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Erstellt am 16.11.2002
Archäologen finden 900 Jahre alte Kirche beim Basler Münster
12.11.2002 BASEL - Archäologen haben beim Basler Münster eine 900 Jahre alte romanische Kirche entdeckt. Sie gehörte vermutlich zum Betrieb des Basler Bischofs oder des Domkapitels, wie die archäologische Bodenforschung Basel-Stadt mitteilt. Die 14 auf 28 Meter grosse Kirche hatte einen rechteckigen Grundriss und einen Mörtelboden. Sie sei aussergewöhnlich gut erhalten, schreiben die Archäologen. Direkt an der Nordseite der Kirche lag ein grosser Friedhof; die Archäologen fanden dort über 40 Bestattungen. Früher stand auf der Fundstelle die "St. Johanns-Kapelle", das Tauflokal des Münsters. Einzelne Wandteile der romansichen Kirche seien beim späteren Bau der gotischen Kapelle integriert worden. Baubefunde im zweiten Stock des heutigen Gebäudes - bis vor kurzem Sitz des baselstädtischen Erziehungsdepartementes - belegen, dass die alte Kirche auf einer Höhe von acht Metern eine Reihe von Rundbogenfenstern hatte. Unter der alten Kirche verlief eine spätkeltische und römische Strasse über den Münsterhügel. Daneben trafen die Archäologen unter anderem auf römische Gruben sowie ein Gebäude aus dem 3. bis 4. Jahrhundert nach Christus. In diesen älteren Schichten fanden sie "spektakuläre Fundstücke", zum Beispiel einen reich verzierten Kamm. Es wurden auch umfangreiche Baustrukturen der St. Johanns-Kapelle freigelegt. Diese wurde 1386 gebaut, also 30 Jahre nach dem grossen Erdbeben von Basel. Denkmalpfleger förderten spätgotische Masswerkfenster und Wandmalereien zutage: An den Längswänden befinden sich Fragmente von vier Rundbildern von Heiligen, an der Ostwand eine lebensgrosse Einzelfigur des Kappellen-Patrons Johannes des Täufers. Ausgelöst haben die Untersuchungen die Unterkellerung und der Umbau der klassizistischen Villa Münsterplatz 2 samt Nachbarhaus. Nach Jahrzehnten als Departementssitz genutzt, werden die beiden Gebäude derzeit zu Wohnungen mit gehobenem Standard umgebaut.