer, oder nur abhängiger?

Illustration aus der Broschüre "Sicher mit uns" des VBS, Seiten 4/5
Kinder sind die ersten Opfer eines Krieges und brauchen Schutz, dies ist die Botschaft des Bildes aus der VBS-Broschüre. Der Text dazu erklärt das neue sicherheitspolitische Konzept des Bundes. Es lässt sich unter dem Stichwort "Sicherheit durch Kooperation" zusammenfassen. Aber bringt es für die Schweiz auch tatsächlich mehr Sicherheit?
«Adolf Ogis Nato-Truppe»
Am 22. Juni 2000 veröffentlichte das Magazin «FACTS» (Nr.25/2000) unter obigem Titel einen vierseitigen bebilderten Report über den hohen Stand der Anpassung der Armee als Ganzes an Nato-Normen. Die Unterstellungsfähigkeit umfasste schon damals nicht nur die Truppen für Auslandeinsätze. Bei Ausrüstung, Doktrin und Sprachregelung hat die Schweizer Armee bereits Nato-Standards übernommen. Sogar dort, wo das eigene System überlegen war, hatte man die Nato-Vorgabe bevorzugt. Untertitelt war der Beitrag mit «Die Schweizer Armee ist bis in kleinste Details Nato-tauglich. Nur wagt's der Verteidigungsminister nicht laut zu sagen». Es ist unwidersprochene Tatsache, dass eine immer enger werdende Nato-Anbindung der Schweizer Armee für VBS-Verantwortliche längst selbstverständlich geworden ist. Massgebend ist dabei die Schweizer Beteiligung am Nato-Programm «Partnership for Peace». Vorderhand wird der Glaube der Öffentlichkeit an die Neutralität vom VBS noch respektiert. Auch die offizielle Sprachregelung hält daran fest. Einigen Mitarbeitern in BR Schmids Bundeshausflügel wird es allerdings ganz gelegen kommen, dass man der Bevölkerung im Nachgang des Berichts der «Unabhängigen Expertenkommission Schweiz - zweiter Weltkrieg» erzählen kann, die Schweiz sei eigentlich nie ganz neutral gewesen.
Es waren die Bundesräte Cotti und Ogi, welche 1996 ein Vertragswerk mit der Nato ins Rollen brachten, den Beitritt zum "Euroatlantischen Partnerschaftsrat EAPC" wie auch die Nato-"Partnership for Peace", jenes "Trainingscamp" für künftige Nato-Mitglieder, das Clintons Verteidigungsminister William Perry folgendermassen charakterisierte:
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«Der Unterschied zwischen einer Nato-Mitgliedschaft und einer Beteiligung an der Nato-Initiative "Partnership for Peace" muss dünner gemacht werden als ein Blatt Papier.» William J. Perry, US-Verteidigungsminister unter Clinton |
"Das Volk langsam umgewöhnen!"
Carlo
Jagmetti, der frühere Schweizer Botschafter in den USA, beschrieb den
schleichenden Paradigmenwechsel an einem Vortrag am 10. Februar 2003 anlässlich
einer Begegnung mit einem ihm persönlich bekannten Beamten in höchster
Verwaltungsfunktion: Auf seine Feststellung, dass der Bundesrat einer
Grundsatzdiskussion zur Nato und zur Neutralität ausweiche, antwortete der
Beamte unverblümt, man könne eben in der Schweiz keine Diskussion darüber
führen, «man müsse das Volk in kleinen Schritten langsam umgewöhnen».
Die Motion Keller, welche 1996 anregte, die PfP-Partnerschaft dem fakultativen Referendum zu unterstellen, wurde damals abgelehnt. Der Bundesrat führte in seiner Antwort aus: «Ein Nato-Beitritt steht auch für die grosse Mehrheit der 27 Länder, die sich zusammen mit den 16 Mitgliedern der Nato an der PfP beteiligen, nicht zur Diskussion.» Diese «grosse Mehrheit» ist seither allerdings arg geschrumpft: 13 der ursprünglichen PfP-Mitgliedsstaaten haben das «Nato-Trainingscamp» mit Erfolg absolviert, sind inzwischen Nato-Mitglied oder stehen kurz vor einem Beitritt.
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«Bei der NATO spielt die Schweiz als Partnerin offenbar den Musterschüler. Kein Wunder, dass die NATO der Schweizer Armee als eines der „Interoperabilitätsziele bis 2003“ nun auch die „Sprachausbildung (Military Terminology)“ gesetzt hat. Wir sollen mehr Englisch lernen – die Sprache der Euro-Atlantischen Masters of War. Zudem wird die Schweizer Mission bei der NATO um einen Beamten aufgestockt. Und das ganze Zusammenarbeits-Programm kostet jetzt schon mehr als 6 Millionen Franken im Jahr.»
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Seit 1999 legen Bundesrat und Nato jährlich die Bereiche fest, in welchen die Schweizer Armee Nato-tauglich werden soll (sog. PARP-Ziele). Der Inhalt dieser Zusatzprotokolle wird nicht einmal unseren Parlamentariern im voraus bekanntgegeben. Das Schweizer Volk ist darüber nie befragt worden. Ex-Nationalrat Otto Schoch und seine noch aktive Parteikollegin NR Christine Beerli, die sich ebenfalls für einen mittelfristigen Nato-Anschluss der Schweiz ausgesprochen hat (FACTS Nr.3/2001), können aufatmen: nach US-amerikanischer Lesart ist die Schweiz schon längst inoffizielles Nato-Mitglied, und zwar ein höchst vorbildliches, wie der "grössere Friedenspartner" immer wieder lobend versichert. Als Nicht-EU-Mitglied ist die Schweiz ein bevorzugter Ansprechpartner in Europa, von dessen zentraler Lage in Europa die USA bereits im zweiten Weltkrieg in jeder Hinsicht zu profitieren wusste, ohne sich die Hände schmutzig machen zu müssen (vgl. "Trade with the ennemy act"). Die PfP-Partnerschaft hat für die VBS-Strategen erst noch den innenpolitischen Vorteil, dass die Kooperation mit dem atlantischen Verteidigungsbündnis - seit 1999 allerdings auch ein Angriffsbündnis - laufend ausgebaut werden kann, immer unter Anrufung der sakrosankten Schweizer Neutralität. In diesem Sinn braucht Samuel Schmid nicht einmal zu erröten, wenn er im Editorial der Broschüre "Sicher mit uns" schreibt, die Armee XXI sei die Armee der neutralen Schweiz. Aber man darf doch bezweifeln, ob die Armee XXI und ihre Nachfolgearmeen jene der neutralen Schweiz bleiben werden. Denn die Armee XXI ist eine ÜbergangsarmeeDas Reformpaket enthält nämlich genau jene Grundlagen, mit denen die Neutralität mittel- oder langfristig ausgehebelt wird. So stellt ein wichtiges Grundlagenpapier zu Armee XXI nüchtern fest:
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«Das Gros der Armeeaufträge kann unter den gegebenen Bedingungen nur mehr in enger Zusammenarbeit mit in- und ausländischen Partnern erfüllt werden.» «Grundlagen der militärstrategischen Doktrin», Juni 2000. |
Sie haben richtig gelesen, nicht ein Teil, "das Gros der Armeeaufträge"! Und nach diesem Eingeständnis soll die Neutralität nicht tangiert sein? Sollten da bei unserem neutralitätsgläubigen Verteidigungsminister nicht die Alarmglocken läuten? Was sagt der Vorsteher des VBS an die Adresse der Armee XXI-Kritiker zum Vorwurf der Vorbereitung der Bündnis-Beitrittsfähigkeit der Schweiz?
