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Ein Film, der zu reden gibt

News zu "The Passion of the Christ"

Seit dem 07.07.2003 sind Sie BesucherIn Nr. Zugriffszähler

Seit Jahren beabsichtigt der australische Hollywoodstar und Regisseur Mel Gibson ( "Mad Max", "Braveheart", "The Patriot" ) einen Film über die letzten Stunden im Leben Jesu Christi zu drehen. Gibson ist nicht der erste, der sich an dieses heikle Thema wagt. Der ersten Passion der Brüder Lumière folgten ungezählte Jesusfilme, die meisten sind verschollen. In der Regel waren es künstlerisch anspruchslose Nachahmungen damals üblicher Passionsspiele.  Man muss weder ausgesprochener Bibelkenner noch Historiker sein, um in den meisten biblischen Verfilmungen weniger den Geist der Bibel, weniger den Hintergrund einer vertieften historisch-archäologischen Analyse, als den Stallgeruch ihrer Entstehungszeit wahrzunehmen. So reiht sich auch Cecil B. de Milles Remake seines Stummfilms-Epos' "Die zehn Gebote" (1956) nahtlos in die Reihe bombastischer Monumental-Epen ein, mit denen Hollywood in den 50er und 60er Jahren die Welt beglückte und die immer noch an Pfingsten, Ostern und Weihnachten zum festen Bestandteil der Fernsehprogramme gehören.

Sassi di Matera, ein süditalienisches Städtchen, das als Weltkulturerbe gilt, bot als Drehort das ideale Ambiente für Gibsons "The Passion".

Bekannt geworden sind die Jesus-Filme des Atheisten Pier Paolo Pasolini, jene von Franco Zeffirelli und das Jesus-Epos nach Lukas des internationalen Missionswerks „Campus für Christus“, das bisher etwa 5,6 Milliarden Menschen in bislang in 236 Ländern gesehen haben. Der 1978 gedrehte Spielfilm setzt das Lukas-Evangelium wortgetreu in Szene und wurde an Originalschauplätzen in Israel gedreht. Jesus-Verfilmungen haben bisweilen die Gemüter erregt. Heftig umstritten war etwa "Die letzte Versuchung Christi" (1988) des amerikanischen Starregisseurs Martin Scorsese, d.h. seine Verfilmung eines Romans des griechischen Nobelpreisträgers Nikos Kazantzakis. Diesem Versuch, Jesus in seiner Menschlichkeit und damit auch in seiner menschlichen Schwäche darzustellen, wurde zu Recht entgegengehalten, er genüge dem Anspruch und Selbstzeugnis des biblischen Jesus nicht, gleichzeitig Sohn Gottes zu sein. Ein bibelgetreues Jesusbild konnte von Scorsese, einem Agnostiker mit katholischen Wurzeln, auch kaum erwartet werden, obwohl er in seinen Filmen gerne religiöse Zitate aufnimmt.

Wie Jerusalem zur Zeit Jesu: Sassi die Matera wurde mit Stadttor und Palmen ausstaffiert.

Gewagt ist auch Mel Gibsons aktuelles Regieprojekt, wenn auch unter anderen Aspekten. Der Film "The Passion" handelt von den letzten Stunden Jesu Christi, seinem Leidensweg und seiner Kreuzigung. Der Autor beschrieb ihn als den "ultimativen Action-Film". Er äusserte die Ansicht, die Bibel sei das größte Abenteuer der Welt. Jim Caviezel ( "Der Graf von Montechristo", "The Thin Red Line" ) stellt den Sohn Gottes dar. Mels Anfrage kam just, als Jim 33 Jahre alt war, nach der Überlieferung exakt Jesu Lebensalter. Gibson als auch Caviezel sind bekennende Katholiken. Monica Bellucci ("Matrix Reloaded") übernahm nach etlichem Zögern die Rolle der Maria Magdalena. Als Drehort entschied sich Gibson für das einzigartige süditalienische Städtchen Sassi di Matera, welches als Weltkulturerbe gilt. Schon Pasolini hatte vor Jahrzehnten dort seinen Jesus-Film gedreht. Wieder einmal verwandelte sich die malerische Kulisse des Städtchens in das biblische Jerusalem zur Zeit Jesu. In Craco in der Basilicata wurden weitere Szenen der letzten 24 Stunden des Lebens Christi verfilmt: das letzte Abendmahl, die Gefangennahme, der Prozess, die Passion und der Tod des Messias. In den Filmstudios von Cinecittà in Rom werden einige Szenen aus Jesus vor Pilatus, der Begegnung mit Herodes und im Jerusalemer Tempel gedreht. Dort finden Kenner das bibelgetreuste Ambiente, weit besser noch als in Hollywood.

