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"The Passion of the Christ" - Interview mit Fr. Jonathan Morris

Father Jonathan Morris LC war einer der theologischen Berater während der Dreharbeiten von Mel Gibsons Film "The Passion of the Christ". Seine umfangreiche Mitarbeit sowohl während der langen Monate der Dreharbeiten als auch während der Postproduktion vermittelten ihm tiefe Einblicke in das Denken und die Absichten des Regisseurs und in die einzigartige Natur des Films selbst. Pater Morris wurde 2002 zum Priester ordiniert und lebt gegenwärtig in Rom, wo er Priesterseminare leitet.
Sie waren an der Produktion von "The Passion of the Christ" beteiligt. Wie war das für Sie?
Father Morris:
Die letzten anderthalb Jahre hatte ich das große Glück, an diesem Film
mitarbeiten zu dürfen, zum einen, da ich als theologischer Berater gelegentlich
behilflich sein konnte, aber vor allem, weil ich als Priester und Freund der
Produzenten und Schauspieler dabei sein durfte. Dieser Film ist ein Triumph der
Kunst, vor allem und zu aller erst aber ein Triumph des Glaubens. Am Set
herrschte gelegentlich ein ziemlicher Stress. Mel, Steve, Jim, ... sie hatten
ein großes Risiko auf sich genommen, sie hatten mit dem Projekt ihre beruflichen
Karrieren, ihren Ruf und ihre guten Beziehungen innerhalb der Filmindustrie aufs
Spiel gesetzt. Es stand enorm viel auf dem Spiel und uns war klar, dass wir
hier mit einem Projekt von ungeahnten Ausmaßen zu tun hatten. Und als die Dinge
anfingen aus dem Ruder zu laufen, als die Presse anfing, ohne Unterlass über uns
herzufallen, ... das waren schwierige Augenblicke...
Warum gerade der Kreuzweg? Wäre es nicht wesentlich wirkungsvoller gewesen, andere Elemente des Lebens Christi zu zeigen?
Father Morris:
Gibson beansprucht in keiner Weise für sich, eine Zusammenfassung der
christlichen Religion oder eine Synthese der Evangelien erschaffen zu haben.
Was dieser Film zeigt, ist die visuelle Umsetzung von Mels persönlicher
Auseinandersetzung mit den historischen Ereignissen während der letzten
Augenblicke im Leben Jesu Christi. Zweitausend Jahre lang hat die Figur Jesus
Christus, für Christen wie für Nicht-Christen gleichermaßen, eine entscheidende
Rolle gespielt. Sein Leben hat in der Menschheitsgeschichte eine Zäsur gesetzt
und hat bis zum heutigen Tage unsere Kultur geprägt. Und aus eben diesem Grunde
ist dieser Film, obgleich er von seinem Ansatz her äußerst persönlicher Natur
ist, ein gültiges und sehenswertes Kunstwerk für Menschen aller Rassen und
Religionen.
Ein Hauptkritikpunkt am Film besteht im Vorwurf der überzogenen Gewaltdarstellung. Wie sehen Sie das?
Father Morris:
Wir haben uns zahllose Male anhören müssen, dass der Film Gewalt darstellt, und
das stimmt ja auch. Er stellt Gewalt dar, aber er ist nicht
gewaltverherrlichend. Er handelt davon, wie man der Gewalt ein Ende setzen
kann, und das geht nur durch Liebe und Vergebung. Es handelt sich um die
Geschichte eine Mannes, der aus freien Stücken ein ungerechtes Todesurteil auf
sich nimmt, der seine Lehre, dass Liebe stärker ist als Hass, auch konsequent in
die Tat umsetzt. Für Mel Gibson ist das Blut, das wir in der PASSION CHRISTI
sehen, nicht dasselbe Blut wie in „Braveheart“ oder „Lethal Weapon“ Es ist das
Blut des Jesus, der gekommen ist, den Bund Gottes mit den Menschen wieder
herzustellen und bereit ist, dafür den höchstmöglichen Preis zu zahlen.