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Bundesrat Samuel Schmid gegenüber Pressevertretern am 17. Februar 2003 / Artikel „Verspätet ins neue Jahrhundert“ in der ‚Südostschweiz‘ vom 18. Februar 2003. |
Die gerne zitierte Neutralität anderer europäischen Länder bröckelt
Wer die Neutralität noch immer unangetastet glaubt, blicke nach den vom VBS ausgiebig zitierten «anderen Neutralen» wie Schweden, Finnland, Irland oder Österreich. Schweden hat seine Neutralität im Frühjahr 2002 praktisch aufgegeben. Finnland bezeichnet sich nur mehr als "bündnisfrei". Durch die Unterzeichung des Maastrichter und Amsterdamer Vertrags der EU machte die finnische Regierung einen grossen Schritt weg von der Neutralität und der Blockfreiheit, da die beiden Verträge klar festhalten, dass die Westeuropäische Union (WEU), die als embryonale EU-Militärallianz definiert werden kann, die westeuropäischen Säule der NATO bildet. Österreichische Militärs äussern hinter vorgehaltener Hand, dass sie ihr Land schon längst nicht mehr als neutral sehen. Die Iren schliesslich bezeichnen sich mittlerweile auch nur mehr als "bündnisfrei", und die kleine irische Armee gibt ehrlicherweise nicht vor, ihr Land gegen einen Angriff von aussen verteidigen zu können (Quelle: Der Standard, 01.03.2002).
Im Geplänkel der Grossmachtspolitik haben sich die Spielregeln für kleine Staaten seit 1848 nicht grundsätzlich verändert, weshalb General Dufours Erfahrung auch heute noch bedacht werden sollte.
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4. Nato-Europa entwickelt sich zum US-Söldner: Kleine Schweiz bei Fuss!
In einem kürzlich publizierten Artikel «Wir werden Söldner» legt der Oxford-Historiker Prof. Niall Ferguson ohne Umschweife dar, welchem Zweck diese europäischen Streitkräftereformen dienen:
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«Amerika führt Krieg, Europa stellt danach Sicherheitskräfte und Beamte zur Verfügung. [...] Wir Europäer werden zu reinen Söldnern der USA, um die mühsame Kleinarbeit zu erledigen. An der Entscheidung über Krieg und Frieden werden wir kaum mehr beteiligt sein.» Prof. Niall Ferguson, Historiker an der Universität Oxford UK |
Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Regierung der einzigen Weltmacht Kriege nur zu führen vermag, weil sie im "Rückwärtigen" die "friedliebenden befreundeten Staaten" weiss, welche nach der Erledigung der harten Arbeit der "Friedenserzwingung" die "Friedenssicherung" und den Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur an die Hand nehmen und vor allem finanzieren. Nimmt sich die Nato nicht seit 1999 das Recht, überall in der Welt „präventiv“ einzugreifen? (Vgl. dazu den Artikel: "Die NATO in Prag verfasst die neue militärische Weltordnung") Auch Prof. Zbignew Brzezinski vom Zentrum für Strategische und Internationale Studien in Washington D.C., ehemals Sicherheitsberater von US-Präsident Jimmy Carter, redet Klartext:
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Prof. Zbignew Brzezinski, Zentrum für Strategische und Internationale Studien Washington D.C., US-Sicherheitsberater unter Präsident Carter |
So stellt sich also das sicherheitspolitische Umfeld der Schweiz dar. Immer mehr erzeugt die "neutrale" Schweizer Kooperation mit Nato-Staaten Abhängigkeiten, die sich direkt auf die Unabhängigkeit unseres Landes auswirken und im Sinn der Neutralitätseinschläferer Fakten schaffen.
Im Dienstalltag längst die Norm: Warum bleibt «Interoperabilität» im VBS-Heft ein nebulöser Begriff?
Nun kann man sich auf den Standpunkt stellen, dass die Schweiz sowieso nicht um die Nato herumkomme. Aber wieso ziert man sich in Bundesbern dann derart, dies auch frank und frei zu sagen, z.B. in der aktuellen Infoschrift über Armee XXI? Das wäre doch das beste Podium dafür gewesen und hätte eine längst fällige breite Diskussion über die schweizerische Sicherheitspolitik geradezu provoziert. Das einzige, was man aus Bern auf das Verhältnis der Schweiz zur Nato zu hören bekommt, ist immer noch der Standartsatz, ein Nato-Beitritt sei kein Thema. Genau über das wichtigste Instrument der neuen Armee XXI, die Interoperabilität, wird nur in volksverträglichen Dosierungen orientiert! Spätestens 1999, als sich die Nato in Gegenwart von zwei Schweizer Bundesräten mit ihrer neuen Doktrin von einem Verteidigungs- zu einem Angriffsbündnis wandelte, hätten die Schweizer Verantwortlichen die PfP-Partnerschaft auf ihre Neutralitätsverträglichkeit hin dringend überprüfen, einen Vorbehalt deponieren oder ganz austreten müssen. Die Neutralität der Schweiz verträgt sich zuletzt mit der - wenn auch partiellen - Interoperabilität mit einem militärischen Angriffsbündnis! Denn es führt dazu, dass sich z.B. die erwähnten britischen Spezialeinheiten in "Friedenszeiten" in unserem Land für Kriegseinsätze vorbereiten, die hinter verschlossenen Türen längst konkret geplant werden. Und der Bundesrat versteckt sich hinter dem Feigenblatt, die Briten stünden noch nicht im Krieg. Wenn die Neutralität nur Etikette ist und nicht im sicherheitspolitischen Alltag gelebte Realität, kann man sie gleich abschreiben.
So vermisst man in der Vision des neuen Generalstabschefs Keckeis diesen starken Willen zu grösstmöglicher Unabhängigkeit.
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Generalstabschef Christophe Keckeis in einem Interview “Die Armee hilft dort, wo niemand anderes sonst helfen kann“ in der „V NEWS XXI / 01.2003“, Newsletter für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Departementsbereichs Verteidigung |
Wird es dieser "gemeinsame Topf"
einem Kleinstaat wohl erlauben, sich im Fall der Fälle auch gegen momentan befreundete Nachbarstaaten
abzugrenzen?
