haefely.info    

         

"Écrasez l'infâme!" lautet die bekannte Devise des berühmten französischen Philosophen Voltaire (eigtl. François Marie Arouet, 1694-1778), und mit "infam" meinte er niemanden anders als die institutionalisierte Religion, im Blickfeld die katholische Kirche, die er mit Intoleranz und Aberglauben gleichsetzte. Kaum einer wie er, der mit intellektueller Schärfe und Ironie, vielmehr noch mit ins Extrem gesteigerter Abneigung und Verachtung alles nach Weihrauch und Kerzenduft Riechende mit Hohn und Spott übergoss. Voltaire hatte bekannte Vorläufer; andere sind in seine Fussstapfen getreten. Dennoch: die "Infame" lebt. Allen Krisen trotzend zeigt sich die Angespuckte weit resistenter und - mit all ihren Blessuren - lebendiger als mancher ihrer längst verblichenen Totengräber ahnte. Vielleicht darum, weil immer noch genug ihrer Hirten, Schafe und Böcklein wissen, dass - theologisch gesprochen - wir alle Sünder sind, die Berge also nicht in den Himmel wachsen, auch die ihrer Kritiker nicht , dass aber der Himmel trotz aller Schelte immer offen steht.

Sie finden unten in loser Folge Voltaires kunterbunte Solidar-Genossenschaft, und zwar in besonders kompromisslosen Zitaten. Was alle einigt, ist eine schonungslose Kirchenkritik, wenigstens in den angeführten Aussprüchen. Sie bedient sich mitunter einer ziemlich deftigen Ausdrucksweise. Wie auch immer, gesagt bleibt gesagt, und wenn der Vorwurf in den virtuellen Raum gestellt ist, soll er dort abgeholt werden, woher sein Geruch weht. Es besteht  übrigens keine Absicht, Persönlichkeiten gegeneinander auszuspielen. Hinter Kirchenkritik kann sich mitunter auch glaubwürdige Wahrheits- und Gottsuche tarnen, wie das Beispiel Napoleon zeigt.

Technisch läuft es im "Cabaret Voltaire" so ab, dass Sie nach der Lektüre eines jeden Zitats durch einen entschiedenen K(n)opfdruck auf eine Seite gelangen, wo Sie im wahrsten Sinn des Wortes ein komplementäres Fangnetz zum Zitat erwartet. Weiterdenken erlaubt!

Es ist für mich ebenso leicht, zu glauben, dass das Weltall sich selber geschaffen hat, als dass ein Schöpfer des Weltalls sich selber schuf, nein vielleicht sogar leichter, denn das Weltall existiert in sichtbarer Form und schafft sich selbst im Fortschreiten ständig neu, während ein Schöpfer dieses Weltalls eine Hypothese ist.
Bernhard Shaw, irischer Dramatiker u. Nobelpreisträger (1856-1950)

suche unsterbliche seele; zahle höchstpreis
Ernst Jandl, Wiener Schriftsteller (1925-2000)

Niemals ist jemand weniger Priester gewesen als Jesus, niemals ein grösserer Feind der Formen, welche die Religion unter dem Vorwande, sie zu beschützen, ersticken.
Ernest Renan, französischer Religionswissenschaftler (1823-1892)
Wohin ist Gott? rief er [der tolle Mensch], ich will es euch sagen! Wir haben ihn getötet, - ihr und ich! Wir alle sind seine Mörder. Aber wie haben wir dies gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was thaten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun? Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Giebt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts?
Friedrich Nietzsche, Schriftsteller und Philosoph (1844-1900), spricht den Satz nicht selbst, sondern legt ihn ein dem "tollen Menschen", einem Narren in den Mund, der als Gottsucher auftritt und von der Menge verlacht wird.
Religion ist das, was die Armen davon abhält, die Reichen umzubringen. Religion ist ein effizienter Weg, um die Massen still zu halten.
Napoleon Bonaparte, Kaiser der Franzosen (1769-1821)
Ich betrachte die Religion als Krankheit, als Quelle unnennbaren Elends für die menschliche Rasse.
Bertrand Russell, englischer Philosoph (1872-1970)
Auch die Religion kann ihr Versprechen (des Glücks) nicht halten. Wenn der Gläubige sich endlich genötigt findet, von 'Gottes unerforschlichem Ratschluss' zu reden, so gesteht er damit ein, dass ihm als letzte Trostmöglichkeit und Lustquelle im Leiden nur die bedingungslose Unterwerfung geblieben ist. Und wenn er zu dieser bereit ist, hätte er sich den Umweg wahrscheinlich sparen können.
Sigmund Freud, österreichischer Psychologe und Psychiater (1856-1939)
Schicksal der Kirche? Kein Elefant verfault an einem Tag.
Karlheinz Deschner, deutscher Autor und Historiker (*1924)

zur Seite 'Inhalt'

zur Seite 'Lebensfreude'

Erstellt am  06. Oktober 2003, letzte Aktualisierung am 08.05.2004

Seit dem 06.10.2003 sind Sie BesucherIn Nr. Zugriffszähler