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Rabbi Zolli fand Rabbi Jesus

 

Am ersten Freitag im März 1956, um 15 Uhr, starb der ehemalige Oberrabbiner von Rom, Israel Eugenio Zolli. Etwa eine Woche vorher hatte er angekündigt: "Am Todestag meines Herrn Jesus werde auch ich sterben."

Aus Brody in Galizien stammend, das in seinem Geburtsjahr noch zu Österreich gehörte, zeigte er sich von Jugend auf tiefgläubig. Er suchte Gott in der Bibel und in der Natur, auch im Neuen Testament; denn das christliche Kreuz erinnerte ihn frappant an den "Knecht Gottes" - Weissagungen bei Jesaja.  Nach der Matura (Abitur) hörte er ein halbes Jahr Vorlesungen an der Wiener Universität und ging dann nach Florenz, wo er das Rabbinerkolleg absolvierte und nebenher an der Universität zum Doktor der Philosophie promovierte. Von 1918 bis 1938 war Zolli Oberrabbiner in Triest, bis ihn die von Mussolini auf Betreiben Hitlers erlassenen Rassegesetze vertrieben.

Weil die italienischen Faschisten von sich aus nicht antisemitisch waren - etliche Juden hatten unter dem Duce lange Zeit führende Positionen inne -, konnte er 1940 zum Oberrabbiner von Rom gewählt werden. Als vielseitig gebildeter Mann, über den unterschiedlichen politischen Richtungen stehend, schien er der richtige Kandidat. Wenig beachtet wurde damals, zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, sein Buch "Der Nazarener", in dem er Jesus als "die Blüte der Propheten" bezeichnet, als den von Jesaja verheissenen leidenden Gottesknecht, der sich als "Lamm Gottes" für die vielen hingegeben hat.

Als nach dem Putsch gegen Mussolini im September 1943 die Deutschen Rom besetzten, ahnte Zolli, dass jetzt auch in Italien die Judenverfolgung ausbrechen würde. Er drängte, die in den Synagogen aufbewahrten Mitgliederlisten zu vernichten. Doch man hörte nicht auf ihn. Schon wenige Tage später verlangte Kappler, der SS-Kommandant von Rom, die Juden müssten innerhalb von 24 Stunden 50 Kilogramm Gold abliefern oder 300 Geiseln stellen. Weil man in der Hektik nur 35 Kilogramm zusammenbrachte, ging der Oberrabbiner zum Papst mit der Bitte: "Das Neue Testament darf das Alte nicht im Stich lassen." Innerhalb weniger Stunden hatten die Katholiken Roms die fehlenden Kilos aufgebracht.

Im Oktober 1943 brach die Massenverhaftung der Juden trotzdem los. Aber von den 8000 Gesuchten konnte die SS nur (?) 1022 festnehmen. Pius XII hatte nämlich den 150 Klöstern und kirchlichen Häusern den Auftrag gegeben, Juden zu verstecken und zu verköstigen. Später fanden in Castel Gandolfo zeitweise bis zu 8000 Flüchtende Aufnahme. Davon beeindruckt schrieb Rabbi Zolli in sein Tagebuch: "Kein Held der Geschichte hat ein tapfereres und stärker bekämpftes Heer als Pius XII. im Namen der Nächstenliebe ... Doch wer wird jemals erzählen, was er alles getan hat?"

Nach den Einmarsch der Amerikaner sah Rabbi Zolli bei der Feier des Grossen Versöhnungstages in der Synagoge mit den Augen des Geistes Jesus Christus und hörte die Worte: "Du bist heute zum letzten Mal hier. Von jetzt an wirst du mir nachfolgen!" Seine Frau Emma hat zur selben Zeit Jesus neben dem Rabbi stehen gesehen. Am 13. Februar 1945, der Zweite Weltkrieg war noch nicht zu Ende, wurden er und seine Frau getauft. Aus Dankbarkeit gegenüber Pius XII. wählte er dessen Taufnamen Eugenio.

Es war kein billiger Übertritt. Zolli musste sein ganzes altes Leben dafür hingeben. Für die Juden war seine Konversion ein Skandal, einen größeren hatte es für sie vielleicht seit der Verstoßung des Baruch Spinoza aus der Synagoge von Amsterdam nicht mehr gegeben. Die römische Synagoge rief ein mehrtägiges Bussfasten aus, betrauerte ihren Oberrabbiner wie einen Verstorbenen und stieß ihn als Verräter aus der Gemeinde aus. Nicht nur für die Juden Roms war er von da an ein toter Mann. Israel Eugenio Zolli jedoch war bis zu seinem Tod durch Vorträge und Bücher bemüht, das Verhältnis zwischen Kirche und Synagoge zu verbessern und gründete eine Gesellschaft für christlich gewordene Juden.

