zurück zur Seite 'Ortsgeschichte'
Feldställe und Feldscheunen - geschichtliche Zeugen einer bäuerlichen Kulturlandschaft
Auf halber Höhe der Passwangstrasse dämmert in der grossen Kurve gleich unterhalb der Heilig-Blut-Kapelle ein alter Feldstall vor sich hin. Einige mächtige Bäume geben dem alten Gemäuer etwas Wind- und Sonnenschutz. Dem Autofahrer springt dieser Bau sofort ins Auge, weil er vor der Kehre Tempo wegnehmen muss.
Einst prägten solche freistehenden kleinen Ställe und Scheunen das Landschaftsbild des Guldentals. Zu Beginn der warmen Jahreszeit wurde das Vieh auf die Jurahöhen getrieben und dort bis in den Herbst gesömmert. Die Tiere fanden darin Zuflucht vor Unwetter und Hitze und wurden dort je nachdem auch gemolken. Heute hat sich die Art der Beweidung gewandelt. So stehen die Feldställe oft leer. Möchte ein Landwirt seinen "Satelliten-Stall" nach herkömmlicher Art weiter nutzen, so schreibt ihm das Gesetz für die Tierhaltung z.B. die Errichtung einer Jauchegrube vor, kaum wirtschaftlich für nur wenige Tiere. Einige der Ställe werden notdürftig unterhalten und als Geräteschuppen oder Heuschober weiter verwendet, andere zerfallen zusehends. Auch am alten Stall an der Passwangstrasse ist die rauhe Witterung nicht spurlos vorübergegangen. Sein eindrücklich gefügter Dachstuhl aus beilgehauenen Balken verrät ein beachtliches Alter und zeigt, dass beim Bau Könner ihres Fachs am Werk waren. Nun ist abzusehen, dass die morschen Dachlatten bald der Last der Biberschwanzziegel nachgeben werden.
Eigentlich bedauerlich für die Thaler Kulturlandschaft, wenn mit solchen Feldställen und -scheunen nach und nach markante Zeugen einst juratypischer Bewirtschaftungsformen verschwinden. Es liegt fern, den Eigentümern solcher Ställe und Scheunen eine Vernachlässigung der Unterhaltspflicht vorzuwerfen. Ihre Situation ist angespannt genug. Unter dem Liberalisierungsdruck können sie sich nicht auch noch mit Denkmalpflege beschäftigen. Zudem setzt das Raumplanungsgesetz einer Umnutzung solcher Gebäude engste Grenzen. So bleibt schliesslich nach Jahren des Zerfalls nur noch der Abriss.
![]()
Jedenfalls wäre es höchste Zeit, dass auch nicht-bäuerliche Interessierte sowie Institutionen, denen an der Geschichte unserer Juralandschaft etwas liegt, sich Gedanken machen, mit welchen Massnahmen der Erhalt solcher Zeitzeugen gefördert werden könnte. Dokumentationen früherer Lebensformen - zwischen Pappdeckeln in Archiven aufgehoben - sind wichtig und gut. Erhaltene und unterhaltene Beispiele vor Ort erzählen in ihrem Kontext allerdings ungleich mehr. Auch wenn diese Feldställe keine spektakulären architektonischen Objekte sind, eingebettet in die Juralandschaft hätten sie ihre Berechtigung als Denkmäler des kulturellen Wandels.
![]()
![]()
![]()
![]()
Die Bilder wurden am 15. Dezember 2002 aufgenommen.
Im Herbst 2003/Frühjahr 2004 wurde diese Feldscheune wieder aufgebaut
Website erstellt am 15. Dezember 2002, letzte Aktualisierung am 10. September 2003
Dieser Beitrag erschien auf Anfrage der Redaktion hin im «Oltner Tagblatt» vom Samstag, 21. Dezember 2002