5. Über eine Armeedoktrin schweigt die Broschüre: Kein Zufall - A XXI hat keine!
Die Sicherheit unseres Kleinstaats, der international immer noch von seinem Ansehen als strikt neutrales, friedliches und humanitär ausgerichtetes Land zehrt, sollte sich auf Kooperation und Eigenständigkeit abstützen. Vor allem muss für den "Ernstfall" ein glaubwürdiges militärstrategisches Konzept zur Sicherung des Territoriums vorliegen, und zwar vor der Festlegung von Truppenstärken, Ausrüstung und konkreter Einsatzplanung Der damalige Generalstabschef, Korpskommandant H. U. Scherrer, schilderte 1997 seine Vorstellung einer sinnvollen Armeeplanung dementsprechend so (Armee XXI – GSC: ‚Meine Philosophie‘):
‚Meine Philosophie‘:
„Von der Strategie...
(welchen Hauptauftrag hat die Armee...)
...über die Doktrin....
(wie soll sie den Auftrag erfüllen...)
....zu den Strukturen!“
(mit welchen Mitteln soll sie das tun?)KKdt H.U.Scherrer
Generalstabschef, 1997
Danach sucht man nicht nur in der Broschüre vergeblich. Wie die Schaffhauser Nachrichten am Samstag 22. Februar 2003, im Inlandteil berichtete, ist Armee XXI tatsächlich eine Armee ohne Doktrin! Die elementarsten Regeln jeder sinnvoller Armeeplanung wurden offenbar ignoriert:
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Schaffhauser Nachrichten vom Samstag 22. Februar 2003, Inlandteil |
Eigentlich ist das unglaublich, und es erstaunt, dass nicht ein Schrei der
Entrüstung durch das Land hallt.
Dieser Umstand wird von der "Interessengemeinschaft Miliz" stark kritisiert, weil
dieser Mangel im Bedrohungsfall zu einer vorschnellen Aufgabe der Neutralität
und zur Flucht in ein Bündnis führen
wird. (Das werfen A XXI-Befürworter immer den Gegnern vor, sie wollten die Armee
schwächen.) Für einen derart offensichtlichen "Planungsfehler" muss es logische Gründe
geben: Genau in die Zeit vor der Entwicklung von Armee XXI fiel die
Vereinbarung der PARP-Ziele mit der Nato. Wenn von zwei Verhandlungspartnern der
eine eine Doktrin hat, der andere nicht, wer ist wohl im Vorteil? Das nährt den Verdacht, dass Armee XXI
um diese Zielvorgaben "herumgebaut" werden musste, d.h. dass die Bedürfnisse der
transatlantischen Sicherheitsplaner schweizerischen Sicherheitsinteressen
vorangestellt wurden. Anders ist dieser peinliche Befund eigentlich gar nicht erklärbar.
Mehr teure Rüstungsgüter für mehr Auslandeinsätze
Wenn wir im Einzelnen Struktur und Ausrüstung unter die Lupe nehmen, so wird dieser Verdacht bestätigt. Sie machen nur Sinn für eine Armee, die einen starken Akzent auf Auslandeinsätze und multilaterale Operationen legt. Beispielweise ist nach Einschätzung des A XXI-kritischen Brigadiers aD Erhard Semadeni die Zahl der Richtstrahl-Battaillone für unseren Bedarf völlig überdimensioniert, ebenso die Zahl von sechs Bataillonen für die elektronische Kriegsführung. Dagegen wird der Schutz der Alpenübergänge entgegen Colin Powells Aussagen als antiquiert belächelt und massiv abgebaut. Wie Oberstleutnant Paul Jäger, Präsident der Avia, Sektion Flieger Luzern, schreibt, werden neuste Festungskanonen an wichtigen Transversalen eingemottet, werden top-ausgerüstete Militärflugplätze stillgelegt, nur um den Ansprüchen der PfP-Partnerschaft zu genügen.
Terrorismusbekämpfung
erfordert für die Schweiz in erster Linie polizeiliches und nicht militärisches
Handeln. Grenzüberschreitende
Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der
rückwärtigen Basis von Terroristen ist zweifellos ein wichtiges Mittel im Dienst der
öffentlichen Sicherheit. Im Gegensatz dazu könnten aber eine enge militärische
Anlehnung an das westliche Bündnis einen Konfliktimport und Terroranschläge
provozieren, weil die Schweiz als Teil der
westlichen Allianz wahrgenommen würde. Statt «Sicherheit durch Kooperation»
könnte eine solche Politik in Wirklichkeit «Unsicherheit durch Integration» in
ein durch die USA beherrschtes Militärnetzwerk fördern. Was uns als deren Alliierter auch dem
Hass und Vergeltungswahn ihrer Gegner aussetzt. Dazu braucht es nicht einmal
einen formellen Nato-Beitritt. Es genügt die Wahrnehmung von aussen. (vgl. dazu
auch
„Völkermord im
Kosovo?“. )
Bild: Broschüre "Armeeleitbild XXI", Seite 8, Ground Zero New York: Ein wirksamer Schutz vor Terror im eigenen Land ist die Glaubwürdigkeit der Schweiz als friedliebender und neutraler Kleinstaat. Es wäre gefährlich, diesen Vorteil als Undercover-Member eines US-dominierten Bündnisses aufs Spiel zu setzen.
6. Den «goldenen Käfig» der Sicherheitspolitik aufbrechen: Die Konsequenzen der Prinzipienuntreue?
Trotzdem, unsere Armeeplaner teilen diese Sicht nicht und suchen Sicherheit z.B. in der Aufgabe des Milizsystems und in der Integration im westeuropäischen Verteidigungssystem. Für Laien, die sich ein Bild über die Denkungsart Schweizer Armeeplaner machen wollen, lohnt es sich, einen Artikel aus der "Österreichischen Militärischen Zeitschrift" (Jan/Feb 2002, S.27-36) genau zu lesen. Die Verfasser sind der bereits zitierte Oberst iGst René Eggenberger, Chef der Abteilung Prospektivplanung AXXI und zudem ETH-Dozent für Sicherheitspolitik, den dieser mit dem permanenten VBS-Berater Dr. Heiko Borchert verfasst hat.
