Die Limmernschlucht in alten Ansichten
Felsenromantik nördlich von Mümliswil
Wer vor zweihundert Jahren Romantik in ungezügelter Natur suchte, fand sie schon damals beispielsweise auf einem Spaziergang etwas nördlich von Mümliswil. Die Limmernschlucht ist ein zerklüfteter Felseinschnitt, von dem sich schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts Landschaftsmaler angezogen fühlten. Dabei waren diese Künstler stets auch Reporter, vergleichbar unseren heutigen Fotografen, deren mehr oder weniger genaue Studien interessante Vergleiche mit dem Jetztzustand ermöglichen. Die damals sehr offene Felspartie beispielsweise ist heute viel stärker bewaldet. Tief eingeschnitten in seinem Bett zwängt sich der Limmernbach südwärts, an der "Buebeplumpi" und der "Meitschiplumpi" vorbei, dem früheren Badeplatz der Jugend. Das Gewässer gilt als einziger staatlich anerkannter Wildbach des Juras und hat auch nach seiner Korrektion im Jahre 1881 immer wieder erhebliche Überschwemmungen verursacht, bei denen auch mal Kühe aus der Limmern bis ins Dorf mitgerissen wurden.
"Am Limmerenbach bei Mümliswil" - Kolorierte Umrisszeichnung wohl von Caspar Wyss um 1790, Landesbibliothek Bern.
Gleich oberhalb der Limmernschlucht weitet sich die Landschaft beim Hof Genneten ein wenig. Vermutlich wurde das romantisierende Wasserfarbenild von Peter Birmann an dieser Stelle gemalt. Auch sein Sohn, der bekannte Landschaftsmaler Samuel Birmann, besuchte später das Passwanggebiet für seine zahlreichen Landschaftsstudien. Zum Bild: Nach dem Passieren des nördlichen Durchgangs aus steil aufragenden glatten Felsenplatten biegt der Weg nach Osten ab und führt heute unter der Sankt-Josefs-Kapelle hindurch zu einem kantonal geschützten Feuchtgebiet.
"Geisshirt am Limmerenbach hinter Mümliswil", Gouache von Peter Birmann um 1795, Kupferstichkabinett Basel.
![]()
Ungefähr im Jahre 1925 machte Gemeindeammann und Hobbyfotograf Josef Haefely-Glutz von derselben Stelle, die Caspar Wyss damals so in Bann gezogen hatte, die nebenstehenden Aufnahmen. (Zum Vergrössern auf die Bilder klicken!)
Schon lange bevor sich im Guldental Menschen niedergelassen hatten, war die Limmernschlucht von Höhlenbären bewohnt. Die schwer zugängliche "Bärenhöhle" erhielt ihren Namen, nachdem dort entsprechende Knochen und Zähne gefunden wurden.
Von diesen Fundstücken befindet sich ein einzelner Zahn im Besitz der Gemeinde.
Die Felsterrassen der Schlucht wie auch die gegenüberliegende "Storchenhöhle" dienen der Dorfjugend gelegentlich als Abenteuerspielplatz. Früher machten sich hingegen Bauarbeiter hier zu schaffen. Für den 1872 nicht vollendeten und wieder zugeschütteten Wasserfallenbahntunnel wurde in der Limmern ein senkrechter Entlüftungsstollen gegraben. Heute sind nur noch seine Umrisse zu erahnen. Auch ein Steinbruch befand sich in der Limmernschlucht, der für den Mümliswiler Kirchenbau von 1932 gut erreichbar war.
Mümliswiler Höhlenbärenzahn, Länge ca. 9 cm
Die Limmernstrasse zieht sich einige Meter über dem Bachniveau auf der Ostseite der Schlucht durch die Felsverengung. Die Strasse verbindet die verstreuten Berghöfe mit dem Dorf. Als historische Verbindung mit dem Baselbiet findet der Weg nördlich davon seine Fortsetzung über die Wasserfallen hinweg bis nach Reigoldswil. Der Übergang der Wasserfalle ist einer der weniger bekannten Jurapässe. Aus historischer Sicht jedoch völlig zu Unrecht. Als kürzeste Verbindung vom Mittelland nach Basel wurde der Pass wahrscheinlich seit der prähistorischen Zeit benutzt. Da über die Wasserfalle aber nie ein fahrbarer Weg führte, hatte sie nur für Säumer und Fussgänger eine Bedeutung.Die Zugänge zu den Limmernhöfen waren früher äusserst beschwerlich. Aus diesem Grunde drängte sich für die Sennen die Selbstverwertung ihrer Milch auf. Auf praktisch allen Höfen wurde Käse hergestellt. Über 450 Jahre wurde diese Tradition gepflegt, der Limmernkäse war wie der Passwangkäse begehrt. Im Jahre 1536 beispielsweise hatte der Pächter des Hofes "untere Limmern" dem Vogt zu Waldenburg einen Käse als Jahreszins zu übergeben. 100 Jahre später wurde auf Schloss Falkenstein dem Domkustos von St. Urs für seine Chorherren in Solothurn heimlich ein Limmernkäse zugesteckt. Seit 1952 wird in der Limmern nicht mehr gekäst. Nun wird Kälbermast und Konsummilchproduktion betrieben. Heute ist der alte Wasserfallenübergang ein schöner Wanderweg mit eindrücklicher Aussicht.
Man vergleiche auch die Fotoreihe 'Die Limmernschlucht - Natur pur"
In der Limmernschlucht gibt es auch einige Klettermöglichkeiten, senkrecht bis überhängend.
Übrigens: Hätten Sie gewusst, dass es auch im Kanton Glarus einen Limmernbach gibt?
Website erstellt am 25.1.2003, letzte Aktualisierung am 26.07.2003