Das Besondere an dem eben fertig abgedrehten Werk ist, dass es bis ins allerletzte Detail akkurat und realistisch sein will. Grossen Wert legte Gibson auf die Berücksichtigung aller einschlägigen neuen archäologischen Erkenntnisse. Das bedeutet konsequenterweise, dass die Dialoge im Film ausschließlich in den damaligen Originalsprachen  Latein und Aramäisch geführt werden. Untertitel hätte es nach Mels ursprünglicher Absicht auch nicht geben sollen. Somit hätte es sich empfohlen, im Kino als Leitfaden ein Exemplar des Neuen Testaments zur Hand zu haben. Gibson selbst dazu: "Der Film soll vor allem durch die Gestaltungskraft der Bilder sprechen. Ich würde gerne die Sprachbarrieren übersteigen, durch die selbstsprechenden Szenen der Geschichte. Viele denken, ich sei verrückt, vielleicht bin ich das ja auch, oder aber ich bin ein Genie", so scherzte er auf einer Pressekonferenz in Rom. Vorbildhaft waren für ihn die dramatischen Lichtstimmungen des italienischen Barockmalers Caravaggio. Bei einer Vorab-Vorführung im kleinen Kreis am 26. Juni 2003 war der Film allerdings entgegen der ausdrücklich bekundeten Absicht untertitelt, ein Zugeständnis - schweren Herzens vermutlich - ans bibelunkundige Publikum.

Dreharbeiten für den Kreuzweg: Die beiden mit Jesus Verurteilten, eskortiert von römischen Soldaten.

Ein "Karrierekiller" sei ein solcher Film, so die Auffassung Mels Kritiker. Dieser lässt sich nicht beirren und erwartet, dass der Film trotz seines religiösen Hintergrundes ein weites Publikum finden wird: "Es gibt keinen grossartigeren Helden als Jesus. 'The Passion' ist das grösste Abenteuer aller Zeiten. Gott wird ein Mensch, und die Menschen töten Gott – wenn das keine Action ist, was dann?!" 25 Millionen Dollar aus seinem Privatvermögen hat Gibson in „The Passion“ gesteckt. Dieses Werk sei für ihn ein Zeichen der Dankbarkeit seinem Herrn und Erlöser gegenüber, bekennt er unumwunden. Als Inspiration dienten ihm neben den Evangelientexten auch die Passions-Visionen der deutschen Mystikerin und Augustinernonne Anna Katharina Emmerich und jene der spanischen Äbtissin Maria von Agreda. Gibson liess sich nicht nur von ausgewiesenen Spezialisten, Historikern und Theologen beraten, er besuchte während der Dreharbeiten auch täglich die Heilige Messe, und zwar im traditionellen lateinischen Ritus, dem er sich besonders verbunden fühlt. Es sei sein härtestes Projekt gewesen, gleichzeitig habe er aber Gottes Führung erfahren, das habe seine Arbeit trotz allem leicht gemacht. Stets habe er darauf geachtet, die fähigsten  Leute zur Mitarbeit zu gewinnen, etwa was Licht, Maskenbildner, Kostüme, Szenerie anbelange. Während des Sets habe es immer wieder unerwartete Ereignisse gegeben, erzählt Gibson: Die epileptische Tochter eines Beteiligten, mit mehrmaligen Anfällen pro Tag, sei überraschend und spontan geheilt worden. Einige Agnostiker und Moslems in der bunt zusammengewürfelten Crew hätten unter dem Eindruck ihrer Arbeit zum Christusglauben gefunden. Niemand sei davon unberührt geblieben. Am härtesten war es für den Hauptdarsteller Jim Caviezel: Täglich mehrmals den Kreuzweg gehen, immer wieder am Kreuz zu hängen  - er habe sehr gelitten, aber seine Arbeit mit einer Reisengeduld getan und nie geklagt. Einmal sei bei der Geisselungsszene vergessen worden, Jims Rückenpolsterung zu montieren...

Abendstimmung in Sassi di Matera - verlassene Kreuze am "Karfreitagabend".

Gibsons Absicht war es, auch Jesu Leiden in nie gekannter Realitätsnähe zu zeigen. Bei bisherigen Jesusfilmen war gerade die Passion das jeweils schwächste Element gewesen. Nun strapaziert Mel die Spezialisten aus Hollywoods Special-Effects-Küche. Die Gewalt an sich stehe aber nie im Zentrum. Es gehe ausschliesslich um das Selbstverständnis Jesu, der diese Brutalität aus Liebe zu seinen Mitmenschen freiwillig auf sich genommen habe. Diese Texttreue gegenüber den Evangelien trug dem Regisseur den Verdacht ein, der Film könne antisemitische Emotionen schüren. Vor allem die jüdische Anti-Defamation-League sah sich zu entsprechender Kritik veranlasst, allerdings noch ohne den Film gesehen zu haben. Mel stellte diesen Vorwurf entschieden in Abrede: "Ich bin kein Antisemit. Im Gegenteil: Jesus starb für die Sünden aller Menschen, auch für meine. Übrigens war auch Jesus selbst, seine Mutter und die Apostel, alle waren Juden!" Die anfängliche Skepsis der US-Bischofskonferenz wurde denn auch rasch zerstreut. Sie entschuldigte sich beim Regisseur für ihre vorschnelle Kritik.

Bereits sind die Dreharbeiten abgeschlossen und der Rohschnitt vollendet. Der Film soll in den USA im April 2004 starten, also wahrscheinlich zu Ostern in die Kinos kommen.

Mel Gibson: Ich bin kein Prediger, sondern ein Filmemacher
Im Interview mit ACI Prensa erzählt der Schauspieler und Regisseur über The Passion und warum ihn das Leiden Jesu so beschäftigt. Mehr unter: http://www.kath.net/detail.php?id=5634

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Letzte Aktualisierung am 17.10.2003