Borchert ist einer jener externen Consultants, der eines der zur Zeit 184 Beratermandate wahrnimmt, für welche die Steuerzahler über 10 Millionen Franken aufzuwenden haben, mit steigender Tendenz (ein Artikel in der 'Mittelland Zeitung' vom 27.10.2002 berichtete darüber). Zwei massgebliche Männer also, welche das Herz der Armeereform verkörpern. Titel des Beitrags: "Die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU als Herausforderung für die Schweizer Armee". Selten wurde eine derart klarsichtige Analyse des funktionierenden politischen Systems der Schweiz verfasst; nur eben, die Planer wollen umgehend damit aufräumen. Ihr Hebel ist die Armeereform XXI:
Heiko Borchert, externer VBS-Berater
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Oberst i Gst René Eggenberger, Chef Prospektivplanung Armee XXI, und Heiko Borchert, VBS-Berater |
Was Eggenberger und Borchert hier als Elemente eines "Käfigs" charakterisieren, waren doch bisher genau die Elemente demokratischer Mitbestimmung! Das Milizsystem stand für eine Armee, die anders als bezahlte Söldnerheere nicht für fragwürdige Aktionen im Ausland zur Verfügung stand. Der Soldat war der vielzitierte «Bürger in Uniform». Er wusste, wofür er im Notfall einzustehen hatte, und ein potentieller Aggressor wusste das auch. Diese Situation stärkte der Regierung den aussenpolitischen Rücken, innenpolitisch sah sich die Regierung in die Pflicht genommen, über ihre Sicherheitspolitik Rechenschaft abzulegen. Neutralität und Konkordanz verschonte unseren Kleinstaat vor innerer Zerrissenheit, und ein ausreichender Ressourcenplafonds verteilte die Last auf viele Schultern. AXXI-Kritiker gehen mit dem VBS zwar einig, dass die knapper werdenden Bundesbudgets und die gewandelte Mentalität neue Lösungen erfordern. Darüber muss diskutiert werden. AXXI enthält neben vernünftigen Ansätze auch Sprengstoff. Darauf soll im Rahmen der Kritik von Seiten der "Interessengemeinschaft Miliz" (IGM) weiter unten eingegangen werden.
Armeeplaner Borchert und Eggenberger stellen also ausdrücklich die bewährten Grundlagen unseres staatlichen Zusammenlebens in Frage. Welche der vier Säulen soll nun als erste aus dem Bau herausgebrochen werden? Die Neutralität wird zum Teil aus "innenpolitischen Gründen" vorerst noch geschützt, in der Praxis aber weiter relativiert. Das Milizsystem wird trotz der Einführung von Profis und Durchdienern beibehalten, allerdings etwas gelöchert und erlaubt bei späteren Reform eine weitere Lockerung. So bleibt im Moment nur die schweizerische Konkordanz und den Ressourcenplafonds in Frage zu stellen, wenn "Sicherheit durch Kooperation" erfolgreich durchgesetzt werden soll. Konkordanz meint die «Allparteien-Regierung der relevanten Kräfte» (gemeinsame Selbstdeklaration der vier Bundesratsparteien 1995) muss nach Polit-Jargon also in eine «Allianz der handlungsfähigen und handlungswilligen Kräfte» umgewandelt werden, welche «die Schweiz ins 21. Jahrhundert führen soll». Das läuft tendenziell auf Polarisierung und Ausgrenzung all jener Kräfte im Land hinaus, welche sich etwa wegen einer aggressiver gewordenen Nato und der Politik ihres Leaders und mächtigsten Mitglieds, der USA, Sorgen machen und weiteren schweizerischen Nato-Anpassungsleistungen kritisch gegenüberstehen.
Was die Ressourcen anbelangt, wird sich der Spardruck weiter erhöhen. Wo wird man nun eher sparen: bei den Auslandeinsätzen oder bei der Landesverteidigung? Das könnte zur Gewissensfrage einer glaubwürdigen Neutralitätspolitik werden.
7. Die Schweizer Interessen: Sind sie tatsächlich immer deckungsgleich mit jenen der umliegenden EU-Staaten?
Im Schatten eines Mächtigen kann man sich immer sicher fühlen, solange man dem Mächtigen nicht zu nahe tritt. Im SIPOL 2000 wird diese Einstellung etwas verschwommener als Grundsatz formuliert: «Der Weg zu mehr Sicherheit führt immer über mehr Kooperation.» Gemeint sind hier in erster Linie die umliegenden europäischen Länder, von denen die meisten auch Nato-Staaten sind. Aber stimmt das auch so? Unkritische Kooperation zwischen ungleichen Partnern kann nämlich den Juniorpartner leicht in eine Abhängigkeitssituation führen, in der er unter Umständen erpressbar wird. Ein weiteres Zitat aus dem Weltwoche-Artikel aus Nr.7/03 "Dichter Nebel über dem Atlantik" erläutert dies:
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«John Ashcroft,
Justizminister der USA, lobt darum kaum ein anderes Land so häufig und so
ausdrücklich wie die Schweiz. Steigt er in Kloten aus dem Flugzeug, liegt
Bundesrätin Ruth Metzler ihm fast zu Füssen. Im Schnellverfahren (aber
noch ohne Resultat) hatte sie zwei Antiterrorvorlagen durch die Räte
peitschen wollen, für den Basler Strafrechtler Mark Pieth «ein Kniefall
vor den USA». Neben dem Militär- ist auch der eidgenössische Justiz- und
Polizeiapparat solide transatlantisch orientiert. WELTWOCHE Nr.7/03 |
Man erkennt darin unschwer die Argumentationslinie des Bundes im Vorfeld des UNO-Beitritts. Die SIPOL-These verkennt, dass die Schweiz gegenüber den EU-Ländern durchaus eigene Interessen zu vertreten hat, was jüngste Konflikte um die Zinsbesteuerung im EU-Raum in aller Deutlichkeit zeigte. Auch im 21. Jahrhundert sind Versuche von politischer Erpressung durch "befreundete Nachbarstaaten" mittelfristig nicht völlig von der Hand zu weisen. Der lange vorbereitete Krieg der USA gegen den Irak könnte Konstellationen heraufbeschwören, die heute noch völlig undenkbar erscheinen. Dafür braucht ein selbständiges Land wie die Schweiz, die - man vergesse nicht - einen bedeutenden Anteil des weltweiten Privatvermögens verwaltet und zudem als "Wasserschloss Europas" betrachtet wird, ein Mindestmass an eigenständiger Abwehrbereitschaft, die auch ohne Verbund mit ausländischen Partnern im schlimmsten Fall noch einigermassen funktioniert. Auch gegenüber Europa scheint bei vielen in Bern das Sensorium abhanden gekommen zu sein, welches unsere Neutralität noch als einen positiv besetzten Wert wahrnimmt:
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«Einerseits hat das neutrale schweizerische Territorium im Kontext der verstärkten sicherheitspolitischen Kooperation in Europa insbesondere angesichts der sich entwickelnden Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP), kaum einen positiven Wert für die Sicherheit und Stabilität Europas, sondern könnte eher als Belastung empfunden werden......... »
Schweizerische
Bundeskanzlei, |
Die Basler Zeitung hat das Problem meiner Meinung nach auf den Punkt gebracht:
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«Unsere Soldaten werden im Ausland bestenfalls irgendwelchen Grossmächten oder Militärbündnissen hinterher marschieren können, die in ihrem eigenen Interesse irgendwo intervenieren und ihre Aktion ganz gerne mit der Anwesenheit einer Logistiktruppe aus der neutralen Schweiz zusätzlich legitimieren.» Basler Zeitung, 15.3.2000 |