Quelle: Zeitschrift "Betendes Gottesvolk"2003/1 Nr.213. S. 8

 

Weiterführende Links zur Person von Israel Eugenio Zolli, zu Papst Pius XII. und zur Politik der katholischen Kirche gegenüber dem Nationalsozialismus:

09..05.2006   Der jüdische Anwalt des als "Papst Hitlers" Verunglimpften Pius XII. - "Seinen energischsten Fürsprecher aber hat Pius XII. in dem Rabbiner David G. Dalin gefunden ..., der Pacelli als Helfer der Juden rühmt und auch in seinem unlängst erschienenen Buch The Myth of Hitlers’ Pope für dessen Rehabilitierung plädiert. Dalin unterstellt den 'Verleumdern' von Pius XII., sie verfolgten eine Agenda und missbrauchten den Holocaust, um der katholischen Kirche von heute Veränderungen aufzuzwingen.“ - "Die Schlacht um den Ruf von Papst Pius XII. ist eine der historisch bedeutendsten Schlachten in den Kulturkriegen." Die linke Elite beute die Tragödie des jüdischen Volkes für ihre Angriffe gegen das Papsttum und gegen die traditionelle katholische Lehre aus, so Dalin. Dieser Instrumentalisierung des Holocaust gelte es sich zu widersetzen. Seit Jahren kämpft der Rabbiner für eine Rehabilitierung des Pacelli-Papstes. Erstmals Aufsehen erregte er im Februar 2001 mit einem Aufsatz über Pius XII. und die Juden in der Zeitschrift The Weekly Standard. Später schlug Dalin vor, Pius XII. den Ehrentitel "Gerechter unter den Völkern" zu verleihen. Mit dieser Auszeichnung der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem werden nichtjüdische Personen geehrt, die sich für das Überleben von Juden während des Holocaust eingesetzt haben. Mit seinem Buch unterstreicht Dalin nun seinen Vorschlag, Papst Pius XII. mit diesem Titel auszuzeichnen. Heute, fast 60 Jahre nach dem Holocaust müsste mehr und weithin anerkannt und gewürdigt werden, schreibt er, dass Pius XII. ein wahrer Freund des jüdischen Volkes war, der in der Tat mehr jüdische Leben gerettet habe als irgend jemand anderer, Raoul Wallenberg und Oskar Schindler eingeschlossen; Männer also, die oft und zu Recht wegen ihres Einsatzes als Helden betrachtet würden. In einem Interview mit dem Internetdienst Catholic Exchange wiederholte Dalin jüngst diese Forderung und betonte, es gebe "zahlreiche Berichte jüdischer Zeitzeugen, die die historische Rolle Pius' XII. bei der Rettung von Juden verifizieren". Auch das Konkordat, das der Vatikan mit Hitler schloss, sei eine "pragmatische" und selbst aus jüdischer Sicht "moralisch vertretbare Massnahme" gewesen, "um deutsche Katholiken zu beschützen". Es sei bereits 1933 unterzeichnet worden, "lange, bevor Hitler irgendeins seiner antisemitischen Gesetze erliess". (Quellen: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30. März 2006, sowie http://www.jf-archiv.de/archiv05/200534081955.htm )

28.03.2006   Pius XII. wollte keine schweigenden Bischöfe - Die Hirten in Deutschland sollten reden, so wie Preysing und Galen, wünschte sich Eugenio Pacelli. Ein Blick in die Nuntiaturakten von 1917 bis 1929. Mehr unter http://www.kath.net/detail.php?id=13243

22.10.2005   Buchneuerscheinung: "Der Rabbi von Rom" - Die Autobiographie von Eugenio Zolli, Oberrabiner von Rom und Freund von Papst Pius XII., der nach dem 2. Weltkrieg in die katholische Kirche eintrat. Mehr unter http://www.kath.net/detail.php?id=11820

30.04.2004   Päpste wussten genau um Nazi-Politik - Die Päpste Pius XI. (1922-39) und Pius XII. (1939-58) waren laut einer neuen Publikation über die totalitäre, antikirchliche und antisemitische Politik des deutschen Nationalsozialismus stets genau informiert. Das geht laut Kathpress aus bisher nicht veröffentlichtem Aktenmaterial des vatikanischen Staatssekretariats hervor, das der Historiker und Jesuit Giovanni Sale in einem Buch zusammengestellt und analysiert hat. Das Buch "Hitler, la Santa Sede e gli Ebrei" (Hitler, der Heilige Stuhl und die Juden) ist dieser Tage im Mailänder Verlag "Jaca Book" erschienen. Mehr unter http://science.orf.at/science/news/112959