„Niemand hat größere Liebe denn die, dass er sein Leben lässt für seine
Freunde. Euch aber habe ich gesagt, dass Ihr Freunde seid.“
Warum muss die Darstellung dann aber so plakativ, so brutal sein? Beim Anblick gewisser Szenen, insbesondere der Geißelungsszene, möchte man am liebsten laut ausrufen: „Aufhören!“
Father Morris:
Mel wollte zeigen, dass eine Kreuzigung keine schöne Sache ist. Was hier auf
der Leinwand gezeigt wird, entspricht nicht einmal der Hälfte der Geißelungen
und Schläge, die man dem Leichentuch von Turin entnehmen kann. Das wirkliche
Geschehen in voller Gänze zu zeigen, wäre für uns zuviel gewesen. Aber Mel war
es wichtig, dass der Zuschauer mit Jesus mitleidet, damit er versteht, welcher
Preis für unsere Erlösung entrichtet wurde. Allerdings glaube ich, dass die
Wirkung durch die Rückblenden etwas gemildert wird, und durch sie erfährt man
auch den Grund für das Leiden. Ich gebe Ihnen recht, das Leiden und der Schmerz
in dem Film sind schwer zu ertragen und ebenso schwer zu vergessen. Was aber am
Ende bleibt, was wir mit nach Hause nehmen, ist nicht die Sinnlosigkeit
unnötiger Gewalt, wie wir sie in anderen Filmen beobachten, sondern der hohe
Preis der Sünde und die unendliche Größe der Liebe Christi.
Welches sind Ihre Lieblingsszenen im Film?
Father Morris:
Obgleich Christus fraglos die Hauptfigur des Films ist, war Mel sehr daran
interessiert, auch das Drama derjenigen darzustellen, die willentlich oder
unwillentlich mit Christus auf seinem Kreuzweg in Berührung kamen. In jeder
Einstellung fordert Jesus' eindringlicher Blick uns auf, uns zu seiner Ebene
aufzuschwingen, unsere Selbstsucht hinter uns zurückzulassen und bessere
Menschen zu werden. Simon von Kyrene, Veronika, Petrus, Pilatus, der reuige
Dieb sowie mehr als ein römischer Soldat begegneten diesem Blick und durchlaufen
einen inneren Wandel durch den Eindruck dieses ungewöhnlichen Menschen. Ich
kann mich noch an zahllose Momente während der Dreharbeiten erinnern, in denen
Mel eine Einstellung nach der anderen drehte, nur um diesen Blickkontakt so
überzeugend wie möglich einzufangen. Mir gefällt ganz besonders dieser Aspekt
des Films, weil sich in ihm mit äußerster Deutlichkeit widerspiegelt, dass es
die persönliche Begegnung mit Jesus war, durch welche die Veränderung und
Bekehrung seiner Mitmenschen bewirkte.
Einige Kritiker äußerten, dass sie anstelle der ausschließlichen Fixierung auf das Opfer und das Kreuz gern etwas mehr Liebe gesehen hätten.
Father Morris:
Wenn es gestattet ist, würde ich der Antwort gern voranstellen, dass die
überwältigende Mehrheit der Zuschauer sich der Prämisse Ihrer Frage nicht
anschließen würde. Liebe ist im Film durchgehend zu finden. Das Problem liegt
darin, dass wir dazu konditioniert wurden zu glauben, dass Liebe sich nur in
positiven Gefühlen ausdrückt. Ich sehe keinen Widerspruch zwischen Opfer und
Liebe. Die Liebe des Kreuzes ist sicherlich nicht die romantische Liebe, die
wir sonst von Kinofilmen gewohnt sind, die Art von Liebe, die schöne und
sentimentale Gefühle hervorruft, und dann in unserer Erinnerung versickert, wenn
im Kino das Licht angeht und uns klar wird, dass das alles doch nur ein Film
war. Hier geht es um die Liebe, das Wohl anderer Menschen über das eigene zu
stellen, selbst wenn das Gerechtigkeitsgefühl nach Rache und Verbitterung
schreit.
