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Das Haus Nr. 2 am Steinenbergweg in Mümliswil - Die "Nagli"
Am südlichen Dorfeingang von Mümliswil steht links der Hauptstrasse, gleich nach der Autogarage Brunner auf der anderen Seite des Bachs ein Haus, das direkt an den Felsen gebaut wurde. Dieser Bau hat eine interessante Vergangenheit, die man ihm nicht unbedingt ansieht. Nur noch die im Dorf gebräuchliche Bezeichnung "Nagli" erinnert daran, dass hier einmal eine Nagelschmiede stand. Im Sommer 1898 war die Wiese davor noch unverbaut und zeigte sich wie auf unserem historischen Bild. Im Vordergrund ist auch der obere Teil des Kanals der damaligen Seidenbandfabrik zu sehen.
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Gemäss Ortschronist Bruno Saner-Kölliker wurden in der Mümliswiler Nagelschmiede bis ins Jahr 1844 Nägel hergestellt. Dafür wurde die Wasserkraft des Mümliswilerbachs benutzt. Laut Angaben von Felix Walter, dem Vater von Otto Walter-Obrecht, hatte die "Nagli" auf der hinteren Seite längs des Felsens ein kleines Wasserrad. Eine ähnliche Schmiede mit zwei Wasserrädern befindet sich noch in Beinwil im Lüsseltal, gegenüber dem Restaurant Reh. Diese ist heute noch funktionstüchtig. Nachdem Nägel anderswo maschinell hergestellt wurden, konnte sich die Produktion in Mümliswil nicht länger halten.
In einem Verzeichnis aller Pfarreiangehörigen von Mümliswil-Ramiswil aus dem Jahre 1806, erstellt durch den damaligen Ortspfarrer Joseph Alois Wirz (1805-1809 in Mümliswil), findet sich folgender Eintrag:
Domus Naglers dicta [ lat. = Das sogenannte "Naglers Haus"]
Johannes Triebald, Anna Maria Eis, Parentes [ = Eltern]
Infantes [ = Kinder]: Elisabeth, Melchior, Catharina
Gemeindeammann und Dorfchronist Beat Walter ("Hüppe Bat") erwähnt in seinen Aufzeichnungen die Nagli folgendermassen: "Im Haus No 2 wahr eine Nagelschmiede, wahr dem Johann Diemand von Hubersdorf. Anno 1844 hörte in Folge der Maschinennagel diese Arbeit in hier auf."
Kammfabrikant Otto Walter-Obrecht (1856-1941) schrieb in seinen Lebenserinnerungen, wie er im Jahre 1888 die "Nagli" gekauft habe, um sie im Jahre 1909 umzubauen. Sein Vater Felix Walter (1827-1910), Kammfabrikant in Selzach, sei zusammen mit Ottos Stiefmutter Carolina und Tochter Agnes gerne in seine alte Heimat Mümliswil zurückgekehrt, um hier sein letztes Lebensjahr zu verbringen.
Die "Nagli" auf einer Foto aus dem Album der Familie Walter-Obrecht aus dem Jahre 1918.
Eine andere Aufnahme aus dem Album von 1918 zeigt links den "Steinenberg", in der Mitte die "Nagli" und rechts die Villa Walter-Obrecht (Ausschnitt).
Auf dem Planausschnitt eines Kanal- und Turbinenprojekts von 1898 ist die "Nagli" an der unteren rechten Ecke ( "Nr.2" ) eingezeichnet. Der am Haus vorbeiführende Kanal ist heute zugeschüttet.
Website erstellt: 28.10.2002 / Letzte Aktualsierung: 11.11.2002