Buch über römischen Oberrabbiner und Konvertiten Zolli erschienen. Darin zeichnet die Autorin Judith Cabaud nach, wie die Entscheidung des Oberrabbiners, sich dem Christentum zuzuwenden, langsam gereift ist. Zolli habe sich nicht als "Konvertit" gefühlt, sondern als Glaubender, der in seinem Versuch, die Bibel immer tiefer zu verstehen, ans Ziel gelangt war: http://www.katolsk.no/nyheter/2002/06/17-0021.htm

Die Vernichtung der Juden toleriert zu haben, warf zuletzt Buchautor Daniel Goldhagen Pius XII. vor. Tatsächlich half der Papst dem römischen Oberrabbiner so sehr, dass Rabbi Zolli zur katholischen Kirche übertrat. Die Geschichte einer vergessenen Freundschaft http://www.welt.de/daten/2002/11/18/1118eu369210.htx

Sir Martin Gilbert gilt als einer der grössten lebenden Historiker. Er ist jüdischer Herkunft und hat die Bemühungen Pius XII. während des Zweiten Weltkrieges immer wieder öffentlich verteidigt. Dies und weitere Presseberichte zu Pius XII. http://www.najukorea.de/sievernich/botschaften/heilige/piusXII_presse.htm#presse5

Ruth Lapide: Pius XII. nicht zum Buhmann machen!

28.11.2003   Die deutsche Bibelwissenschaftlerin Ruth Lapide hat bei einem Pressegespräch in Wien dem oft gezeichneten Bild von Papst Pius XII. widersprochen. Pius XII. habe Anweisungen zur Rettung der Juden, etwa der bulgarischen, gegeben. Mittels "Land für Land"-Recherchen hat ihr Mann Pinchas Lapide eine Gesamtzahl von 800'000 Juden ermittelt, die durch die Diplomatie des Vatikans zwischen 1939-1945 gerettet worden seien. Man dürfe Pius XII. nicht mit Rolf Hochhuth zum "Buhmann und Verbrecher stempeln". Unverständnis äusserte Ruth Lapide über das einseitige Fokussieren auf die Mitschuld und fehlende Wiedergutmachung der Katholischen Kirche. Geschont würden protestantische Kirchenkreise, das Rote Kreuz und die USA. Der Thüringer evangelische Bischof Martin Sasse habe den Juden-Progrom 1938 als "gottgesegneten Kampf des Führers zur völligen Befreiung unseres Volkes" und als "schönstes Geschenk zum Geburtstag Martin Luthers" gepriesen. Das IKRK habe "alles gewusst und völlig versagt", die USA hätten die Aufforderung des britischen Premiers Winston Churchill von Ende 1944 ignoriert, den Abtransport der ungarischen Juden durch die Bombardierung der Bahngleise nach Auschwitz zu stoppen.

Pinchas Lapide wurde am 28. November 1922 in Wien geboren. Nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland kam er in ein Konzentrationslager, nach einigen Wochen gelang ihm aber die Flucht nach Palästina. Während des Krieges kämpfte er in der „Jüdischen Brigade“ der Britischen Armee. In den Jahren von 1951 bis 1969 stand er als Diplomat und Leiter des Presseamtes im Dienst der israelischen Regierung. Von 1956 bis 1958 war Lapide israelischer Konsul in Mailand. Neben seinem Dienst studierte er Judaistik, worin er an der Universität Köln promovierte, und von 1972 bis 1975 an der Jerusalemer Bar-Ilan-Universität lehrte. Lapide verfasste mehr als 35 Bücher, viele davon gemeinsam mit seiner Frau Ruth. Die Werke wurden in zwölf Sprachen übersetzt. Schon bald nach der Shoah hatte sich Lapide um das Verhältnis der Kirchen zum Judentum bemüht. http://religion.orf.at/projekt02/news/0210/ne021022_lapide_fr.htm

Benediktinerin wird "Gerechte unter den Völkern"

Für die Rettung verfolgter Juden ist eine italienische Benediktinerin unter den "Gerechten der Völker" aufgenommen worden. Der Staat Israel verlieh der 1947 verstorbenen Benediktiner-Priorin Maria Giuseppina Navizzari posthum die hohe Auszeichnung. Sie hatte in den Jahren 1944 sechs jüdische Frauen und Kinder in ihrem Kloster Ghiffa in der norditalienischen Provinz Verbania versteckt. (kipa)

Kommentar: Wie viele Juden muss jemand retten, um als "Gerechter der Völker" geehrt zu werden? Wird die israelische Regierung eines Tages die längst belegte historische Tatsache würdigen, dass Papst Pius XII nicht sechs, sondern Tausende Juden vor einem bitteren Schicksal bewahrt hat? Man gehe einmal in aller Fairness davon aus, dass für die israelischen Regierung allein die Taten für die Verleihung massgebend sind, nicht etwa ein bestimmtes religiöses Amt des zu Ehrenden...

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Erstellt am 24. Juni 2003 AD, aktualisiert am 01.01.2004

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