8. Die Volksverankerung der Armee: Wieso wird Sicherheitspolitik dann zur alleinigen Chefsache?
Zukünftige Armeereformen sollen dem Volksreferendum entzogen werden. Diese Behauptung mag auf den ersten Blick überraschen und von einigen als überzogene gegnerische Propaganda erscheinen. Dieser diskutable Punkt stützt sich aber auf handfeste Grundlagen, so auf den Artikel 149b Abs. 2 des neuen Militärgesetzes:
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«Der Bundesrat konsultiert die zuständigen parlamentarischen Kommissionen, bevor er grundlegende Änderungen in den Bereichen der Ausbildung, des Einsatzes oder der Organisation der Armee einführt.» |
Und Punkt! Das Volk bleibt aussen vor. Die Aufwertung des Verordnungsweges hat den Hintergrund, dass Verordnungen nicht dem Referendum unterstehen. Das macht für die AXXI-Planer durchaus Sinn. Referenden bremsen das Reformtempo, und Anpassungen sollen in der Logik der AXXI-Planer beschleunigt durchgesetzt werden können. Dieses Verfahren ist in den umliegenden Nato- und EU-Ländern üblich.
Kein Wort davon in der Broschüre "Sicher mit uns"! Im Gegenteil: Sie streicht die Bedeutung einer vom Volk getragenen Armee heraus.
Vorerst
erweckt ein
Bild auf Seite 6 den Eindruck, mit einem Krieg auf Schweizer Boden sei auch
heute jederzeit zu rechnen. Die Legende lautet «Krieg in
Europa 2001: Luftangriff in Mazedonien.» Das stimmt zwar nicht ganz mit der
eigenen Tabelle auf Seite 9 überein. Dort wird "militärische Aggression" als
geringste Wahrscheinlichkeit genannt. Deshalb hätte ein Bild zum Thema
"Konflikte ausserhalb Europas" (statt des Nato-Bombardements) der eigenen Logik
besser entsprochen; gemäss dem VBS kommt dieser Bedrohung die höchste
Eintretenswahrscheinlichkeit zu.
Dem Text auf der gegenüberliegenden Seite - "Die Armee muss auf die Gefahren und Risiken unserer Zeit ausgerichtet sein" - entspricht das Bild jedenfalls gerade nicht! Die neutral gehaltene Bildlegende verschweigt zudem, wer bei diesen "Luftangriffen" das Kommando innehatte, nämlich die NATO. Dieses Reizwort, das Kürzel für den wichtigsten Kooperationspartner der neuen Schweizer Armee XXI, wird man auch sonst in der 48 Seiten starken Broschüre vergeblich suchen. Zwar wird ausgiebig von "Kooperation mit ausländischen Partnern" gesprochen. Ein einziges Mal - auf Seite 17 - wird die "Partnerschaft für den Frieden (PfP)" genannt. Auch hier wird stillschweigend vorausgesetzt, der Leser wisse, dass der "Friedenspartner" der Schweiz die NATO ist! Zum Vergleich: "neutral", "Neutralität" oder auch "Neutralitätspolitik" haben genau 23 mal Aufnahme in der Broschüre gefunden. Schande über jeden, der dahinter eine unlautere Absicht vermutet!
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Welche Armee für unser Land?
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«Die Armee muss vom Volk getragen sein.» Das bedeutet eigentlich nichts anderes, als dass das Volk im Rahmen der Gesetzesordnung (Initiative und Referendum) auch mitentscheiden können soll. In Zukunft wird dies allerdings entgegen allen Beteuerungen nach einer Zustimmung zu Armee XXI nicht mehr möglich sein. Für weitere Reformschritte wird dann der unkomplizierte Verordnungsweg bevorzugt werden. Der Grund liegt auf der Hand: Referenden brauchen viel Zeit, zuviel für die geforderte "permanente Veränderung". Man will die "rollende Planung" der Schweizer Chefstrategen im Austausch mit NATO- und EU-Partnern möglichst wenig behindern. Ein Ausschnitt aus dem bereits zitierten Artikel aus der "Österreichischen Militärischen Zeitschrift" (Jan/Feb 2002, S.27-36) von René Eggenberger, ETH-Dozent für Sicherheitspolitik und Chef der Abteilung Prospektivplanung AXXI, und der VBS-Berater Heiko Borchert erläutert diesen Prozess. Der Ausschnitt zeigt, dass die Politik vor allem die Rahmenbedingungen schaffen soll, um Entscheidungswege zu verkürzen. Das heisst nichts anderes als die Ausschaltung der Volksrechte im Bereich der Sicherheitspolitik.
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«Im Gegensatz zu den bisherigen, pragmatisch und evolutionär geführten Reformen, muss die neue, im Anschluss an die Armee XXI einsetzende Streitkräfteentwicklung ungleich revolutionärer ausgestaltet werden. In der Konsequenz bedeutet dies erstens den Abschied von der Idee, Sicherheitspolitik und Armee könnten alle fünf bis zehn Jahre grundsätzlich reformiert werden. Die Zukunft erfordert vielmehr eine permanente Veränderung und erzwingt damit den Übergang zur "rollenden Planung". Zweitens muss die Zusammenarbeit zwischen Politik und Militär künftig wesentlich verbessert und enger geführt werden, wobei es an der Politik liegt, die dazu erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Dies bedeutet drittens, dass der "goldene Käfig" [=Neutralität, Konkordanzsystem, Milizsystem und Ressourcenplattform; wird im Artikel an anderer Stelle genannt] politisch "gesprengt" werden muss. Wird dem Käfig nur ein Stab entnommen, dann fällt die Konstruktion wie bei einer Kettenreaktion in sich zusammen. Damit wird der Weg frei für die tatsächlich erforderlichen Veränderungen. »VBS-Prospektivplaner René Eggenberger und Heiko Borchert, externer VBS-Berater |
Solche Aussagen sind wenig geeignet, Vertrauen zu schaffen. Wenn einflussreiche Armeeplaner derart undemokratische Denkweisen pflegen, stellt sich der Laie die Frage, inwieweit in der „Partnership for Peace“-Kooperation selbst eine Logik liegt, die dem System der direkten Demokratie entgegengesetzt ist; was ihm letztlich kaum mehr Sicherheit, sondern vor allem Abhängigkeit bringen wird. Solange das VBS auf Nato-Wunsch hin die 33 geheimen PARP-Planungsziele in den Zusatzverpflichtungen des PfP-Beitritts nicht veröffentlicht, werden der Öffentlichkeit wesentliche Grundlagen der sicherheitspolitische Ausrichtung unseres Landes vorenthalten.
