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August Hadolin Walter-von Rohr

1833 - 1878

Mümliswiler Kammfabrikant, Erbauer der ersten modernen Kammfabrik in der Schweiz

 

August Walter-von Rohr wurde am 19. September 1833 als zweites Kind aus zweiter Ehe des Mümliswiler Kammfabrikanten, Pintenwirts und Hauptmanns Urs Viktor Walter (1787-1862) mit Elisabeth Hafner (1803-1866) geboren. Seine ältere Schwester war Maria Katharina “Jeanette” Haefely-Walter (1836-1927), Frau des “Steinwirts Alois”. Auf August folgten noch die Geschwister Felix Gustav Walter-Zeltner (1839-1893), Kreuzwirt in Neuendorf und Katharina Weber-Walter (*1840), Sternenwirtin in Solothurn.

Im Geschäft seines Vaters lernte August das Kammmacherhandwerk und übernahm später den Betrieb, welchen bereits Grossvater Urs Josef Walter-Bloch gegründet hatte. Während einigen Jahren fabrizierte August Walter im Nebengebäude des Gasthofes zum Ochsen Richt- und Aufsteckkämme. 1862/1863 erbaute er eine grosse dreistöckige Fabrik in der Lobisey am südlichen Dorfeingang von Mümliswil. Im Parterre wurden Kämme gesägt, die beiden darüberliegenden Stockwerke an die Bandfabrikanten Emanuel Bürgi & Co. in Basel vermietet. Kammmachergesellen aus Deutschland, Frankreich und Oesterreich zogen ins Dorf, das frühere Handwerksgewerbe entwickelte sich zum industriellen Betrieb. Bereits 1867 erwarb Walter vom letzten Mümliswiler Papierfabrikanten Gottlieb Brosi dessen gesamte Liegenschaft mit der alten Papiermühle, Wohnhaus und Scheune und der etwas unterhalb gelegenen Nagelschmiede. Er liess die Gebäude - mit Ausnahme von Wohnhaus und “Nagli” - niederreissen und erbaute am Standort des späteren OWO-Presswerks seine zweite Kammfabrik, die erste mechanisierte dieser Art in der Schweiz.

 

Links das alte Wohnhaus des letzten Mümliswiler Papiermachers, rechts die zweite Kammfabrik von August Walter-von Rohr.

Der Erwerb eines Wassernutzungsrecht stellte die notwendige Energie für den Betrieb sicher. 1870 wurde das Gebäude bezogen, der Dachstock später ausgebaut. Die Belegschaft wuchs auf 25 Personen an. Neben einheimischem Material wurden auch schwere Büffelhörner aus Brasilien und Siam (Thailand) sowie das begehrte Schildpatt verarbeitet. Neben Kämmen produzierte man auch kleine Bedarfsartikel aus Hornabfällen wie Pfeifenmundstücke, Messergriffe, Brieföffner und Schnupftabakdosen. Der Maschinenbestand wurde verbessert und auf die Herstellung von Modekämmen ausgerichtet. Nach vielfachen Erweiterungen wurde der Haupttrakt 1915 bei der Explosionskatastrophe als eigentlicher Explosionsherd völlig zerstört und 1917 nur einstöckig wieder aufgebaut.

Visitenkarte der Kammfabrik A. Walter-von Rohr   

 

Walter war auch politisch aktiv und wirkte ab 1855 oder 1856 im Solothurner Verfassungsrat mit. Bei den Kantonsratswahlen von 1857 wurde er als Konservativer mit einem Mehr von 22 Stimmen gegen seinen Konkurrenten Friedensrichter Johann Jakob Brunner von den Radikalen gewählt. Daraufhin stellten ihm seine Anhänger einen Freudenbaum. 1861 und 1866 wurde er, trotz radikaler Mehrheit im Bezirk Thal, erfolgreich wiedergewählt und zog im August 1866 auch in den Gemeinderat ein.

Der junge August H. Walter-von Rohr in Paris, wo er sich bei 'Legros' (Palais Royal 116) fotografieren liess.

August Walter starb am 31. Juli 1878 im Alter von erst 45 Jahren. Sein Grabdenkmal steht noch heute bei der Mümliswiler Pfarrkirche. Sein erst 19jähriger Sohn August Walter-Hanard übernahm bis zu seinem frühen Tod im Jahre 1886 die Leitung des Betriebs.

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Angaben zusammengestellt von Josef C. Haefely, September  2002

 

 

 

 

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