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Neue Dogmen für eine neue Gesellschaft!

 

Kaum haben sich modebewusste ZeitgenossInnen vom traditionellen Dogma verabschiedet, ist  es schon Teil der Marktwirtschaft geworden!


Keine Gesellschaft hat sich je derart dogmenfrei zu denken geglaubt wie die mitteleuropäische von heute. Um so erstaunlicher daher die Erfahrung, wie heftig der Aufschrei erfolgt, oder wie betreten sich plötzlich Schweigen ausbreitet, wenn einer an den griffigen Glaubenssätzen der Mainstream zu rütteln wagt. Die in die Jahrhunderte gekommenen Dogmen der Kirche wurden mit manchem Seufzer der Erleichterung klammheimlich schubladisiert, doch sind an ihre Stelle rasch unzählige neue getreten. Sie werden von den selbsternannten Päpsten des Fortschritts und ihren Trabanten weit heftiger verteidigt als jene Originaldogmen der Kirche vom Statthalter Christi und den Seinen. Immerhin, von den alten Dogmen konnte man wenigstens noch nachlesen, worauf sie sich gründen und beziehen. Heutige Dogmen brauchen solch mühsame Erschliessung nicht: Sie erklären sich selbst, sie liegen am Puls der Zeit, jeder glaubt sie, solange jeder an sie glaubt. Und vielleicht ist morgen auch alles ganz anders, wen kümmert's?

Hier in zwangloser Folge einige dieser neuen Axiome des Common-Sense, aufgeschnappt bei der aufmerksamen Durchquerung der Gegenwart. Sollte sich über den einen oder anderen Glaubenssatz eine Verärgerung einstellen, ein Disput ergeben oder gar eine postmoderne Entdogmatisierung einsetzen, haben die Glaubenssätze ihren Zweck gewiss erfüllt. Die weitere Dogmenentwicklung hier wird nicht ausgeschlossen!

 

 

Zu guter Letzt eine "dogmatische Klarstellung". Lassen wir dabei Gilbert Keith Chesterton die schwierige Sache mit dem Dogma wieder ins Lot bringen. Es könnte kein Berufener gefunden werden als der englische Altmeister des treffenden Aphorismus:

"Gerade die Glaubensbekenntnisse und Dogmen haben die Gesundheit der Welt gerettet. Diese Leute wollen uns meist eine Alternativreligion des Gefühls und der Eingebung einreden. Wenn es in den wirklich dunklen Zeiten eine Gefühlsreligion gegeben hätte, so wäre es eine Religion dunkler und selbstmörderischer Gefühle gewesen. Und eben das strenge Glaubensbekenntnis hat dem Ansturm der selbstmörderischen Gefühle widerstanden. Die Kritiker der Aszese haben wahrscheinlich recht mit der Behauptung, dass so mancher europäische Einsiedler ebenso fühle wie ein asiatischer Fakir. Aber denken konnte er nicht wie ein solcher, denn er war ein rechtgläubiger Katholik. Und das, was seine Gedanken mit gesünderen und menschlicheren Gedanken in Berührung hielt, war einzig und allein das Dogma. Er konnte nicht leugnen, dass ein gütiger Gott die gewöhnliche natürliche Welt erschaffen hatte. Er konnte nicht behaupten, dass sie ein Werk des Teufels sei, denn er war kein Manichäer [= Angehöriger einer bestimmten leibfeindlichen Sekte in frühchristlicher Zeit]."

 

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Letzte Aktualisierung: 10.01.2006

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