Fazit: Mit der Annahme des Projekts Armee XXI entmachtet sich das Volk gleich selbst, die Entscheidungskompetenz in Sicherheitsfragen geht an den Bundesrat über; der ausschliesslich die sicherheitspolitische Kommission zu konsultieren hat. Eine Annahme dieser Vorlage würde das politische System der direkten Demokratie aushöhlen, gehört die Sicherheitspolitik doch zu den zentralen Bereichen unseres Staatswesens.
9. Vorsicht: Die Umkehr der Armee-Prioritäten wird vom VBS auch weiterhin verheimlicht!
Für Eggenberger, Borchert und weitere relevante AXXI-Planer ist, wie oben gezeigt wurde, die schweizerische Neutralität trotz wohlklingender Worte ein Auslaufmodell. Seit dem "SIPOL 2000" des Bundesrates setzt man auf "Sicherheit durch Kooperation", erste Priorität hat neu ausdrücklich die "internationale Friedensförderung" erhalten. Erst an dritter Stelle steht nun die Verteidigung. Die Prioritäten wurden vertauscht. Eggenberger und Borchert beschreiben dies so:
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«Vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen plädiert der sicherheitspolitische Bericht 2000 für eine "Sicherheit durch Kooperation" im In- und Ausland. Dabei nimmt der Bericht eine begrüssenswerte und wichtige Verlagerung der Schwerpunkte im Bereich der strategischen Aufgaben vor. Die internationale Friedensförderung und die Krisenbewältigung werden als prioritär bezeichnet, gefolgt von der Prävention bzw. der Unterstützung staatlicher Stellen im Inland bei existenziellen Gefahren (subsidiärer Armeeauftrag). Erst an dritter Stelle steht die Verteidigung, die neu nicht nur autonom, sondern auch in Kooperation gedacht und geführt werden soll.» SIPOL 2000 |
Redlich wäre es nun, dies auch dem Volk klar zu vermitteln. Eggenberger weist im Artikel ausdrücklich darauf hin, dass dies vom VBS bisher versäumt wurde:
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«Während der Konzepterarbeitung erschien es aus innenpolitischen Überlegungen erfolgversprechend, keine breite Grundsatzdiskussion über die im Bericht vorgenommene Schwergewichtsverlagerung zu führen. Heute erweist sich diese Entscheidung jedoch insbesondere für die Armee XXI als Pferdefuss.» |
Damit wird ausgedrückt, dass die Planung des Projekts AXXI mit Erfolg vorbereitet werden konnte, indem die Bevölkerung aus "innenpolitischen Überlegungen" heraus aussen vor gehalten wurde. (Armeeplaner werden sogar mit einsichtigen Gründen behaupten, dass gute Planung immer im kleinen Kreis von Sachkundigen vorbereitet werden müssen.) Allerdings wird sich das VBS den harten Vorwurf der "vorsätzlichen Täuschung" auch weiterhin gefallen lassen müssen, wie die Broschüre zeigt:
Ein
Blick ins Inhaltsverzeichnis auf Seite 3 ist entlarvend: Dort entspricht die
Reihenfolge der Prioritäten eindeutig nicht dem Armeeleitbild XXI! Die
Broschürengestalter geben nämlich wiederum vor, die Landesverteidigung sei die
wichtigste Aufgabe der Armee. Erst als dritte Priorität wird der am meisten
umstrittene "Einsatz für den Frieden" genannt! Müssen "innenpolitische
Überlegungen" hier etwa ein letztes Mal herhalten, um diese Abstimmung zu
gewinnen, um danach das Volk "draussen vor der Tür" zu lassen? Dieser
"Prioritäten-Trick" spricht Bände über den nicht vorhandenen Willen zum offenen
Diskurs.
10. Vier Armeemodelle auf dem Prüfstand: Ein Vergleich falscher Alternativen!
Die Seiten 10 und 11 sind die "demokratischsten" des ganzen Heftes: Da darf der Leser nämlich zwischen vier möglichen "Outfits" oder "Designs" einer künftigen Schweizer Armee auswählen. Sogar auf behauptete Vor- und Nachteile (V:/N:) wird eingegangen. Was dem Leser nicht einmal auffällt: eigentlich müsste man verschiedene Armee XXI-Varianten miteinander vergleichen können.
Das Modell Verteidigungsarmee (V: hohe Schwelle eines Zwangsbündnisses im Kriegsfall / N: teuer, personalintensiv)
Das Modell Raumsicherungsarmee (V: billiger / N: abhängig von Militärbündnis, lange Reaktionszeit im Kriegsfall)
Das Modell Berufsarmee (V: professionell, weniger personalintensiv / N: abhängig von Militärbündnis, nicht verfassungskonform, hohe Personalkosten)
Das Modell Armee XXI (V: milizverträglich, aufwuchsfähig, bezahlbar / N: offensichtlich keine!)
Und nun, was haben Sie gewählt? Bestimmt das Modell Armee XXI! - Im Zauberkünstlerjargon sagt man dieser Methode übrigens eine "erzwungene Wahl"!
Die
Charakterisierung des Modells Armee XXI auf Seite 11 spricht
wohl vielen SchweizerInnen aus dem Herzen. Hinter jede der aufgelisteten
behaupteten Eigenschaften sollte man allerdings vorerst ein Fragezeichen setzen. Kann die Armee XXI
von ihrem Grundkonzept her auch halten, was hier alles versprochen wird?
Entspricht A XXI dem Verfassungsauftrag vollumfänglich?
Berücksichtigt A XXI ausreichend die sicherheitspolitische Lage?
Wird A XXI den gesellschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen gerecht?
Bleibt die Funktion des Milizoffiziers in Zukunft genügend attraktiv?
Ist die Verteidigungskompetenz ausreichend?
Wieweit kann die Verteidigungsbereitschaft gesenkt werden, ohne die Sicherheit des Landes zu gefährden?
Ist das Reserve- und Aufwuchskonzept genügend abgesichert?
Ist die Bereitschaft in ausreichendem Mass gewährleistet?
11. Was Kritiker der AXXI-Kritiker bedenken sollten: Nur eine Armeereform, die Kritik standhält, ist eine gute Reform!
Einige Kritikpunkte der IGM wurden an anderer Stelle schon genannt. Zusammengefasst wurden sie in einem 17-seitigen Dokument unter dem Titel "Kernforderungen für eine leistungsfähige Milizarmee". [Dieses kann bezogen werden bei Oberstlt i Gst G. Ober-Kassebaum, Nordstrasse 7, 8006 Zürich, Tel. 01 361 97 59.] Die Milizoffiziere zeigen darin auf, dass unter den gegebenen Umständen und Kostenplafonds durchaus Varianten von "Armee XXI" machbar wären, welche den Verfassungsgrundsätzen vermehrt Rechnung tragen würden. Insidern ist hinlänglich bekannt, dass Alternativen, die den Bedürfnissen unseres Kleinstaates besser Rechnung getragen hätten, jeweils von höchsten Stellen abgeblockt wurden. Natürlich wäre nun es vermessen zu glauben, dass einige bewährte Milizoffiziere jenes Heer von Tausenden von Armeeplanern ersetzen könnten, welche das VBS seit Jahren an der Arbeit hält. Es kann nur der Sinn einer aufbauenden Kritik an Armee XXI sein, ihre offensichtlichen Schwächen aufzuzeigen und grundsätzliche Überlegungen zu Varianten zu skizzieren. Deshalb zielt der Vorwurf ins Leere, Gegner von Armee XXI hätten keine diskutablen Alternativen anzubieten. Die Vorschläge der IGM zeigen, dass im strategischen und taktischen Bereich natürliche Eigenheiten und Spezialitäten unseres Landes weit konsequenter ausgeschöpft werden könnten als es A XXI macht; der Wille zur grösstmöglichen Unabhängigkeit bei den Planern einmal vorausgesetzt.
