Guldentaler Kalender 2004 - "Güldenes Wasser"
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Bild: Der alte Postplatz im Mümliswiler Oberdorf 1938, davor der Brunnen neben dem Waschhaus [Foto: Album Dr. Bernhard Jaeggi]
Ein Schwatz am Dorfbrunnen
Heute
in jedem Dorf eine Zierde, früher eine Notwendigkeit, Dorfbrunnen dienten vor
Generationen vielfältigen Zwecken. Dort holte man sein tägliches Brauch- und
Trinkwasser und erledigte kleine Reinigungsarbeiten. Generationenkonflikte
wurden dort ausgetragen, wenn auf Ordnung bedachte Grossmütter darüber wachten,
dass spielende Kinder das Brunnenwasser nicht verunreinigten. Morgens und abends
wurden die umliegenden Kühe zur Tränke aus dem Stall getrieben. Die durstigen
Tiere kannten den Weg genau und liessen auf der Strasse noch die eine oder
andere Erinnerung zurück. Dem geduldigen Bauern blieb Zeit, um mit Nachbarn
letzte Tagesneuigkeiten auszutauschen. Gemäss Chronist Beat Walter gab es nach
1800 nur beim Pfarrhaus und beim Ochsen steinerne Tröge. Um 1826 wurden auf
Gemeindekosten im Ober-, Mittel- und Unterdorf drei weitere Steintröge
angeschafft. Paul Haefeli-Lack weiss zu berichten, dass beim alten Ochsenbrunnen
die Frauen vor Abstimmungen stundenlang geschwatzt hätten und sich erhitzte
Gemüter mit Kesseln voll Wasser übergossen hätten. 1947 wurde dieser Brunnen
durch den Bruder-Klausen-Brunnen ersetzt, eigentlich ein Friedensdenkmal. Zum
benachbarten Steinwirtsbrunnen im Mitteldorf wurden damals Schulkinder
geschickt, deren Hände bei der Sauberkeitskontrolle im nahen Schulhaus,
«Vatikan» genannt, durchgefallen waren. Der merkwürdigste von allen Dorfbrunnen
ist der Traubenbrunnen, mit einem bärtigen Männerkopf verziert. Seit 1989 steht
er wieder an seinem früheren Platz vor der Wirtschaft, wo er einmal dem Verkehr
hatte weichen müssen. [jch]
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