
Schicksal der Kirche? Kein Elefant
verfault an einem Tag.
Karlheinz Deschner, deutscher Autor und Historiker (*1924)
DDr.Johannes Dyba, Erzbischof von Fulda (1930-2000)
Wenn wir im Jahr 2000 auf das Jahr 1000 zurückschauen, machen wir eine überraschende Feststellung: Von der gesellschaftlichen Wirklichkeit des Jahres 1000 ist heute alles vergangen – Reiche und Herrschaften, Ideologien, Gesellschaftsformen, ja sogar ganze Völker. Nur noch die Kirche ist da: mit dem gleichen Evangelium, dem gleichen Credo, dem gleichen Papsttum und der gleichen Apostolischen Sukzession. Alles andere ist verändert und vergangen, die Kirche ist da, ob im Jahre 1000 oder 2000. Das ist deshalb um so beachtlicher, als sie ja in diesem Jahrtausend doch ungefähr tausendmal totgesagt worden ist. Das begann mit den römischen Kaisern und zog sich über Jahrhunderte mit Bekämpfung, Verfolgungen und Abspaltungen hin in immer neuen Varianten. Auch die Aufklärung vermeinte, der Kirche den Todesstoss zu geben. Unvergessen bleibt Voltaires „Ecrasez l’infâme!“ Wo aber ist die Göttin der Vernunft geblieben? Wo Robespierre? Die Kirche aber erhob sich mit neuer Kraft aus dem Blut der Märtyrer. Immer wieder totgesagt, immer vom gerade herrschenden Zeitgeist verlacht und verspottet – und dann verschwindet der in den Müllkippen der Geschichte, aber die Kirche ist da. Es gibt also – das ist unser Fazit – nichts Dümmeres als Voraussagen, die den Untergang der Kirche betreffen. Und doch, wie oft hört man das: „Wenn die Kirche jetzt nicht auf unsere Wünsche eingeht, wenn sie sich jetzt nicht der modernen Zeit anpasst, dann hat sie ausgespielt, dann wird das ihr Ende sein“ ... und so weiter. Nein, wir brauchen uns über den Bestand der Kirche in der Zukunft keine allzu grossen Sorgen zu machen, denn Gott hat sie gegründet und ihr verheissen, dass er bei ihr bleiben wird bis ans Ende der Welt. Wenn dem lieben Gott das Welttheater hier unten nicht zuviel wird, wird die Kirche im Jahre 3000 mit demselben Evangelium, demselben Credo und einem Papst und Apostelnachfolgern dabeisein, wenn nach den Schreiern von heute kein Hahn mehr kräht.
Erstellt am 07. Oktober 2003