12. Sich vom Zauberwort
«Professionalisierung» nicht täuschen lassen: Professionell sind vor allem die Löhne!Bevor man weitere bewährte Prozesse und Systeme abbaut, sind aus Sicht der Miliz und der Offiziersgesellschaft zusätzliche Sparpotenziale zu identifizieren. Oberstleutnant Paul Jäger, Luzern, ortet sie bei der Berufskomponente. (Anzeiger Luzern vom 7.2.2003). Er schlägt vor, praxisorientierte Miliz-Kaderanwärter als Ausbilder heranzuziehen statt auf die akademisierten militärischen Kader zu warten (teure Zeitkader!). Allgemein solle ein vermehrter Beizug der Miliz und die Beibehaltung der zivilen Strukturen in den verantwortlichen Bundesämtern des Heeres und der Luftwaffe erfolgen. Kopfstrukturen seien generell zu überprüfen. Auf viele Begleit- und Führungsprozesse könne ohne Schaden verzichtet werden. Jäger warnt auch vor den unbeabsichtigten Kostenfolgenweiterer zusätzlicher Annäherung an militärische Bündnisse. Der künftigen Teilung der Armee in Lehr- und Einsatzverbände steht sogar der Präsident der Zuger Offiziersgesellschaft, Hauptmann Martin Neese, ein A XXI-Befürworter, skeptisch gegenüber. Er sei sich nicht sicher, ob dies ein geglückter Ansatz sei. ('Zuger Presse' vom 11.2.2003). Neesers Aussage, die Landesverteidigung bleibe auch bei der neuen Armee der Hauptauftrag, ist gemäss SIPOL 2000 schlicht falsch (siehe Zitat oben)! Hat der Hauptmann dieses Grundlagenpapier nicht gelesen? Neesers Argument, mit der Bildung einer zusätzlichen dritten Gebirgsinfanterie-Brigade sei auch dem Schutz des Alpenraums besonders Rechnung getragen worden, widerspricht A XXI-Kritiker Brigadier Erhard Semadeni als ehemaliger Kommandant des Bündner Gebirgsinfanterie-Regiments vehement: Diese neuen Brigaden seien eigentlich keine echten Gebirgsinfanteristen mehr. Sie würden mit teuren Radschützenpanzern ausgerüstet, von denen jeder Militärexperte wisse, dass diese für eine feindliche Luftwaffe ein leichtes Ziel sei und im Gebirge wenig taugen würden. Aber Radschützenpanzer lassen sich ansonsten gut einsetzen, etwa bei Auslandeinsätzen sind sie ein sehr gefragter Artikel.
13. Ausbildung: Zauberwort «Lehrverbände» - mehr Schein als Sein?
Auf
den Seiten 33 bis 39 wird unter dem Titel «Die Ausbildung»
das Ausbildungskonzept von Armee XXI vorgestellt und gliedert sich in
Rekrutierung, Grundausbildung und Kaderausbildung (nebenstehende Abbildung
stammt von Seite 37).
Vor allem der Ausbildungsbereich soll "professionalisiert" werden. Das klingt gut, aber ob unter den gegebenen Umständen die hochgesteckten Ziele erreicht werden können, wird selbst von hohen Kommandanten, z.B. Brigadier Walter Knutti, bezweifelt:
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Dass Armee XXI gerade im Ausbildungsbereich mehr verspricht, als sie bereits jetzt halten kann, bestätigt auch ein Zitat von Divisionär Ulrich Walder, Kommandant der Felddivision 3:
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«Mit der Armee XXI verbinden sich viele Wünsche und hohe Erwartungen. Als grosser Wurf geplant, der gleichzeitig das Ausbildungsniveau erhöhen, die Betriebs- und Investitionskosten ins Lot und eine wesentliche Steigerung der Kampfkraft bringen sollte, nähert sich das Projekt mit Riesenschritten der Realisierung. Sie wird zeigen ob, bzw. bis wann die hochgeschraubten Ansprüche erfüllt werden können. Einige Versprechen, z.B. die Durchführung der ersten Wiederholungskurse durch die Lehrverbände der Kampftruppen, sind bereits still und heimlich begraben worden, weil der Mangel an Berufspersonal sich erwartungsgemäss nicht über Nacht beheben liess und die stolzen Planer, welche sich über alle ernsthaft vorgetragenen Bedenken stets mit Grandezza hinwegsetzen, sind auffallend still geworden. Fundamentale Fragen, wie die Führungsstrukturen, die Verbandsgrössen, aber auch die regionale Verankerung bleiben nicht ausdiskutiert, weil nunmehr schlicht keine Zeit mehr dafür zur Verfügung steht.»
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Abenteuerlich: Die Armee XXI ist finanziell ungenügend abgesichert!
Der
Textblock auf Seite 11 der Broschüre will zeigen, dass (teure) Massenheere heute
ausgedient hätten und stellt diesem Konzept eine kleinere, flexible und
angeblich kostengünstigere Armee entgegen. Zur hier beschriebenen "modernen
Kriegsführung" noch folgender Gedanke: Ob die Folgen eines modernen Krieges für
die Zivilbevölkerung und Volkswirtschaft weniger gravierend sind, lässt sich
trotz aller "guten Absicht" bezweifeln. Die modernsten Armeen der Welt haben im
Kosovo-Krieg Jugoslawien um 10-20 Jahre zurückgebombt. Die Zerstörung der
Infrastruktur war auch in Afghanistan ein beliebtes Mittel zum Ausschalten von
Ressourcen, die militärisch genutzt werden konnten. Im Irak sollte das Embargo
unter anderem den Leidensdruck der Bevölkerung erhöhen, um Aufstände gegen
Saddam Hussein zu provozieren. Im übrigen mag man über den Nutzen von
Flexibilität diskutieren. Sie könnte dort finanziell wieder ins Gewicht fallen,
wo entsprechende Truppen eine umfassendere Ausbildung erhalten müssen.