Wie steht Mel Gibson selbst zu den Debatten um den Film?
Father Morris:
Dieser Film hat sicherlich viele Fragen aufgeworfen und eine hitzige Debatte
provoziert. Über diesen Film wurde vor seiner Premiere mehr geschrieben als
über jeden anderen Film je zuvor. Einige Kritiker versuchten ihn zu
politisieren, eine verborgene Botschaft herauszulesen, oder aus ihm einen Krimi
zu machen, nach dem Motto „Wer hat Jesus auf dem Gewissen?“ Wenn wir es uns
gestatten, uns auf diese Diskussion einzulassen, dann sehen wir vielleicht einen
ganz interessanten Film, aber dann sehen wir nicht Mel Gibsons Film. Vor zwölf
Jahren, in Augenblicken seiner persönlichen Krise, da beantwortete Mel die Frage
nach der Schuld am Tode Jesu Christi für sich selbst. Er brachte den Mut und
die Aufrichtigkeit auf zu sagen, dass seine Sünde es war, dass es die Sünde der
Menschheit zu allen Zeiten war, wegen derer Christus ans Kreuz geschlagen wurde
und heute immer noch ans Kreuz geschlagen wird, wann immer wir uns gegenseitig
durch alle möglichen Ungerechtigkeiten kreuzigen. Mel ist der festen
Überzeugung, dass der Film in keiner Weise kontroverser ist als die Person
Christi selbst. Christus war und ist ein lebender Widerspruch.
Wie kam es, dass Sie in dieses Projekt einbezogen wurden? Haben Sie vor, auch zukünftig als Priester im Bereich der Medien tätig zu sein?
Father Morris:
Ich bin gewissermaßen durch Zufall mit diesem Projekt in Berührung gekommen.
Andererseits gibt es keine Zufälle. Was zunächst als geringfügige Mitarbeit am
Film anfing, entwickelte sich bald in eine Vollzeit-Aufgabe, der ich mich mit
Leib und Seele verschrieb. Das kam daher, dass ich an den Film glaubte, und
außerdem, weil mich meine Vorgesetzten in dieser Angelegenheit unterstützten.
Ein Teil des apostolischen Charismas meines Ordens ist es, in den Massenmedien
tätig zu sein, die gute Nachricht mithilfe der modernen Kommunikationsmittel zu
verbreiten, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Und für genau diese
Arbeit herrscht auch ein Bedarf. Vor ein paar Monaten kam ich mal mit Mel und
Steve zum Set eines völlig weltlichen Unterhaltungsfilms, der diesen Sommer
herauskommen soll. Es wurde gerade eine Krankenhausszene gedreht, und als ich
da hinkam, da glaubten alle, ich sei ein als Priester verkleideter Statist.
Aber als sie herausbekamen, dass ich echt bin, da kamen sie zu mir, um sich mit
mir zu unterhalten, und ich verbrachte schließlich den Rest des Vormittags
damit, die Beichte abzunehmen, und das mitten auf einem Set in Hollywood. In
der Filmindustrie, wie auch in den meisten anderen Bereichen, sehnen sich die
Menschen nach der Liebe Christi. Die Welt ist auf Priester angewiesen. Die
Welt ist auf gute Mütter und Väter angewiesen. Die Welt ist auf gute Christen
angewiesen. Ich hoffe, dass der Mut, den Mel aufgebracht hat, in den Herzen
vieler weiterer Künstler, Politiker, Sportler, Priester und Akademiker
widerhallen wird, auf dass sie ihre Begabungen mit Bedacht einsetzen, jeder von
uns gemäß seinen Fähigkeiten und im Einklang mit den Eingebungen des Heiligen
Geists.
Quelle: Constantin Film
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Letzte Aktualisierung am 04.04.2004. Seit dem 12.03.2004 sind Sie BesucherIn Nr.