Was viele nicht wissen: Obwohl viel von "Gesundschrumpfung der Armee" gesprochen wird, bleibt Armee XXI ein finanzielles Abenteuer:
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«Vor dem 18. Mai, dem Datum
der Referendumsabstimmung, wird der Bundesrat dem Volk das Reformprojekt
Armee XXI nochmals eng ans Herz legen und ihm zureden, nur mit einer
modernen, kleineren, beweglichen Armee könne das Land noch verteidigt
werden. Kürzlich aber mahnten die militärischen Planer: 'Damit die Armee
XXI ihr Leistungsprofil erfüllen kann, muss sie bis 2015 einen erheblichen
Nachhol- und Weiterentwicklungsbedarf decken.' Fliesse kein zusätzliches
Geld, könne die Armee das festgelegte Niveau gar nicht erreichen, werde
sie schon in zehn Jahren einen Technologierückstand aufweisen, der kaum
mehr wettzumachen sei. Nötig würden dann 'frühzeitige Absprachen für eine
internationale Zusammenarbeit in der Verteidigung', also die Flucht in die
Nato. Urs Paul Engeler in der Weltwoche, Februar 2003 |
Auch die Komponente "Durchdiener" fällt als verteuernder Kostenfaktor ins
Gewicht, wie Brigadier aD Erhard Semadeni ausführt: Die Kostenrechnung beim
Ersatz der Miliz durch Zeit- und Berufsoldaten sowie Zeit- und Berufskader (z.B.
Katastrophenhilfe-Bereitschaftskompanie, Berufskader für Durchdiener, Zeitkader
und Zeitsoldaten für RS, SWISSCOY, Bundespolizei usw.) hat Lohnkosten pro Person
von circa 100'000 CHF pro Jahr zur Folge. Die Lohnkosten für 1000 Mann würden
somit 100 Mio. Franken pro Jahr betragen. Und dabei ist es laut Armeeleitbild
XXI vorgesehen, die Berufskomponente gar noch auszubauen. Der Grund liegt auf
der Hand: Milizsoldaten lassen sich für Auslandeinsätze kaum verwenden.
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«Für eine Erhöhung der
Leistungsfähigkeit für Einsätze (im Ausland) ab etwa 2010 muss die
Berufskomponente der Armee substantiell ausgebaut werden.
»
Armeeleitbild XXI |
Diese Informationen werden Sie im Heft "Armeeleitbild XXI - Sicher mit uns" vergeblich suchen! Auch über die mittelfristig geplante Truppenstärke für Auslandeinsätze schweigt sich die Broschüre vielsagend aus. Und schon gar nichts finden Sie über deren Kosten. Zu finden sind solche Angaben ausschliesslich im Armeeleitbild XXI selbst:
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«Mittelfristig soll die
Armee fähig sein, sich an einer friedensunterstützenden Operation mit
einem Bataillon (Infanteriebataillon, verstärkt durch zusätzliche
Logistik-, Führungs-, Genie-, Aufklärungs-, Militärpolizei- und
Lufttransportelemente) während unbestimmter Zeit zu beteiligen.»
Armeeleitbild XXI |
So wissen Sie nun, wohin Ihr Geld fliessen wird: zum nicht geringen Teil in mehr teure Auslandeinsätze!
14. Rezept gegen verheimlichte Konsequenzen: Offene Diskussion über die Widersprüche!
Das neue Militärgesetz ermöglicht dem VBS die Umsetzung dieser verdeckten Reformen, die in Zukunft über den Verordnungsweg abgewickelt werden sollen. Dieser wichtige Aspekt wurde bisher nie offen mit der Bevölkerung diskutiert. Wenn das VBS die Notwendigkeit sieht, die politische Mitsprache des Volkes abzubauen, dann muss vorher darüber eine öffentliche Diskussion geführt werden und die Ziele des VBS offen dargelegt werden. Das betrifft unter anderem die hier nochmals ausdrücklich genannten 33 PARP-Zielvorgaben ("Planning and Review Process"), welche zwischen der Nato und der Schweiz im Rahmen des PfP-Programms vereinbart wurden, und die bis heute auch auf Anfrage hin geheimgehalten werden.
Nicht zu vergessen: ein Referendum ist ein zugesichertes Volksrecht. Wenn das VBS kurz nach dem - eigentlich nicht erwarteten - Einreichen der nötigen Unterschriftenzahl verlauten lässt, es begrüsse die Chance, über die neue Armee den offenen Dialog zu führen, können sich die Referendumsführer ein wissendes Lächeln nicht verkneifen. Die schon fast als Sabotage zu bezeichnenden Methoden von VBS-Vertretern, das Zustandekommen mit allen irgendwie möglichen Mitteln zu verhindern, zeigt, dass die "grosse Zerlegung" der Armee XXI vielen zwar unangenehm, gleichzeitig aber um so notwendiger ist.
15. Die Folgen einer Ablehnung: Keine Katastrophe, sondern Chance für mehr Sicherheit und eine Armee, welche Unvorhersehbares besser berücksichtigt!
Eine Schock wäre die Ablehnung von Armee XXI durch das Volk vor allem für die "Neutralitätseinschläferer" des VBS. Als erste Folge würde Claude Longchamps wohl die Gründe der Ablehnung analysieren. Vermutlich wäre das Resultat, dass die Schweizerinnen und Schweizer eine Armeereform grundsätzlich begrüssen würden, aber den Akzent stärker auf die Raumsicherung, Verteidigung und Existenzsicherung zu legen wünschten, also gegenüber Auslandeinsätzen eher Zurückhaltung üben möchten. Ein solches Signal würde im VBS nicht ungehört verhallen. Eine politische Diskussion im Parlament dürfte spannend werden, aber angesichts des grundsätzlichen Reformstaus kurz ausfallen. Generalstabschef Keckeis würde seine Armee nach einer (heute fehlenden) Doktrin gestalten, die den kleinstaatlichen Gegebenheiten unseres Landes tatsächlich entspricht. Allerdings wäre nicht die gesamte Planungsarbeit von Jahren vergeblich gewesen. Das Heer der Armeeplaner würden sich nach der Erholung vom ersten Schock an die Arbeit machen, um möglichst rasch technisch und finanziell umsetzbare Varianten zu entwickeln. Gewissen Engpässen beim Kader müssten wahrscheinlich mit überbrückenden Verordnungen begegnet werden. Die wichtigste Folge aber wäre, dass bei zukünftigen Armeereformen weiterhin das Referendumsrecht des Volkes erhalten bliebe, die Interessen aller Betroffenen also weiterhin berücksichtigt werden müssten, worum uns so viele Nachbarn beneiden. Dabei würde nicht zuletzt sichergestellt, dass künftige Armeekosten nicht aufgrund von gestiegenen grenzüberschreitenden Verpflichtungen aus dem Ruder laufen.
Das brisante Interview mit Korpskommandant aD Simon Küchler: "Armee XXI - Reform mit Fragezeichen"
Pressemitteilung des Referendumskomitees
Aktuelle Zusammenfassung der Auswirkungen einer Annahme von Armee XXI